Was ist das Gute?

Von Jürgen Fritz, Fr. 05. Apr 2019

Angenommen du hast ein Kind und möchtest es vor der Wirklichkeit der Welt schützen, da du befürchtest, dass es diese, zumal es ein sehr sensibles Kind ist, nicht aushalten, dass es an ihr zerbrechen könnte. Also erzählst du ihm von Anfang an Lügen. Nicht aus böser Absicht, sondern um deinen kleinen Schatz, der dir so sehr am Herzen liegt, ja welchen du mehr liebst als dein eigenes Leben, zu schonen, um ihn zu beschützen vor dieser schrecklichen, ja manchmal geradezu grausamen und ungerechten Welt.

Ein Leben im goldenen Käfig von schönen Illusionen

Du sorgst dafür und unternimmst alles, dass dein Kind bestimmte Dinge niemals zu sehen bekommt. Nicht nur wenn es noch zu klein ist, um – seinem Entwicklungsstand entsprechend – das überhaupt auch nur ansatzweise verarbeiten zu können, sondern du schützt es immer, auch wenn es größer und allmählich erwachsen wird. Du baust quasi wie eine Schutzmauer um dein Kind herum, eine Mauer aus Lügen, aber immer nur schönen solchen, nie hässlichen, nie bösen.

Das machst du aber nicht für dich selbst, um dich so unentbehrlich zu machen und so deinem eigenen Leben endlich einen Sinn und Bedeutung zu verleihen, da du sonst nichts hast, was deinem Leben Tiefe und Gewicht verleihen würde. Nein, nein, eigentlich hattest du ja ganz anderes vor mit deinem Leben, wolltest Karriere machen, viel reisen, eine glückliche Beziehung mit deinem Partner führen, mit dem du dich sehr gut verstehst und optimal ergänzt, deinen Freundeskreis pflegen und dich positiv für die Gesellschaft einbringen, was dir auch viel positive Rückmeldungen und Bestätigung bescherte. Du warst also schon zuvor auf gutem Wege und führtest ein erfülltes Leben. Doch das alles gibst du auf, weil dein Kind und sein Glück dir wichtiger sind. Du stellst deine eigenen Bedürfnisse, Träume, Sehnsüchte zurück – aus Liebe, wirklich reiner, wahrhaftiger Liebe und weil man nun mal nicht alles haben kann im Leben.

Dein Kind sitzt also in diesem goldenen Käfig und verlässt diesen niemals. Und es gibt auch kein böses Erwachen. Dein Kind stirbt eines Tages in hohem Alter, du bist inzwischen uralt und glücklich, dass du all das von deinem Kind jahrzehntelang fernhalten konntest und es ihm dank dessen vergönnt war, ein so glückliches Leben zu führen. Auch wenn es in einer Scheinwelt voller lieblicher Illusionen lebte, so war es doch die schönste solche, die man sich nur vorstellen kann und ein Leben voller Glück und Zufriedenheit.

Was ist das Gute?

War das, was du getan hast, dann gut? Schließlich hast du ja deinem Kind nur Gutes getan und für sein Glück gesorgt – ein Leben lang!

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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