Thomas Oppermann: So kann die CDU ihr Führungsproblem auf ungewöhnliche Weise lösen

Von Axel Stöcker, Di. 11. Feb 2020, Titelbild: ARD-Mediathek-Screenshot

Die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen hat sich nach dem Hinwerfen von Annegret Kramp-Karrenbauer zur massiven Führungskrise der CDU ausgewachsen. Auch der Koalitionspartner SPD ist alarmiert und versucht, die Merkelpartei zu stabilisieren, indem er wertvolle Ratschläge erteilt. Axel Stöcker sprach für JFB mit dem SPD-Bundestagsvizepräsidenten Thomas Oppermann über ungewöhnliche Wege zur Beendigung der Krise.

Das Interview

JFB: Herr Oppermann, die CDU befindet sich nach dem Thüringen-Desaster und dem angekündigten Rückzug ihrer Vorsitzenden Frau Kramp-Karrenbauer in der Krise. Können Sie sich in die Kollegen ihres Koalitionspartners hineinversetzen?

TO: Ja, das kann man wohl sagen. Das Problem der Christdemokraten ist ja, dass sie „einen hohen Maß an Glaubwürdigkeitsverlust“ erlitten haben, wie der Genosse Söder wörtlich und sehr treffend formuliert hat. Wir als SPD sind da ja schon einen Schritt weiter.

JFB: Nun haben Sie sich bereits gegenüber einer Zeitung zu Wort gemeldet, um der CDU zur Seite zu stehen. Was genau raten Sie Ihrem Koalitionspartner?

TO: Also zunächst sollte klar sein, dass man sich nicht mit den Stimmen von Antidemokraten, Menschenfeinden, Faschisten, Nazis, Kannibalen, Folterknechten, KZ-Aufsehern und sonstigen Kanalratten…

JFB: …sie meinen die AfD?

TO: Ja, genau. Diese Partei, die die Verrohung der Sprache vorantreibt. Also, dass man sich von solchen Leuten nicht ins Amt wählen lassen darf, das sollte man zunächst beachten. Das muss jedem Demokraten klar sein!

JFB: Und was raten Sie der CDU im Hinblick auf ihre Führungskrise?

TO: Hier kann die Lösung selbstverständlich nur Armin Laschet heißen, wie ich bereits im vertraulichen Gespräch gegenüber der Zeitung sagte. Wir von der SPD würden geschlossen Laschet wählen. Ich bitte das aber streng vertraulich zu behandeln.

JFB: Selbstverständlich. Wir sind da vollkommen verschwiegen.

TO: Wenn es darum gehen sollte, eine Volkspartei zu bleiben, so kann ich aus SPD-Sicht wirklich darauf drängen. Um auf der Erfolgsspur zu bleiben, käme für uns als Sozialdemokraten wirrklich nur der Genosse Laschet in Frage. Und das sollte doch ein starkes Argument sein, es genau so…

JFB:  …nicht zu tun?

TO: Nein!! Es genau so zu tun, natürlich!

JFB: Verzeihung, natürlich! Was spräche aus Ihrer Sicht denn beispielsweise gegen Herrn Merz?

TO: Herr Merz hat sich bereits disqualifiziert. Er hat in Magdeburg gesagt, man könne auf kommunaler Ebene gemeinsam mit der AfD über „Zebrastreifen“ entscheiden. Verstehen Sie? GEMEINSAM MIT DER AFD! Wo die AfD heute über Zebrastreifen mitentscheidet, werden morgen Gaskammern stehen. Über diesen offensichtlichen Zusammenhang sollte man nicht diskutieren müssen. Außerdem gibt es weitere Hinweise darauf, dass mit Herrn Merz die Brandmauer gegen die Faschisten keinen Bestand haben würde.

JFB: Welche Hinweise sind das?

TO: Ich kann jetzt nicht zu viel verraten, aber wir haben Hinweise, dass der Schwager von Herrn Merz‘ Nachbarin in derselben Eisdiele gesehen wurde, in der Herr Höcke mit seiner Familie immer Spaghettieis essen geht.

JFB: Nein!?!

TO: Doch!!

JFB: Unfassbar!!

TO: Eben!

JFB: Dann bleibt natürlich nur Herr Laschet. Wie sollte er Ihrer Meinung nach ins Amt kommen?

TO: Ich denke, ein Mitgliederentscheid wäre das Mittel der Wahl.

JFB:  Dann sind Sie in diesem Punkt mit der Werteunion einer Meinung?

TO (entsetzt): Ich und die Werteunion. Nein, um Gottes Willen! Natürlich kein Mitgliederentscheid der CDU-Mitglieder!

JFB:  Warum nicht?

TO: Bei denen weiß man ja nie, ob sie vielleicht doch den Merz wählen. An sich wäre das zwar kein Problem, denn Frau Merkel könnte natürlich auch diese Wahl jederzeit wieder rückgängig machen. Aber eleganter wäre es doch, wenn es direkt durchginge. Deswegen sollten die Mitglieder von SPD und Grünen darüber abstimmen, wer CDU-Kanzlerkandidat wird.

JFB: Wäre das nicht ein wenig ungewöhnlich?

TO: Schon, aber Sie müssen auch sehen, dass wir in einer ungewöhnlichen Zeit leben, in der es wichtig ist, dass die demokratischen Parteien gegen die AfD zusammenstehen. Da muss man auch ungewöhnliche Wege gehen. Außerdem wird das die Koalitionsbildung nach der Bundestagswahl enorm erleichtern, glauben Sie nicht?

JFB: Naja schon, aber was wollen Sie der CDU denn anbieten, damit die sich die Wahl aus der Hand nehmen lässt?

TO: Auch da habe ich schon eine Idee.

JFB: Wir sind gespannt.

TO: Wir würden im Gegenzug der Genossin Kramp-Karrenbauer den Vorsitz der SPD anbieten. Sie hat es zwar bei der CDU nicht hinbekommen, aber besser als Walter-Borjans und Esken ist sie allemal.

JFB: Klingt nach einem fairen Deal. Herr Oppermann, wir bedenken uns für dieses sehr aufschlussreiche Gespräch.

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Das Interview führte Axel Stöcker für JFB.

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Zum Autor: Axel Stöcker, Jg. 1967, hat Mathematik und Chemie studiert und ist Gymnasiallehrer. Auf seinem Blog, die-grossen-fragen.com, arbeitet er sich an den großen Fragen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie ab. Doch auch politische Verwerfungen stacheln ihn gelegentlich zu Kommentaren und Satiren an.

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