Der Hase und der Igel – die Geschichte einer linken Hetzjagd

Von Katharina Krüger-Magiera, Mi. 03. Apr 2019

In dem Märchen „Der Hase und Igel“ macht sich bei einer zufälligen Begegnung der vornehme Hase, ein ausgezeichneter Läufer, über die schiefen Beine des Igels lustig. Daraufhin fordert ihn dieser zu einem Wettrennen heraus, welchem der Hase sich gerne stellt. Doch gegen den raffinierten Igel hat der Hase zu keinem Zeitpunkt eine Chance, denn der Igel spielt nicht mit fairen Mitteln. Als der Hase im Ziel ankommt, steht dort bereits die Frau des Igels, die diesem zum Verwechseln ähnlich sieht. Der Hase kann das gar nicht begreifen, will Revanche, doch die beiden Betrüger hetzen ihn in den Tod und das ganz ohne Anstrengung. Katharina Krüger-Magiera erklärt anhand dieser Metapher, mit welchen Methoden die Neuen Linken ähnlich gnadenlos und heimtückisch agieren.

Ungleichheit oder Ungerechtigkeit?

Die Fabel „Der Hase und der Igel“ wird immer gern zitiert, um auf die Ungerechtigkeit von Ungleichheiten zu verweisen. Der Hase sei arrogant, weil er dem Igel seine krummen Beine vorhalte. Aber hetzt man jemanden zu Tode, der doch nur auf Tatsachen hinweist? Ist der Hase womöglich ein Gewalttäter, gegen den sich der Igel verteidigen darf, sich sogar verteidigen muss, um sich und seinen Kindern Chancengleichheit ermöglichen zu können?

Wenn man krumme Beine nicht abschaffen kann, muss man eben ein Gesetz verabschieden, dass die Wortkombination aus „Igel“ und „krumme Beine“ verbietet. Falls diese Maßnahme nicht ausreicht, um die „Strukturelle Gewalt“, die von den Hasenbeinen ausgeht, zu beseitigen, muss der Hase verpflichtet werden, langsamer zu laufen oder den Igel zu tragen. Ein wahrer Sieg für die Gerechtigkeit. Das Ende der „Strukturellen Gewalt“ ist gekommen!

„Strukturelle Gewalt“ oder Gewalt gegen Strukturen?

Den linken Kampfbegriff der „Strukturellen Gewalt“ lehnen Konservative heutzutage viel zu vorschnell ab, denn wenn wir erst einmal so weit gekommen sind, dass alles, was der unmittelbaren Befriedigung irgendeines individuellen, willkürlichen Bedürfnisses entgegensteht, als Gewalt bezeichnet wird, ist der Begriff der „Strukturellen Gewalt“ eine ideale Verteidigung gegen diejenigen, die Gewalt gegen Strukturen ausüben.„Strukturelle Gewalt“ ist der Vorwand für Zensur (Political Correctness) und „Identity Politics“, die Rechtfertigung für puren Nominalismus, der mit einer angeblich „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ ebenso inkompatibel ist wie der politische Islam.

Wenn Merkel sagt: „Wir schaffen das“ oder „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“, ist das ein Gewaltakt. Und nicht nur ein verbaler. Es werden Beamte angewiesen, physisch tätig zu werden, Steuergelder werden als „Sicherheiten“ hinterlegt und Handlungen angeordnet, die niemand legitimiert hat, die sogar Rechtsbruch bedeuten, Nachbarschaften, Infrastrukturen werden verändert ohne Einverständnis der Menschen, die diese Nachbarschaften ausmachen oder das Funktionieren von Infrastrukturen gewährleisten. Das ist Gewalt.

Wenn Steinmeier, der für Entgrenzung, Globalisierung und europäische „Integration“ steht, plötzlich anfängt von „Grenzen des Unsäglichen“ zu sprechen, ist das ein Gewaltakt. Zuerst wird der Staatsbürger von den Grenzen seines Staates „befreit“, man könnte auch sagen, der Staatsbürger wird enteignet, indem man ihm den Staat, dessen Bürger er doch zu sein glaubte, durch Umdefinition des Wortes Staat, unter den Füßen wegzieht, nur um ihn anschließend um so drastischer durch Denkverbote und unterstellten Realitätsverlust in engste geistige Bahnen zu lenken. Das ist extrem gewalttätig.

Der Begriff „Strukturelle Gewalt“ ist von unschätzbarem Wert, erstens um sich gedanklich gegen die Machtergreifung der Lüge zu stemmen und zweitens, um diejenigen, die in ihrer ganz individuellen Weltanschauung gefangen sind, andere
aber erstaunlicherweise immer davon überzeugen wollen, „für alle“ sprechen zu
können, mit ihrer eigenen Herrschaftssprache zu verwirren.

Wer „Demokratie“ für realistisch hält, gleichzeitig aber den demokratisch gewählten amerikanischen Präsidenten als „Hassprediger“ bezeichnet, ihm nicht zu seinem Wahlsieg gratuliert und damit nicht Trump, sondern die amerikanische Demokratie als illegitim darstellt und die amerikanischen Wähler beleidigt, der muss entweder ganz besonders dumm oder extrem grausam und damit gewalttätig sein.

