AfD fällt im Wahl-O-Matrix-Mittel auf 9,7 Prozent

Von Jürgen Fritz, So. 24. Mai 2020, Titelbild: © JFB

Keine 20 Monate ist es her, da stand die AfD im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Umfrageinstitute bei über 17 Prozent. Nun ist sie wieder unter die 10 Prozent-Marke gefallen, jetzt sogar auf 9,7. Die Partei droht derzeit innerlich zu zerreißen zwischen dem liberal-konservativen und dem völkisch-nationalistisch-rechtsradikalen Flügel. Ganz stark weiterhin ist dagegen die Union, die ihr Level von über 38 Prozent seit Wochen halten kann. Sie ist inzwischen fast so stark wie Grüne, SPD und Linkspartei zusammen. Besonders interessant dabei ist, von wo die neuen CDU/CSU-Anhänger herkommen.

Die Union holt vor allem Stimmen von SPD, FDP und den Grünen

Die Proteste gegen die Corona-Schutz-Maßnahmen der Bundesregierung haben in den letzten Wochen zugenommen, doch das scheint der CDU/CSU nicht zu schaden. Die Union hält ihr Niveau von über 38 Prozent im Wahl-O-Matrix-Mittel, kann sogar gegenüber dem 3. Mai noch leicht zulegen.

Bei den Grünen sehen wir seit ein, zwei Wochen eine ansteigende Tendenz, nachdem sie zuvor um ca. 10 Punkte gefallen waren von 26 auf 16 Prozent. Sie stehen momentan nun wieder bei über 17 Prozent und haben damit die SPD wieder überholt, welche zurückfällt auf nun etwa 15 Prozent. Die AfD, die nach ihrem ersten Fall unter 10 Prozent Ende April sich wieder etwas erholen konnte, fällt nun erneut unter die zweistellige Marke. Linkspartei und FDP bewegen sich weiter auf niedrigem Niveau von 7 bis 8 bzw. von 5 bis 6 Prozent.

Die Union hatte von Anfang März bis Ende April einen fulminanten Anstieg von 26 auf über 38 Prozent hingelegt. Interessant ist nun, von wo dieser neue Zuspruch von 12 Prozentpunkten (!) kam. Laut Forsa kam dies vor allen Dingen von drei anderen Parteien: der SPD, der FDP und der Grünen. Und zwar in diesem Verhältnis: Von 100 neuen Unions-Wählern bei der Bundestagswahl im September 2017 kommen:

  • 23 von der SPD
  • 22 von der FDP
  • 12 von den Grünen und
  • nur 3 von der AfD.

Alle zur AfD tendierenden Personen haben ein festgefügtes rechtsradikales-völkisches Weltbild

Von den Verlusten der AfD profitieren CDU/CSU also laut Forsa kaum. Aber wo wandern die ehemaligen AfD-Anhänger dann hin? Schließlich hat die Partei in den letzten 20 Monaten etwa 43 Prozent ihrer Anhänger verloren (7,3 Punkte von einst 17 Prozent). Diese sind zum Großteil ins Lager der Nichtwähler abgewandert, sie würden derzeit also gar nicht zur Wahl gehen. Das heißt, es gibt keine andere Partei, die sie derzeit mehr überzeugen würde, sondern die AfD kann diese Personen einfach nicht mehr überzeugen und nicht mehr binden.

Insofern sagt Forsa-Chef Manfred Güllner: Diese Wähler seien entgegen der Aussagen von Unions-Politikern wie Friedrich Merz aktuell für die CDU/CSU nicht zurückzugewinnen.

Zudem würden die neuesten Untersuchungen seiner Ansicht nach zeigen, dassalle zur AfD tendierenden Personen – gleichgültig ob sie sich zum Meuthen- oder zum Höcke/Kalbitz-Lager rechnen – ein festgefügtes rechtsradikales und völkisches Weltbild haben.“

So würden die Deutschen heute wählen

Angegeben ist wie immer für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute,  die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert bei den sechs einbezogenen Instituten sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller sechs Werte:

  1. CDU/CSU: 3740 % ==> 38,2 %
  2. GRÜNE: 15 – 19 % ==> 17,3 %
  3. SPD: 14 – 16 % ==> 15,1 %
  4. AfD: 910,5 % ==> 9,7 %
  5. LINKE: 7 – 8 % ==> 7,6 %
  6. FDP: – 7 % ==> 5,8 %
  7. Sonstige: 6 – 7 % ==> 6,3 %
2020-05-24

(c) JFB

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die sechs Institute, die (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, welche ausgewertet wurden, waren:

  • Allensbach: 10.05.2020 (mittlerer Tag der Befragung), persönlich-mündliche Befragung von 1.013 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen
  • Infratest dimap: 12./13.05.2020, telefonische Befragung von 1.074 zufällig ausgewählten Personen
  • Forschungsgruppe Wahlen: 13.05.2020, telefonische Befragung von 1.282 zufällig ausgewählten Personen
  • INSA: 16./17.05.2020, Online-Panel – internetbasierte Befragung von 2.092 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools
  • Kantar: 16./17.05.2020, telefonische Befragung von 1.914 zufällig ausgewählten Personen
  • Forsa: 20.05.2020, telefonische Befragung von 2.002 zufällig ausgewählten Personen

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool, hat damit eine recht breite Datenbasis von insgesamt 9.377 Befragten.

Mögliche Regierungsbildungen: Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot

Damit wäre Grün-Rot-Dunkelrot mit ca. 40 Prozent weit von einer Mehrheit der Sitze im Bundestag entfernt. Hierfür bräuchte es ca. 46,9 Prozent der Stimmen (100 – 6,3 Sonstige : 2).

Die Union wäre somit in der komfortablen Lage, sich einen Koalitionspartner aussuchen zu können. Mit der schwächelnden FDP würde es im Moment kaum reichen. Schwarz-Gelb käme nur auf ca. 44 Prozent. Aber CDU/CSU hätten die Wahl aus den Grünen und der SPD. Schwarz-Grün käme auf etwa 55,5 Prozent, Schwarz-Rot käme auf ca. 53,3 Prozent der Stimmen.

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