Auf Messers Schneide: So werden die Hessen morgen wählen

Von Jürgen Fritz, Sa. 27. Okt 2018

Diese Wahl, das sei vorweggenommen, wird unglaublich eng und wahnsinnig spannend werden. Wird Schwarz-Grün seine Mehrheit verteidigen können? Reicht es vielleicht eher für Schwarz-Rot oder wird die CDU einen dritten Partner brauchen und wir werden in Hessen eine Jamaika-Koalition sehen? Wahl-O-Matrix, das von mir gegründete und deutschlandweit führende Meta-Analyse-Tool, wagt erneut eine ganz konkrete Prognose und sagt voraus: Es könnte noch eine vierte Variante in Frage kommen, die gleichsam die schlimmste von allen, quasi der Worst-Case wäre.

Bisherige Kräfteverhältnisse in Hessen

Hessen ist vor allem bekannt für seine Wälder und seine schöne Landeshauptstadt Wiesbaden, die einst ein römischer Kurort war, aber natürlich auch für die Finanzmetropole Frankfurt am Main mit seinen Wolkenkratzern. Mit über 6,2 Millionen Einwohnern ist es das fünft bevölkerungsreichste Bundesland nach NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Seit 2014 sehen wir in Hessen eine schwarz-grüne Landesregierung unter Ministerpäsident Volker Bouffier (CDU). Stellvertretender Ministerpräsident im Kabinett Bouffier II ist der grüne Tarek Al-Wazir. Bei der letzten Landtagswahl in Hessen im September 2013 hatten wir folgende Kräfteverhältnisse:

  1. CDU: 38,3 %
  2. SPD: 30,7 %
  3. GRÜNE: 11,1 %
  4. LINKE: 5,2 %
  5. FDP: 5,0 %
  6. AfD: 4,1 %
  7. Sonstige: 5,6 %

Die FDP schaffte zwar den Einzug in den hessischen Landtag, verlor aber mehr als 11 Punkte, fiel von 16,2 auf 5 Prozent. Damit hatte die schwarz-gelbe Regierung ihre Mehrheit verloren und die CDU brauchte einen neuen Koalitionspartner, den sie in den Grünen fand, die zwar auch verloren, aber nur 2,6 Punkte (von 13,7 auf 11,1 Prozent). Soweit die Ausgangssituation. Nur zu meiner Prognose.

Wahl-O-Matrix-Prognose

Zunächst eine Vorbemerkung. Natürlich kann kein Mensch die Zukunft exakt voraussagen. Insofern sind die folgenden Zahlen nicht so zu lesen, dass es morgen bei der Landtagswahl in Hessen ganz genau so kommen wird. Gleichwohl hat gerade Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool, schon bei der NRW-Wahlbei der Bundestagswahl und der Bayernwahl gezeigt, wie nah es mit seinen Wahlprognosen an den tatsächlichen Ergebnissen lag. Die mittlere Abweichung betrug nämlich gerade mal 0,56 bzw. 1,09 resp. 1,33 Prozent. Dies wird auch bei der Hessenwahl das Ziel sein, die Wahlergebnisse mit einer Genauigkeit von ca. 0,5 bis 1 Prozent  vorauszusagen, maximal aber mit einer mittleren Abweichung von 1,5 bis 2 Prozent.

Hier also meine Prognose, basierend auf den letzten Umfragen von Infratest dimap, INSA, Civey sowie Forschungsgruppe Wahlen und langjährigen Beobachtungen und Analysen der verschiedenen Institute, wie genau diese in der Vergangenheit waren und welche systematischen Verzerrungen bei ihnen zu beobachten sind. So werden die Hessen morgen wählen:

  1. CDU: 27,5 %
  2. SPD: 20,5 %
  3. GRÜNE: 19,5 %
  4. AfD: 12,5 %
  5. LINKE: 7,8 %
  6. FDP: 7,8 %
  7. Sonstige: 4,4 %

2018-10-27-Prognose

Gewinne und Verluste

Bei diesem prognostizierten Wahlergebnis hätten die einzelnen Parteien folgende Gewinne und Verluste zu verzeichnen:

  1. AfD: + 8,4 %
  2. GRÜNE: + 8,4 %
  3. FDP: + 2,8 %
  4. LINKE: + 2,6 %
  5. Sonstige: – 1,2 %
  6. SPD: – 10,2 %
  7. CDU: – 10,8 %

Wir werden also morgen auf jeden Fall zwei große Gewinner sehen, nämlich – genau dem bundesweiten Trend entsprechend – die AfD und die Grünen, daneben zwei kleine Gewinner mit der FDP und der Linkspartei (SED) und zwei ganz große Verlierer: SPD und CDU.

