Wat habter für ’ne fiese Charakter: Wie Beckmann sich bei Matussek für seine Einladung bedankt

Von Jürgen Fritz, Mo. 11. Mrz 2019

Am Samstag feierte Matthias Matussek seinen 65. Geburtstag. Nun war und ist der Mann seit über 40 Jahren als Journalist und Publizist tätig, davon über ein viertel Jahrhundert lang für den „Spiegel“, unter anderem als Büroleiter in New York, Rio de Janeiro und London, später dann als Leiter des Kulturressorts. Dementsprechend sah die Gästeliste aus. Viele Freunde, gute Bekannte und Kollegen aus diesen gemeinsamen Jahren und Jahrzehnten. Nun war aber auch einer da, der wollte eigentlich gar nicht dabei sein, war es aber doch und wollte auch dabei sein, das aber nur um zu zeigen, dass er eigentlich gar nicht da sein will. Und das zeigte er zuerst in einem Geburtsstagsständchen der besonderen Art und, weil ihm das noch nicht reichte, auch noch in einem öffentlichen Schreiben, in dem er allen nochmals so richtig sagte, was er von dem Geburtstagskind denkt.

Beckmann: Ich war nur da, um zu zeigen, dass ich da nicht sein will

Ja, die Gästeliste konnte sich wirklich sehen lassen: Franz Josef Wagner (Bild), Jan Fleischhauer und zwei weitere Kollegen vom SpiegelErika Steinbach früher mal CDU, Andreas Lombard (Cato), die Schriftstellerinen Monika Maron und Cora Stephan, Michael Klonovsky früher mal Focus und seine Frau, die Pianistin Elena Gurevich, Dieter Stein (Junge Freiheit), Alexander Kissler (Cicero), Bettina Röhl (Tichys Einblick), Vera Lengsfeld, Alexander Wendt (Focus), die Buchautorin Laila Mirzo, die Buchhändlerin Susanne Dagen und viele andere mehr.

Letztere ließ es sich wie Elena Gurevich nicht nehmen, für ein wenig musikalische Unterhaltung zu sorgen, zu spielen und zu singen. Das wollte sich auch Reinhold Beckmann von der ARD nicht nehmen lassen, weil er dem Geburtstagskind doch gerne eine mitgeben wollte. Und weil das womöglich irgendwie gar nicht so richtig angekommen war, was er da für ein vergiftetes Geburtstagsgeschenk bzw. Danaer-Geschenk er dabei hatte, wollte er das am Sonntagabend auf seiner Facebookseite Reinhold Beckmann & Band nochmals ganz klar stellen, warum er eigentlich nur da war.

„Er sollte Schluckbeschwerden bekommen“

Beckmann, dem das ARD-Geld, also eigentlich das GEZ-Geld, also unseres, nur so aus den Taschen quillt und der vielleicht eigentlich nur nicht will, dass die Quelle des Überquellens je zum Erlöschen kommt – man hat sich ja an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt und möchte weiter dazugehören -, schreibt am Sonntag, nachdem er am Samstag nur gesungen hat: 

„Ich weiß um Matthias Matussek. Auf seinen politischen Irrwegen ist er nach einer Jugend in marxistisch-leninistischen Gruppen mittlerweile bei der Neuen Rechten angekommen. Er bezeichnet uns Journalisten heute als kümmerlichen Haufen angepasster Kugelschreiberträger. Und seine Freunde wollen meine journalistische Heimat abschaffen. Früher haben wir gemeinsam gute Diskussionen geführt.

Vor einigen Wochen kam die Einladung zu seinem 65. Geburtstag. Gehst du hin oder bleibst du weg? Ich habe lange überlegt, dann beschlossen meinen Gitarrenkoffer zu nehmen und ihm mein vergiftetes Geschenk mitzubringen, meine Version des Bob Dylan-Klassikers ‚Things have changed‘. Er sollte was zu kauen haben. Schluckbeschwerden bekommen. Ich wollte so meine Widerworte gegen seinen Irrweg setzen.

