Nadal bezwingt Federer und zieht zum zwölften Mal ins Finale der French Open ein

Von Jürgen Fritz, Sa. 08. Jun 2019

Seit Januar 2014 hatte Rafael Nadal Federer nicht mehr schlagen können. Die letzten fünf Begegnungen gingen alle an den Schweizer, den Größten aller Zeiten. Allerdings ist der auch seit drei Jahren bei keinem Sandturnier mehr angetreten. In Roland Garros, Paris, hat er sogar nach 2015 kein Match mehr bestritten. Roland Garros aber, das schwerste Tennisturnier der Welt, ist das Terrain von Nadal. Hier regiert der Spanier, wie niemals ein anderer zuvor. Zum sechsten Mal trafen die beiden Ausnahmeathleten hier aufeinander. Würde Federer es dieses Mal schaffen, den Sandplatzkönig bei seinem Lieblingsturnier zu besiegen?

Sechste Begegnung in Roland Garros, sechster Sieg für Rafa

Zwischen 2005 und 2011 traf Federer fünfmal auf der roten Asche von Paris auf Nadal. Fünfmal ging der Spanier als Sieger vom Platz, viermal im Finale (2006, 2007, 2008 und 2011), einmal im Halbfinale (2005). Nun gestern also die sechste Roland Garros-Begegnung zwischen den beiden Größten aller Zeiten.

Federer spielte sein bestes Sandplatztennis seit vielen Jahren, vielleicht sein bestes überhaupt. Und das mit fast 38 Jahren. Unglaublich! Aber in Paris sollte es wieder nicht reichen. Jedenfalls nicht gegen Rafa. Hier ins Halbfinale einzuziehen, war ein Riesenerfolg für den Göttlichen. Er hat gezeigt, dass er auch auf Sand immer noch zu den vier Besten gehört. Und er hat angedeutet, was wir erst auf Rasen, insbesondere in Wimbledon, von ihm erwarten können, das A-Turnier, das er schon achtmal für sich entscheiden konnte (einmaliger Weltkrekord!, den er selbst nochmals brechen könnte).

In der Gesamtbilanz der beiden konnte Nadal seine Führung nunmehr auf 24:15 ausbauen. Auf Sand dominiert hierbei Rafa ganz klar mit 14:2, während auf Hartplatz und Rasen jeweils Roger mit 11:9 und 2:1 knapp vorne liegt.

Der Spielverlauf

Bei extrem widrigen Wetterverhältnissen mit Windstärken, die Tennis spielen normalerweise völlig vereiteln, zeigten die beiden in ihrem 39. Aufeinandertreffen auf der Tour wieder einmal hervorragendes Tennis, ließen sich selbst von den stärksten Windböen nicht aus dem Konzept bringen. Auch das ein Beleg für die unglaubliche mentale Stärke der beiden, für ihre Fähigkeit, sich ganz zu fokussieren und nicht so leicht aus der Konzentration bringen zu lassen. In den ersten beiden Sätzen konnte der Fedex durchaus lange mithalten mit dem König der roten Asche, aber in den entscheidenden Momenten war dieser dann doch immer einen Tick stärker, schlug in den Schlüsselszenen von Satz eins und zwei unglaubliche Bälle und gewann diese mit 6:3, 6:4.

Ab da war Roger innerlich gebrochen, das war deutlich zu spüren. Kein Mensch kann gegen Rafa einen 0:2-Satzrückstand auf Sand aufhohlen, das weiß jeder. Zudem: Wenn man fast zwei Stunden lang sein bestes Sandplatztennis regelrecht zelebriert hat, was man je spielte, und trotzdem 3-6, 4-6 zurückliegt, man zudem spürt, der auf der anderen Seite kann stundenlang auf dem Niveau weiterspielen und sich sogar noch steigern, wie soll man da noch an seinen Sieg glauben? Dementsprechend war der dritte Satz dann eine klare Sache. Federer brachte noch seinen Aufschlag zum 1:0 durch, aber dann begann Nadal seine Stärke auf Sand regelrecht zu demonstrieren, gewann fünf Spiele in Folge zum 5:1 und dann den dritten Satz ungefährdet mit 6:2. Nach 2:25 Stunden lautete das Endergebnis 6:3, 6:4, 6:2 für Nadal. Dieser steht damit zum zwölften Mal im Finale der French Open. Die ersten elf hat er alle gewonnen.

Rafas unfassbare Roland Garros-Bilanz

Rafa tritt dieses Jahr zum 15. Mal in Paris im Stade Roland Garros an, elfmal hat er den Titel geholt und greift am Sonntag nach dem zwölften. Es wäre zugleich sein 18. Grand Slam-Titel insgesamt. Mehr große Einzeltitel hat in der Geschichte des Tennissports bloß einer: Federer, nämlich 20.

Nur zweimal hat Nadal auf der Asche von Paris ein Match verloren: 2009 im Achtelfinale, als er körperlich (Knieprobleme) und psychisch (wegen der Trennung seiner Eltern) angeschlagen war, gegen Robin Soderling, den er ein Jahr später im Finale regelrecht demontierte mit 6:4, 6:2, 6:4. Und 2015 im Viertelfinale gegen Novak Djokovic, der Einzige, der ihn die letzten Jahre auch auf Sand immer wieder schlagen kann. (2016 konnte Nadal verletzungsbedingt zu seinem Drittrundenmatch nicht antreten.)

Ansonsten hat er seit 2005, als er damals mit knapp 19 Jahren zum ersten Mal in Paris antrat, alle Matches und jedes Turnier bei den French Open gewonnen. Matchbilanz über insgesamt 15 Jahre: 92:2. Das ist einmalig!

 Finalgegner: Thiem oder Djokovic

Morgen wird Nadal im Endspiel entweder auf Dominic Thiem treffen, den er letztes Jahr im Finale glatt in drei Sätzen mit 6:4, 6:3, 6:2 besiegen konnte – Thiem kam 2018 wohl mit dem psychischen Druck nicht so ganz zu Recht und schafft es nicht, sein bestes Tennis abzurufen -, oder auf die amtierende Nr. 1 der Weltrangliste, den drittgrößten Spieler aller Zeiten, den 15-maligen Grand Slam-Champion Novak Dokovic, der die letzten drei A-Turniere (Wimbledon, US Open, Australien Open) alle für sich entscheiden konnte, mithin drei der vier ganz großen Titel inne hat und nun auch noch den vierten haben möchte.

Das Gleiche gelang dem Serben bereits 2015/16 als er ebenfalls Wimbledon, die US Open, Australian Open und Roland Garros in Folge gewann und anschließend in ein tiefes Motivationsloch fiel, zwei Jahre kein großes Turnier mehr gewann. Doch seit Sommer 2018, seit seinem Wimbledon-Triumph, bei dem wohl das Halbfinale gegen Nadal der entscheidende Momente war, als er diesen in einem denkwürdigen Match nach 5:15 Stunden mit 6-4, 3-6, 7-6, 3-6, 10-8 besiegen konnte, ist Djokovic wieder ganz der Alte.

Das zweite Halbfinale zwischen Thiem und Djokovic, der große Probleme mit den Windverhältnissen hatte, musste am Freitag beim Stand von 6-2, 3-6, 3-1 für Thiem wegen Regen abgebrochen werden und wird heute, am Samstag, ab 12 Uhr fortgesetzt.

Höhepunkte des Halbfinals Nadal – Federer

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Titelbild: Roland Garros-YouTube-Screenshot von Rafael Nadal

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