Ähnlich verhält es sich mit der Cultural Appropriation, also der Unterstellung von rassistisch motivierter Vereinnahmung kulturfremder Traditionen: Es ist extrem gewalttätig, gleichzeitig das Verbot von Indianerkostümen beim Kinderkarneval und das Tragen von Kopftüchern durch Nichtmuslime als „Solidarität“ mit Muslimen zu feiern. Das ist Gewalt gegen Strukturen. Gegen Sprache, gegen Logik, gegen die Natur. Diese Art der Gewalt versucht Herrschaft über die Natur zu erlangen, indem sie sie verleugnet. Der im Dezember verstorbene Philosoph Robert Spaemann schrieb bereits 1973:

„Wer ist Subjekt dieser Herrschaft und zu welchem Zwecke wird sie ausgeübt?
Die Vorstellung, dass von Herrschaft keine Rede sein könne, wenn der
Unterschied zwischen Herrschenden und Beherrschten verschwunden sei, ist
falsch. Solange Naturbeherrschung nicht teleologisch […] gesteuert und zugleich
begrenzt wird, sondern ziellos expandiert, findet irrationale Herrschaft über
Menschen statt.“ (aus: Die Aktualität des Naturrechts, Reclam, S. 68/69)

Kann man sich ihr entziehen? Spaemann zeigt uns den Notausgang:

„Das Problem, das durch das System gelöst werden soll, würde ohne das System
gar nicht existieren.“ ( ebd. S. 70)

Gehorsam ohne Schutz

Das Phänomen der „Strukturellen Gewalt“ existiert natürlich nicht. Wie alle cleveren Nominalisten wissen, dass Begriffe nur symbolischen Charakter haben
und ausschließlich der individuelle Gewalttäter und sein Opfer real sind, weiß
auch der realistische Zeitgenosse, dass Merkel, wie alle Menschen, persönlich für
ihre Handlungen und Steinmeier selbst für die Dummheit und Gewalt seiner
Worte verantwortlich ist. Deswegen handelt es sich bei diesen Gewaltakten eben
nicht um das „staatliche Gewaltmonopol“ zur Aufrechterhaltung oder
Wiederherstellung von Struktur, sondern im Gegenteil um Handlungen, die
darauf abzielen, eben diese Struktur zu zerstören, die einmal dazu gedacht war,
uns Individuen vor solchen Gewalttätern zu beschützen.

Wir werden von sich durch die Realität gemobbt fühlenden Igeln regiert. Merkel,  Steinmeier, Maas, Uschi, A. Nahles und Co. sind gekränkte Seelen, die Opfer ihrer krummen Beine (Lügen), die auch nach ewigem Buckeln, Kriechen und
Wimmern immer noch nicht gerade wachsen wollten. Was tun nun gemobbte
Igel, wenn sie mit den hübschen Hasenbeinchen nicht mithalten können? Richtig,
sie betrügen und nehmen Rache.

Eine Form dieser Rache heißt „Gaslighting“, in der DDR als „Zersetzung“ bekannt, und wird seit Jahren durch Manipulation von Wahrnehmungen („Bevölkerungsteile“, die sich abgehängt fühlen), Täuschungen (klimafeindliches CO2), bewusste Sprachzerstörung (Political Correctness), Leugnung von Verantwortung (Alternativlosigkeit), Erfinden von Fake-News („Hetzjagden“), Verleumdung unliebsamer Verhaltensweisen (z.B. Hausfrau sein, männliches Verhalten, Heimatverbundenheit etc.), Einreden von Unzulänglichkeit,
Schuldzuweisungen (Klimaleugner, Frauenfeind, Homophober) und Herbeiführung von Isolation durch Missbrauch von Statistiken und Meinungsumfragen über Medien und Institutionen ausgeübt. Ist es in solch einem Stadium der Verblendung nicht verführerisch, den Igeln hier „Strukturelle Gewalt“ zu unterstellen und sich an ihren kognitiven Dissonanzen zu laben? Was ist denn ein Staat? Für wen existiert er?

Je mehr Igelinteressen, special interest und Minderheiten ein Staat vertritt, desto mehr Menschen schließt er aus und macht sich damit selbst überflüssig. Wie nennt man ein System, das unbedingten Gehorsam verlangt, aber keinerlei Schutz bietet? Mir fallen da Begriffe ein, die aber wohl jenseits der „Grenze des Unsäglichen“ liegen.

Und die Moral von der Geschicht? Wenn das „Unsägliche“ nicht gesagt wird, verschwindet es ja nicht. Mit Lügnern und Betrügern kann man nicht nach Wahrheit suchen. Der Hase muss aufhören sich hetzen zu lassen: die Weigerung der Hasen treibt die Igel in den Wahnsinn.

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Zur Autorin: Katharina Krüger-Magiera war Stipendiatin der Jürgen Ponto-Stiftung sowie Preisträgerin mehrerer internationaler Violinwettbewerbe. Sie studierte an der Indiana University, Bloomington, erwarb das Konzertexamen an der Hochschule der Künste von Amsterdam, war unter anderem für die Barenboim-Said Foundation in Jerusalem und Ramallah als Dozentin tätig und lebt mit ihrer Familie zwecks Homeschooling in Portugal. Ihr erster Roman „In het diepe“ wurde 2014 in niederländischer Sprache von Paul Beers herausgegeben, dem Übersetzer Robert Menasses und Ingeborg Bachmanns.

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Titelbild: Het Wettloopen tüschen den Haasen un den Swinegel 1855, Scan eines Reprints, Gustav Süs

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