Sachsen: CDU fällt hinter AfD zurück, SPD steuert auf 5 Prozent zu

Von Jürgen Fritz, Sa. 15. Jun 2019

In Sachsen regiert derzeit Schwarz-Rot unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Noch, muss man sagen, denn das wird nicht mehr lange so bleiben. In zweieinhalb Monaten sind Landtagswahlen in Sachsen und diese werden, das kann man wohl schon jetzt sagen, für beide, CDU und SPD, katastrophal ausgehen. Kamen diese 2014 noch auf klar über die Hälfte aller Stimmen, bekämen sie derzeit nicht einmal annähernd ein Drittel. Und der Trend geht für beide weiter nach unten, ja der Absturz beschleunigt sich sogar noch. Doch wo wandern all die Wähler hin? Vor allem zu zwei Parteien: den Grünen, noch mehr aber zur AfD, die erstmals vor der CDU liegt und damit nach Brandenburg nun auch in Sachsen die Nr. 1 ist.

Schwarz-Rot fällt auf 31 Prozent

Erinnern wir uns zurück. In den 1990er-Jahren kam die CDU bei Landtagswahlen in ihrer Hochburg Sachsen jedes Mal auf Werte von weit über 50, teilweise fast 60 Prozent (1994: 58,1). Doch inzwischen schafft sie in der aktuellen Umfrage von INSA, welche im Auftrag der BILD durchgeführt wurde, nicht einmal mehr annähernd die Hälfte, könnte nicht mal jeden vierten Wähler für sich gewinnen und käme momentan gerade noch auf 24 Prozent, vier Punkte weniger als im April. Das heißt, der Trend geht hier ganz eindeutig weiter nach unten, beschleunigt sich sogar noch.

Auch der Regierungspartner der Sachsen-CDU, die SPD, mit ihrem Vorsitzenden sowie sächsischem Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsminister Martin Dulig, verliert in den letzten Monaten noch weiter an Zustimmung. Die Genossen fallen nicht nur deutlich in den einstelligen Bereich, sie drohen sich nun der Fünf-Prozent-Hürde zu nähern, denn für sie geht es runter von zuletzt 10 auf nun nur noch 7 Prozent.

Die amtierende schwarz-rote Landesregierung hätte damit gerade noch 31 Prozent, also nicht einmal annähernd ein Drittel der Stimmen (2014 bei der letzten Landtagswahl waren es noch 52 Prozent, also mehr als die Hälfte). Von einer „GroKo“ kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein und von einer Mehrheit ist Schwarz-Rot derzeit Lichtjahre entfernt.

AfD drei- bis viermal so stark wie die SPD und erstmals vor der CDU

Die beiden große Gewinner werden in zweieinhalb Monaten gegenüber der Landtagswahl 2014 höchstwahrscheinlich Die Grünen und die AfD werden. Diese haben gute Chancen um sage und schreibe über 10 bzw. im Falle der AfD sogar um über 15 Punkte zuzulegen. Das würde heißen, dass über ein Viertel aller Wähler zu diesen beiden Parteien abwandern würde zusätzlich zu den Stimmen, die sie 2014 schon holten.

Die Alternative für Deutschland kann sogar darauf hoffen, ein Viertel aller Stimmen zu holen und die Nr. 1 in Sachsen zu werden. Die CDU verlöre somit eine ihrer absoluten Hochburg an die Partei, die es gerade mal seit sechs Jahren überhaupt gibt. Hier das Ganze im Überblick (in Klammern die Veränderungen gegenüber der April-Umfrage von INSA, durchgeführt vom 17.04. – 24.04., veröffentlicht am 26.04.2019):

  1. AfD: 25 % (– 1)
  2. CDU: 24 % (– 4)
  3. LINKE: 16 %
  4. GRÜNE: 16 % (+ 7)
  5. SPD: 7 % (– 3)
  6. FDP: 6 %
  7. Sonstige: 6 % (+ 1), davon 4 % für Freie Wähler (+ 1)

2019-06-13

INSA befragte vom 04.06. bis 11.06.2019 insgesamt 1.057 Personen per Telefon und Online-Chanel und rechnete die so ermittelten Zahlen mit entsprechenden Korrekturfaktoren hoch, um repräsentative Ergebnisse zu erhalten.