Ein Ausschnitt aus dem Text: „Ein trauriger Mann mit traurigem Geist, niemand mehr da, alle längst abgereist… Die Menschen sind verrückt, die Zeiten sind obskur. Er hängt hier fest, ist neben seiner Spur. Ihm war mal was wichtig, aber heut nicht mehr…“

Was mir nicht ganz klar war, in welcher Gesellschaft er da tatsächlich seinen Geburtstag feiern würde. Klar, ich hätte es mir denken können. Ich muss zugeben, ich habe mich da verlaufen, ich hätte dort nicht hingehen sollen. Wir kannten uns ja lange und ich erkannte ihn nicht mehr wieder. Es ist einfach nichts mehr da vom alten Matussek, kaum noch alte Freunde, dafür viele neue rechte Gesinnungskumpel. Wie bitter.“

Hier wartet Beckmann noch im Hintergrund auf seinen großen Auftritt:

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Susanne Dagen und Elena Gurevich, im Hintergrund Beckmann

„Wie groß müssen der Anpassungsdruck und die Angst sein?“

Jetzt stellt sich die Frage, wer hat da jetzt wem ein Ei ins Nest gelegt. Hierzu einige Kommentare von gestern und heute.

Tumult Vierteljahresschrift für Konsensstörung kommentierte dies kurz und knapp wie folgt: „Wie groß müssen der Anpassungsdruck und die Angst sein?“.

Dabei wird dieses üble Nachtreten von denen, die sich nun empören, dass ARD-Beckmann zu so einem überhaupt hingeht, gar nicht honoriert. Die taz schreibt heute: „Wer hingeht, hat sich entschieden. Reinhold Beckmann spielt auf dem 65. Geburtstag des rechten Autors Matthias Matussek Gitarre. Später bedauert er es. Zu spät … Natürlich kann man auf die Geburtstagsparty von Matussek gehen. Dann aber hat man sich entschieden: dafür, mit Rechten zu feiern anstatt sie zu delegitimieren.“

Die Bild trägt mal wieder dick auf: „Moderator Beckmann singt und distanziert sich dann. Vorbestrafter Rechtsextremer bei Geburtstag von Bestseller-Autor Matussek … Neben renommierten Ex-„Spiegel“-Kollegen … BILD-Kolumnist Franz-Josef Wagner und Journalisten von ZEIT-online … „Focus“ … und „Stern“ … empfing Matussek die Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach, den Chef des Rechtsaußen-Blatts „Junge Freiheit“, Dieter Stein, und: Mario Müller – vorbestrafter Rechtsextremer und Spitzenkader der „Identitären Bewegung“! Müller ist 2012 verurteilt worden, weil er einen Antifa-Aktivisten mit einem selbstgebastelten Totschläger (Socke mit Hantelmuttern) schwer verletzt hatte. Auffällig: Matussek trug auf der Feier eine spezielle Krawatte. Den gleichen Krawatten-Typ trägt auch AfD-Parteichef Alexander Gauland …“

„Wer solche Gäste hat, braucht keine Familienmitglieder mehr“

Thilo Schneider kommentiert dagegen auf achgut: „Ich wette auch Zehn zu Eins, dass 99 Prozent der Gäste der Schlager-Mario unbekannt war. So gesehen ja eigentlich ein Zeichen gelungener Resozialisierung. Schließlich können in diesem Land ja auch Steinewerfer Außenminister und Steinmeier Bundespräsidenten werden. Reinhold Beckmann jedenfalls wird gleich in Sippenmithaftung genommen, denn, man stelle sich DAS mal vor, er hat – Obacht – GESUNGEN! Jawohl. Gesungen. Auf dem Geburtstag von Matthias Matussek. Das tut ihm jetzt leid. Dem Beckmann. Dem Matussek wahrscheinlich auch … Wer solche Gäste hat, braucht keine Familienmitglieder mehr.“

ES+MM

Erika Steinbach und Matthias Matussek

Und dann gibt es da noch einen Kommentar, mit dem ich die kleine Presse- und Kommentarschau beenden möchte. Wenn man eine Liste anfertigen sollte von Menschen in diesem Land, die für Geradlinigkeit, für Charakter, für Rückgrat stehen, dann wäre, egal wie kurz die Liste ausfallen sollte, eine Frau stets mit dabei: Erika Steinbach. Und die war auch am Samstag bei Matusseks Geburtstagsfeier mit dabei. Was sie von der Beckmann-Aktion hält? Lesen Sie selbst:

„Hallo Herr Beckmann, Matthias Matussek befand sich in der allerbesten Gesellschaft von Menschen die nicht einfach Mitläufer sind, sondern auf eigenes Risiko gegen den Strom zu schwimmen bereit sind. Mit einer Ausnahme! Und die sind Sie‼️ Peinliche Stellungnahme eines Geburtstagsgastes. Wie sagte der Lehrer in der Feuerzangenbowle: „Wat habter für ’ne fiese Charakter“.

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Titelbild: Bild auf Facebook von der Geburtstagsfeier

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