Bayernwahl: Wer CSU wählt, kann mitunter auch Die Grünen bekommen

Von Jürgen Fritz, Mi. 12. Sep 2018

In Bayern riecht es immer mehr nach Schwarz-Grün. Die CSU wird nach derzeitigem Stand mehr als ein Viertel ihrer Wähler verlieren, Die Grünen werden dagegen enorm zulegen, wahrscheinlich sogar zweitstärkste Kraft werden, so die AfD sie nicht noch auf den letzten Metern abfangen kann. Markus Söder wird also wohl Ministerpräsident bleiben, wird aber mit Sicherheit eine neue Stellvertreterin bekommen.

CSU liegt 10 Punkte von einer absoluten Mehrheit entfernt

Viereinhalb Wochen vor der bayerischen Landtagswahl zeichnen sich die Dinge immer deutlicher ab. Natürlich kann es noch kleinere Veränderungen geben in den nächsten 32 Tagen, aber einige Dinge dürften mehr oder wenig schon klar sein. Unter anderem, dass die CSU ihre absolute Mehrheit im Landtag verlieren wird.

Bei der letzten Landtagswahl 2013 kam die CSU auf 47,7 Prozent. Das reichte, wie eigentlich fast immer in Bayern, um die Landesregierung alleine stellen zu können. Gehen wir von ca. 8 bis 9 Prozent für die Linkspartei und andere Kleinparteien aus, die an der Fünfprozenthürde scheitern dürften, so reichten ca. 45,5 oder 46 Prozent für eine absolute Mehrheit der Sitze im Maximilianeum.

Davon ist die kleine Schwester der CDU derzeit aber ca. 10 Punkte entfernt. Laut der letzten vier Umfragen von INSA, Civey, GMS und Infratest dimap liegt die CSU nur noch bei ca. 35,7 Prozent. Da sind sich alle viel einig. Somit wird die CSU mindestens einen oder gar zwei Koalitionspartner benötigen, der/die nach jetzigem Stand ca. 10 Prozent auf die Waage bringen muss. Somit würden die Freien Wähler und die FDP als alleiniger Partner jeweils ausscheiden, da diese kaum viel mehr als 5,7 bis 8,5 Prozent zu erlangen imstande sind.

Wer CSU wählt, kann mitunter die Grünen gleich mitbekommen

Mit der AfD, die sie als ihren größten Feind ausgemacht hat, wird die CSU mit Sicherheit nicht koalieren, dann eher noch mit den Grünen oder der SPD. Die SPD ist aber in Bayern mit ca. 12 Prozent derart schwach, vor allem aber sie verliert derart viele Stimmanteile, dass dies irgendwie nicht passt, dem größten Wahlverlierer die Regierungsgeschäft mit anzuvertrauen. Denn die SPD wird wohl regelrecht einbrechen von zuletzt 20,6 auf jetzt ungefähr 12 Prozent. Das heißt, die SPD verliert von zehn ihrer Wähler mehr als vier! Wie will man der Bevölkerung vermitteln, so jemand in die Regierung zu holen?

Genau umgekehrt aber wird es bei den Grünen sein. Nach der AfD werden sie als der zweite große Gewinner aus dieser Wahl hervorgehen und werden von 8,6 auf mindestens 15, 16 Prozent steigen, vielleicht sogar noch etwas mehr. In den vier letzten Umfragen liegen sie bei 15 / 16,5 / 16  und 17 Prozent, im Schnitt ca. 16,1 Prozent. 35,7 plus 16,1 Prozent ergibt 51,8 Prozent, wäre also eine satte Mehrheit.

Alternativ wäre ein Dreierbündnis mit Freien Wählern und der FDP eine Option. Ein solches käme derzeit auf ca. 49,9 Prozent. Ein Dreierpakt würde für die CSU aber bedeuten, dass sie noch mehr Kabinettsposten abgeben müsste und die Abstimmungen mit zwei Partnern wären nicht unbedingt leichter als mit einem. Wer also CSU wählt, kann mitunter die Grünen gleich mit bekommen.

Kommt es zu einer schwarz-grünen Landesregierung, wird wohl die AfD Oppositionsführerin

Der größte Wahlgewinner wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die AfD werden, die von 0 auf über 13 Prozent emporschnellen, Linke, FDP, freie Wähler und höchstwahrscheinlich auch die SPD auf Anhieb hinter sich lassen wird.

INSA, Civey und GMS sehen die AfD bei um die 14 Prozent, nur Infratest dimap fällt hier heute mit 11 Prozent völlig aus dem Rahmen. Hier stellt sich die Frage, wie zuverlässig der Infratest-Wert ist, der aber natürlich gleichwohl mit eingerechnet wurde. Eventuell könnte es mit den Grünen ein Kopf an Kopf-Rennen geben um Platz 2, im Moment deutet es aber eher auf Platz 3 hinter den Grünen hin. Sollte die CSU ein schwarz-grünes Bündnis eingehen, wäre die AfD in München wie auch im Bundestag Oppositionsführerin.

Aktuelle Umfragewerte

Betrachten wir die vier Umfragen, welche – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen Wählerbefragungen durchführten, so erhalten wir folgendes Bild von INSA (1.033 vom 23.08. bis 27.08. Befragte), Civey (5.046 vom 30.08. bis 09.09. Befragte), GMS (1.006 vom 04.09. bis 10.09. Befragte) und Infratest dimap (1.000 vom 05.09. bis 10.09. Befragte):

  1. CSU: 36 % – 35,8 % – 36 % – 35 %, Mittelwert: 35,7 %
  2. GRÜNE: 15 % – 16,5 % – 16 % – 17 %, Mittelwert: 16,1 %
  3. AfD: 14 % – 13,7 % – 14 % – 11 %, Mittelwert: 13,2 %
  4. SPD: 13 % – 12,1 % – 12 % – 11 %, Mittelwert: 12,0 %
  5. Freie Wähler: 8 % – 8,1 % – 7 % – 11 %, Mittelwert: 8,5 %
  6. FDP: 6 % – 5,8 % – 6 % – 5 %, Mittelwert:  5,7 %
  7. LINKE: 3 % – 2,7 % – 4 % – 5 %, Mittelwert:  3,7 %
  8. Sonstige: 5 % – 5,3 % – 5 % – 5 %, Mittelwert:  5,1 %

2018-09-12

Gewinne und Verluste

Gegenüber der Landtagswahl 2013 ergeben sich damit folgende Veränderungen:

  1. AfD: + 13,2 %
  2. GRÜNE: + 7,5 %
  3. FDP: + 2,4 %
  4. LINKE: + 1,6 %
  5. Freie Wähler: – 0,5 %
  6. Sonstige: – 3,6 %
  7. SPD: – 8,6 %
  8. CSU: – 12,0 %

Die nächste stellvertretende Ministerpräsidentin des Freistaates Bayern?

Sollte es wie schon in Hessen und in Baden-Württemberg nun auch in Bayern zu einer schwarz-grünen Landesregierung kommen, würde wohl Katharina Schulze, die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, Landesministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin werden. Insofern freut es mich besonders, Ihnen Katharina Schulze kurz vorstellen zu dürfen.

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Titelbild: YouTube-Screenshots von Katharina Schulze und Markus Söder

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