USA: Lage gerät immer weiter außer Kontrolle – Trump zieht sich in Bunker zurück

Von Jürgen Fritz, Mo. 01. Jun 2020, Titelbild: tagesschau-Screenshot

Die Proteste eskalieren immer weiter, überziehen inzwischen bereits über 30 Städte in den USA. Die Zerstörungswut einiger Demonstranten ist gewaltig. Reihenweise werden Gebäude niedergebrannt, Fensterscheiben werden mit Äxten und anderem eingeschlagen, Geschäfte geplündert, Menschen zusammengeschlagen. Bilder wie in einem Bürgerkrieg. Schon am Freitag wurde Donald Trump zeitweise in einen Bunker unter dem Weißen Haus gebracht.

Die schockierende Polizeigewalt

Anlass dieser ganzen erschreckenden Gewalteskalationen war der Vorfall genau heute vor einer Woche. Am Montag, den 25. Mai, kam der Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben. Mehrere Passanten sowie Überwachungskameras haben den ganzen Vorfall gefilmt. Auf den Videos ist zu sehen, wie der 46 Jahre alte George Floyd zunächst verhaftet wird, wie er dann mit Handschellen auf dem Rücken zu Boden fällt und mit dem Gesicht zur Straße völlig wehrlos neben einem Streifenwagen auf den Pflastersteinen liegt. Ein Polizist drückt ihm das Knie auf den Rücken, ein zweiter fixiert mit seinem Knie seine Beine und ein dritter kniet auf dem Nacken bzw. Hals.

GF2

„Bitte, ich kann nicht atmen“, sagt Floyd mehrmals und fleht um sein Leben. Aber der Polizist kniet fast neun Minuten auf seinem Nacken, auch als der 46-Jährige sich schon fast drei Minuten nicht mehr rührt und bereits das Bewusstsein verloren zu haben scheint.

GF1

Wenige Minuten später ist der Mann, ein Schwarzer, tot und die Filmaufnahmen seiner Verhaftung und Drangsalierung durch die drei weißen Polizisten, ein vierter steht direkt daneben und schirmt seine Kollegen ab, gehen um die Welt.

Der Gouverneur von New York: Dies ist kein isolierter Einzelfall, es ist ein Kontinuum von Fällen

Seither kommt Minneapolis und kommen die USA nicht mehr zur Ruhe, denn dabei geht es nicht nur um diesen einen Fall von polizeilicher Gewalt gegen Schwarze. Andrew Cuomo, der seit über neun Jahren Gouverneur des Bundesstaats New York mit 19,3 Millionen Einwohnern ist, sagte dazu diese Woche:

„Ich möchte eine Bemerkung zum größeren Kontext der Ereignisse in Minneapolis machen, die uns alle sehr beunruhigen. Und ich möchte damit beginnen, der Familie von George Floyd im Namen aller New Yorker, die dieses unglaubliche Video gesehen haben, unsere persönlichen Gedanken und Gebete zu übermitteln. Wir können uns Ihren Schmerz vorstellen, und Sie sind in unseren Gedanken und Gebeten. (…) Lassen Sie uns nicht den gleichen Fehler machen, den wir immer wieder machen, nämlich dass wir dazu neigen, einzelne Ereignisse zu sehen. (…) Es ist kein isolierter Vorfall. Es ist ein Kontinuum von Fällen und Situationen, die sich über Jahrzehnte und Jahrzehnte und Jahrzehnte abgespielt haben.

Dies sind nur Kapitel in einem Buch. Und der Titel des Buches lautet anhaltende Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Amerika, und das sind nur Kapitel. Die Kapitel begannen mit dem Rodney King in Los Angeles, 1991. Abner Louima in New York, 1997. Amadou Diallo in New York, 1999. Sean Bell in New York, 2006. Oscar Grant, Oakland, Kalifornien, 2009. Eric Garner, New York City, 2014. Michael Brown, Missouri, 2014. Laquan McDonald, Chicago, 2014. Freddie Gray, Baltimore, 2015. Antwon Rose, Pittsburgh, 2018. Ahmed Aubrey in Georgien, 2020. Breonna Taylor in Kentucky, Kentucky, 2020. George Floyd in Minneapolis, 2020.

