CSU steigt in Bayern von 36 auf 49 Prozent – FDP nur noch unter Sonstige

Von Jürgen Fritz, Mi. 08. Apr 2020, Titelbild: © JFB

Die Coronakrise löst in Bayern ein wahres politisches Erdbeben aus. Markus Söder erhält Zustimmungswerte in der Bevölkerung, wie sie niemals zuvor ein Bundes- oder Landespolitiker im Deutschlandtrend erreichte. Die CSU steigt gegenüber Januar um 13 Punkte auf jetzt 49 Prozent. Das ist ihr höchster Wert seit Januar 2014. Die Grünen verlieren dagegen fast ein Drittel, die AfD sogar 40 Prozent ihrer Anhänger, fällt von 10 auf 6 Prozent. Und die FDP ist inzwischen nicht mehr genau messbar, fällt nun unter Sonstige.

CSU hätte derzeit die absolute Mehrheit

Bayern ist nicht nur flächenmäßig das größte der 16 deutschen Bundesländer, es hat auch nach Nordrhein-Westfalen die meisten Einwohner (13,1 Mio.), mehr als die fünf neuen Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Was sich im Freistaat tut, ist also im Hinblick auf ganz Deutschland fast so wichtig wie das Geschehen in NRW. Und in Bayern hat sich die letzten Wochen und Monate enorm viel getan, wie Infratest dimap aktuell für den BayernTrend ermittelte (1.003 Wahlberechtigte, die im Zeitraum vom 2. bis 6. April 2020 telefonisch interviewt wurden, Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl, Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte).

Demnach würde die CSU, wenn jetzt Landtagswahlen stattfänden auf ca. 49 Prozent kommen und hätte damit, weil 10 Prozent der Stimmen auf Grund der Fünf-Prozent-Klausel nicht im Landtag abgebildet wären, die absolute Mehrheit, könnte also alleine regieren. 49 Prozent sind gegenüber Januar nicht nur ein Plus von 13 Punkten, es ist auch der höchste Wert, den Infratest dimap (BayernTrend) seit Januar 2014 gemessen hat für die Christlich Soziale Union, die bei der Landtagswahl im Oktober 2018 auf 37,2 Prozent kam und dann einen Koalitionspartner benötigte, den sie in den Freien Wählern fand.

Die Grünen verlieren fast ein Drittel, die AfD vier von zehn ihrer Anhänger, die FDP ist kaum noch messbar

Herbe Verluste müssten dagegen Die Grünen hinnehmen, die seit Januar von 25 auf 17 Prozent fallen (LT-Wahl-Ergebnis: 17,6 %). Auf Platz drei liegt aktuell die SPD, die einzige Partei, die seit Januar neben der CSU zulegen kann und zwar um drei Punkte von 7 auf jetzt 10 Prozent (LT-Wahl: 9,7 %). Die Freien Wähler fallen seit Januar um zwei Punkte von 10 auf jetzt 8 Prozent (bei der LT-Wahl noch 11,6 %).

Noch herbere Verluste muss die AfD hinnehmen, die von 10 auf 6 Prozent einsackt (LT-Wahl: 10,2 %), damit innerhalb von nur zwölf Wochen 40 Prozent ihrer Anhänger verliert. Die Linke hält sich dagegen stabil auf sehr niedrigem Niveau bei 3 Prozent (LT-Wahl: 3,2 %) und die FDP fällt von 4 Prozent auf soweit unter 3, dass es statistisch nicht mehr genau erfassbar ist (LT-Wahl: 5,1 %). Sie wird jetzt also unter Sonstige geführt.

So würden die Bayern im Moment wählen

Hier die Ergebnisse im Überblick (in Klammer die Veränderung zum BayernTrend vom 15.01.2020):

  1. CSU: 49 % (+ 13)
  2. GRÜNE: 17 % (– 8)
  3. SPD: 10 % (+ 3)
  4. Freie Wähler: 8 % (– 2)
  5. AfD: 6 % (– 4)
  6. LINKE: 3 %
  7. Sonstige: 7 % (– 2)

2020-04-08

94 Prozent der Bayern stehen hinter Söder und 89 Prozent sind mit dem bayerischen Coronakrisenmanagement zufrieden

Dabei ist vor allen Dingen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei den Bürgern unglaublich beliebt. Sage und schreibe 94 Prozent der Bayern sagen, sie seien mit seiner Arbeit speziell in der Coronakrise zufrieden oder gar sehr zufrieden (im Januar waren es 67 Prozent). Mit diesem Zufriedenheitswert übertrifft Söder sogar  den bisher in Bayern jemals gemessenen Höchstwert von Edmund Stoiber aus dem September 2003 von 75 Prozent. Von diesen extrem hohen Zustimmungswerten profitiert natürlich auch die CSU.

Das Krisenmanagement der CSU-geführten bayerischen Staatsregierung findet in der Bevölkerung eine ausgesprochen hohe Akzeptanz. So sagen 89 Prozent der Wahlberechtigten, dass sie mit dem Regierungshandeln in der Coronakrise sehr zufrieden (36 Prozent) oder zufrieden (53 Prozent) sind. Und dabei stehen nicht nur die eigenen Partei-Anhänger geschlossen hinter dem Kurs der Staatsregierung (98 Prozent), sondern diese wird von einer breiten Mehrheit der Anhänger aller anderen Parteien getragen:

  1. CSU: 982
  2. GRÜNE: 945
  3. SPD: 918
  4. Freie Wähler: 8316
  5. AfD: 7426

Damit schneidet die bayerische Staatsregierung noch besser ab als die schwarz-rote Bundesregierung. Deutschlandweit sind nämlich 72 Prozent mit dem Handeln der Bundesregierung zufrieden.

Ferner befürwortet die Mehrheit der Bayern (55 Prozent), dass die Kontaktbeschränkungen noch nicht gelockert werden, wie Söder dies bereits angekündigt hat. Nicht einmal jeder Dritte (32 Prozent) ist für eine Lockerung ab dem 20. April. Dabei ist die Zustimmung zur Beibehaltung der Kontaktbeschränkungen ist in sämtlichen Altersgruppen groß.

Nur AfD-Anhänger blicken pessimistisch in die Zukunft, alle anderen eher optimistisch, ganz besonders die CSU-Anhänger

Die hohe Zufriedenheit mit dem Regierungshandeln dürfte auch mit erklären, warum die Menschen im Freistaat trotz Coronakrise weiterhin sehr zuversichtlich sind. 66 Prozent der Befragten blicken zuversichtlich in die Zukunft, nur 29 Prozent sehen die Verhältnisse in Bayern so, dass sie vor allem Anlass zur Beunruhigung geben würden. Damit sind die Bayern deutlich optimistischer als die Deutschen im Bundesdurchschnitt. Denn deutschlandweit zeigen sich nur 44 Prozent zuversichtlich, während 51 Prozent in den Verhältnissen in Deutschland eher Anlass zur Beunruhigung sehen. Interessant ist auch, wie sich der Optimismus und Pessimismus in Bayern auf die Anhänger der verschiedenen Parteien verteilt:

  1. CSU: 7622
  2. GRÜNE: 6721
  3. SPD: 6433
  4. Freie Wähler: 5146
  5. AfD: 3652

Also nur die AfD-Anhänger blicken in Bayern eher pessimistisch und beunruhigt in die Zukunft.

Befürchtet wird, dass sich die wirtschaftliche Situation in Bayern verschlechtert und dass nicht alle Erkrankten angemessen versorgt werden können

Dabei gibt es aber eine Sorge, die 71 Prozent der Bayern teilen, vor allem natürlich Bürger im erwerbsfähigen Alter bis 64 Jahre: dass die Auswirkungen der Pandemie die wirtschaftliche Situation in Bayern verschlechtern wird.

Um ihre eigene persönliche wirtschaftliche Lage machen sich dabei nur drei von zehn (30 Prozent) Sorgen. Den Verlust des Arbeitsplatzes befürchtet aktuell nicht mal jeder Achte (12 Prozent). Auch gibt es wenig Befürchtungen, dass wichtige Güter des täglichen Bedarfs knapp werden könnten (12 Prozent). Aber 38 Prozent der Bayern sind doch besorgt, dass Freiheitsrechte wegen der Pandemie längerfristig eingeschränkt sein könnten.

Zwar sind auch 42 Prozent besorgt, dass sie selbst oder Mitglieder ihrer Familie sich mit dem Coronavirus infizieren könnten, aber das Vertrauen in das bayerische Gesundheitssystem ist dabei hoch: 84 Prozent haben großes oder gar sehr großes Vertrauen, dass die Gesundheitseinrichtungen und Ärzte in Bayern die Corona-Epidemie bewältigen können. Dieser Wert ist noch höher als der in Deutschland bundesweit.

Gleichwohl ist mehr als jeder Dritte (34 Prozent) in Bayern dafür sensibilisiert, dass die vorhandenen Behandlungskapazitäten nicht ausreichen könnten, um jeden Erkrankten angemessen versorgen zu können.

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