Je nachdem, wie groß die Verluste für die CDU werden, könnte es für Merkel immer enger werden. Ich bin relativ sicher, dass die CDU mehr als 10 Punkte verlieren wird. Die CSU verlor vor zwei Wochen in Bayern 10,5 Punkte. Für die Hessen-CDU könnte es unter Umständen noch mehr werden.

Was bedeutet ein solches Wahlergebnis?

1. Es bedeutet zunächst einmal, dass Schwarz-Grün seine Mehrheit verlieren könnte. Rechnen wir die ca. 4,4 Prozent für sonstige Parteien heraus, die alle an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern werden, so werden ca. 47,5 bis 48 Prozent (nach meiner Prognose: 47,8) der Stimmen reichen, um die Mehrheit der Sitze im Landtag zu erhalten. Schwarz-Grün käme nach meiner Prognose auf ca. 47 Prozent. Natürlich können es statt 47 auch 46 bis 48 oder 45 bis 49 werden. So genau lässt es sich nicht voraussagen. Das heißt, es verspricht ganz eng zu werden morgen für die bisherige schwarz-grüne Landesregierung.

2. Wenn es für Schwarz-Grün nicht ganz reichen sollte, dann bräuchte die CDU entweder einen stärkeren Koalitionspartner als die Grünen oder einen weiteren, also ein Dreierbündnis. Mit der SPD zusammen könnte es eventuell reichen, aber auch das dürfte ganz eng werden. Laut meiner Prognose käme Schwarz-Rot auf ca. 48 Prozent. Das würde dann wahrscheinlich gerade so reichen, um über die 47,8 zu kommen, sofern meine 4,4 Prozent-Prognose für die sonstigen Parteien hinhaut.

3. Wenn es weder mit der SPD noch mit den Grünen alleine reichen sollte – die Chancen hierfür dürften etwa bei 50:50 stehen -, dann bräuchte die CDU einen dritten Partner und da würde sich dann wohl nur die FDP anbieten, denn mit der AfD und der Linkspartei (SED) wird man kaum koalieren wollen. Das spräche wohl am ehesten für eine Jamaika-Koalition: CDU + GRÜNE + FDP. Aber auch Schwarz-Rot-Gelb wäre dann noch eine Option.

4. Nun aber zum Worst-Case-Szenario. Es gibt nämlich noch eine vierte Möglichkeit, die realistisch ist und eintreffen könnte: Rot-Grün-Dunkelrot. Nach meiner Prognose kämen SPD, Grüne und Linkspartei zusammen auf ca. 47,8 Prozent. Das wäre dann womöglich fast exakt die Hälfte der Sitze im Parlament. Sprich: Es wird morgen wohl unglaublich eng und kann auf jede Stimme ankommen.

Spielt es eine Rolle, ob man CDU, FDP oder AfD wählt, wenn man Rot-Grün-Dunkelrot verhindern will?

Nein, das spielt keine Rolle. Wenn SPD, Grüne und SED auf über 48 Prozent kommen, dann haben sie zusammen eine Mehrheit und können eine Regierung bilden. Wie sich dann die restlichen knapp 52 Prozent verteilen, von denen wir mindestens ca. 4 Prozent für sonstige Parteien abziehen müssen, spielt dann keine Rolle. Wenn Rot-Grün-Dunkelrot über 48 Prozent haben und CDU, AfD und FDP zusammen unter 48 Prozent, dann kann die CDU eine SPD-Grüne-Linke-Regierung nicht mehr verhindern, egal wie stark sie selbst ist, sofern diese drei Parteien so ein linksextremistisches Bündnis wollen. Ob die CDU dann 25 oder 30 Prozent hat, ist nicht von Relevanz. Und eine CDU geführte Jamaika-Koalition kann sie auch mit 25 Prozent anführen, sofern Rot-Grün-Dunkelrot keine Mehrheit bekommt.

Eine schwaches Wahlergebnis für die CDU in Hessen wird aber Merkel in Berlin enorm schwächen und eine möglichst starke AfD wird den Druck auf CDU, SPD und FDP erhöhen, zumindest einige Positionen der AfD zu übernehmen, will man nicht bei jeder Wahl nicht immer noch schwächer und noch mehr abgestraft werden.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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