Das ist der Grund für die Empörung. Das ist der Grund für die Frustration und die Wut. Es geht nicht um eine einzige Situation. Es geht darum, dass die gleiche Situation immer wieder passiert, und immer wieder, und immer wieder. Und dann geht es darum, dass dies in einem breiteren Kontext geschieht, wie es beim Coronavirus der Fall ist. Es betrifft und tötet mehr Minderheiten als alles andere. Man schaut sich in diesem Land um, und man schaut sich die Menschen an, die an dem Coronavirus sterben. Es sind unverhältnismäßig viele Afroamerikaner, und es ist einfach eine anhaltende Ungerechtigkeit, daher die Frustration, daher die Proteste.“

Cuomo

Schreckliche Bilder aus etlichen Städten der USA

Seither kommt das Land nicht mehr zur Ruhe. Es ist, als ob ein Pulverfass nach dem anderen explodiert. Die Bilder, die uns aus allen möglichen Städten der USA erreichen, sind schrecklich.

Minneapolis

Minneapolis-1

Minneapolis-2

Philadelphia

New York City 2

Columbus (Ohio)

Columbus (Ohio)

New York City

New York City 1

New York City 2

Trumps verbale Ausfälle spalten das Land noch tiefer als es ohnehin schon der Fall ist

Donald Trump glaubt, dass die gewaltsamen Proteste von linksradikalen Gruppen angeführt würden. Er möchte die Antifa jetzt als Terrororganisation einstufen. Der Gouverneur von Minnesota hingegen meint, die Gewalt werde auch von weißen Rassisten angeheizt. Fest steht: Viele der schwarzen Demonstranten fühlen sich schon lange und systematisch diskriminiert. Und viele halten Gewalt offensichtlich für das einzig verbliebene Mittel, um sich endlich Gehör zu verschaffen.

Ferner hat die wirtschaftliche Situation der USA bedingt durch die Corona-Krise zu der enormen Frustration beigetragen. Auch dies betrifft besonders Afroamerikaner, die ebenso von der Corona-Pandemie viel stärker betroffen sind. Insgesamt haben schon mehr als 40 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. All das zusammen ergibt ein explosives Gemisch, das jetzt durch diesen Gewaltakt mehrer weißer Polizisten gegen einen wehrlosen Schwarzen quasi gezündet wurde.

Doch auch Präsident Trump spielt hierbei eine unrühmliche Rolle, goss er doch immer wieder Öl ins Feuer. So etwa mit seiner Aussage „When the looting starts, the shooting starts“ („Wenn das Plündern beginnt, wird geschossen“). Außerdem drohte Trump den Demonstranten in Washington wörtlich, er werde mit „bösartigen Hunden“ und „unheilbringenden Waffen“ gegen sie vorgehen, wenn sie den Zaun des Weißen Hauses überwinden würden. Trump versucht gar nicht erst, die Gesellschaft zu einen, setzt nicht auf Versöhnung, sondern auf immer weitere Spaltung der Gesellschaft.

In den Umfragewerten stürzt der US-Präsident gleichwohl noch immer nicht ab, muss sich aber in seinen Bunker zurückziehen

Seine Anhänger schrecken Trumps zum Teil primitiven Pöbeleien gleichwohl nicht ab. Zwar kann er nichts dazu gewinnen, verharrt schon lange bei 40 bis 45 Prozent, stürzt aber auch nicht ab, obschon er auch jetzt wie schon zuvor in der Coronakrise vollkommen zu versagen droht.

2020-06-01

Gestern Abend kam es währenddessen in der US-Hauptstadt Washington erneut zu Demonstrationen und schweren Ausschreitungen sowie Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten skandierten „Kein Frieden ohne Gerechtigkeit“. CNN hatte gemeldet, dass Trump schon am Freitag wegen der Proteste vor dem Weißen Haus zur Sicherheit für knapp eine Stunde in einen Bunker gebracht wurde.

Ausschreitungen USA: WELT-Reporter berichtet während Tränengas-Einsatz aus Washington

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR