Hanau: Der Vater der erschossenen Mercedes und ein Augenzeuge erzählen

Von Jürgen Fritz, So. 23. Feb 2020, Titelbild: BILD-Screenshot

Neun Menschen wurden diese Woche mitten in Deutschland erschossen, nach derzeitigem Ermittlungsstand aus einem einzigen Grund: Weil ihre Vorfahren nicht zum deutschen Volk gehörten, weil sie anders aussahen und anderen Ethnien entstammten. Dabei waren manche in Deutschland geboren und aufgewachsen. Diese Menschen hatten dem mutmaßlichen Täter nichts getan. Er kannte sie wohl gar nicht. Ihr „Nicht-deutsch-Sein“ genügte ihm, sie einen nach dem anderen zu töten. Dann erschoss er wahrscheinlich auch noch seine Mutter (erweiterter Suizid) und sich selbst. Der Vater der ermordeten zweifachen Mutter Mercedes (35) und ein Augenzeuge, der in der Shishabar war und nur mit großem Glück mit dem Leben davon kam, erzählen.

Abi-Zeitung: „Einer der durchgeschossensten Leute des Jahrgangs, Verteilte in der 12 auf dem Schulhof Ohrfeigen“

Ehemalige Mitschüler des mutmaßlichen schizophrenen, rechtsextremistischen Massenmörders von Hanau, Tobias Rathjen, haben inzwischen ihre Abi-Zeitung durchgestöbert. Dort war vor 24 Jahren folgendes über ihn zu lesen:

»Tobias Rathjen (Ratschek, Racer, Raathjen): Einer der durchgeschossensten Leute des Jahrgangs. Macht auf obercool und Karriere. Schwallt oft ohne Inhalt und Ziel. Schwankt zwischen lieb und hyperaggressiv. Schafft es, die absurdesten Kommentare zum absurdesten Zeitpunkt zu reißen. (…) Frau … bringt er mit seinen „qualifizierten Unterrichtsbeiträgen“ zur Verzweiflung. Verteilte in der 12 auf dem Schulhof Ohrfeigen.«

TR-Abizeitung

„Er hat neun Menschen einfach, ohne Grund abgeknallt“

Fassungslosigkeit und Trauer nach dem Blutbad von Hanau, bei dem am Mittwochabend ein fanatischer Rassist neun Menschen in zwei Shisha-Bars tötete. Eines der Opfer von Tobias Rathjen (43): die zweifache Mutter Mercedes K. (35). Sie arbeitete in einem Kiosk neben der Arena Bar, wurde von den Kugeln des Killers getroffen, als sie offenbar gerade die Bar betreten wollte. Ihr fassungsloser Vater Filip Goman, die Familie lebt seit 1963 in Deutschland, erzählt der BILD von seiner Tochter:

 

„Ich hab sein Gesicht gesehen, er kam rein und hat angefangen zu schießen“

Der Augenzeuge Pieter Minnemann war vor Ort, als Tobias Rathjen in den Kiosk stürmte, und hatte großes Glück, dass er selbst mit dem Leben davon kam. Er berichtet, zuerst draußen Schüsse fielen, der Täter dann hereinkam, gezielt auf die Menschen in der Bar schoss, teilweise direkt in den Kopf – bis sein Magazin leer war.

 

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