Regierungsbildung

Sollten die Freien Wähler den Einzug in den Landtag wegen der Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen, sie liegen derzeit um die 4 Prozent, dürften ca. 47 Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen für eine Mehrheit der Sitze im Landtag reichen. Falls sowohl FDP als auch Freie Wähler die Fünf-Prozent-Hürde nehmen sollten, werden ca. 49 Prozent notwendig sein.

Davon sind aber nicht nur Schwarz-Rot mit ca. 31, sondern auch Schwarz-Grün mit ca. 40, erst Recht Schwarz-Gelb mit ca. 30 Prozent weit entfernt. Selbst für eine Dreierkombination Schwarz-Grün-Rot würde es derzeit mit ca. 47 Prozent eng werden. Schwarz-Grün-Gelb käme sogar nur auf 46 Prozent und Schwarz-Rot-Gelb dürfte mit gerade mal 37 Prozent kaum eine Chance haben auf eine Mehrheit im Landtag. Schwarz-Dunkelrot käme gerade mal auf ca. 40 Prozent, hätte also ebenfalls keine Mehrheit. Geht also womöglich kaum noch ein Weg an Schwarz-Blau oder gar Blau-Schwarz, an AfD-CDU vorbei?

Mögliche Kombinationen:

  1. CDU + GRÜNE + LINKE : 56 %
  2. CDU + GRÜNE + SPD + FDP: 53 %
  3. AfD + CDU: 49 %
  4. CDU + LINKE + SPD: 47 %
  5. CDU + GRÜNE + SPD: 47 %
  6. CDU + GRÜNE: 40 %
  7. CDU + LINKE: 40 %
  8. CDU + SPD: 31 %
  9. CDU + FDP: 30 %

Letztlich könnte die CDU einem Bündnis mit der AfD nach aktuellem Stand nur aus dem Weg gehen über eine Dreier-Kombi mit den Grünen und der Linkspartei oder einer Vierer-Kombi mit Grüne, SPD und FDP.

Gewinne und Verluste gegenüber der Landtagswahl 2014

  1. AfD: + 15,3 %
  2. GRÜNE: + 10,3 %
  3. FDP: + 2,2 %
  4. LINKE: – 2,9 %
  5. Sonstige: – 4,1 %
  6. SPD: – 5,4 %
  7. CDU: – 15,4 %

Vor allen Dingen der CDU drohen massive Verluste, nach jetzigem Stand 15 bis 16 Punkte. Aber auch der SPD, die von zuletzt ohnehin schon miserablen 12,4 Prozent aktuell nochmals etwa 4 von 9 ihrer Wähler verlieren würde. Ja, der SPD droht in Sachsen sogar nicht nur wie in Bayern im Oktober 2018 ein einstelliges Ergebnis, sie rutscht allmählich Richtung 5 Prozent. Kleinere Verluste von um die 3 Punkte dürfte, Stand heute, auch die Linkspartei einfahren.

Zulegen könnte dagegen die FDP und zwar von 3,8 auf ca. 6 Prozent, hätte derzeit also keine schlechten Aussichten, wieder in den sächsischen Landtag einzuziehen. Gewaltig zulegen können auch dem allgemeinen Bundestrend entsprechend Die Grünen, welche von knapp 6 auf ca. 16 Prozent steigen würden, wären jetzt Landtagswahlen.

Der ganz große Gewinner bei der Landtagswahl am 01.09.2019 dürfte dagegen die AfD werden. Diese würde nach aktuellem Stand von 9,7 auf ca. 25 Prozent steigen und ist damit derzeit erstmals die Nr. 1 in Sachsen, damit eigentlich auch als Regierungspartner prädestiniert. Bei einem Ergebnis von um die 25 Prozent in zweieinhalb Monaten wird es interessant werden, was die CDU dann machen, wen sie mit ins Regierungsboot holen wird. Die Schwarzen würden dann quasi Farbe bekennen müssen.

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Titelbild: Phoenix-Screenshot von Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen

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