82 Prozent lehnen die Proteste gegen Corona-Maßnahmen ab

Von Jürgen Fritz, Mo. 01. Jun 2020, Titelbild: FAZ-Screenshot

Angesichts der Coronakrise sorgen sich die Deutschen inzwischen mehr um die Auswirkungen auf die Wirtschaft als um ihre Gesundheit. 78 Prozent erwarten einen Wirtschaftsabschwung. 65 Prozent wünschen sich beim Infektionsschutz mehr Kompetenzen beim Bund. Ramelows Vorschlag eines baldigen Verzichts auf alle Verbote befürwortet nur jeder Vierte und 82 Prozent lehnen die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen ab. Mit der Arbeit der Bundesregierung und speziell einer Person sind die Bürger dagegen ausgesprochen zufrieden, wie seit Jahren nicht mehr. Und so würden die Deutschen derzeit wählen.

So würden die Deutschen im Moment wählen

Angegeben ist wie immer für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute,  die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert bei den sechs einbezogenen Instituten sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller sechs Werte:

  1. CDU/CSU: 3740 % ==> 38,4 %
  2. GRÜNE: 15 – 19 % ==> 17,3 %
  3. SPD: 15 – 16 % ==> 15,2 %
  4. AfD: 911 % ==> 9,5 %
  5. LINKE: 79 % ==> 7,7 %
  6. FDP: 4 8 % ==> 5,6 %
  7. Sonstige: 5 – 7 % ==> 6,2 %
2020-05-31

(c) JFB

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die sechs Institute, die (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, welche ausgewertet wurden, waren:

  • Allensbach: 10.05.2020 (mittlerer Tag der Befragung), persönlich-mündliche Befragung von 1.013 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen
  • Infratest dimap: 12./13.05.2020, telefonische Befragung von 1.074 zufällig ausgewählten Personen
  • YouGov: 23.05.2020, Online-Panel – internetbasierte Befragung von 1.584 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools
  • Kantar: 23.05.2020, telefonische Befragung von 1.934 zufällig ausgewählten Personen
  • INSA: 23./24.05.2020, Online-Panel – internetbasierte Befragung von 2.062 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools
  • Forschungsgruppe Wahlen: 27.05.2020, telefonische Befragung von 1.377 zufällig ausgewählten Personen
  • Forsa: 27.05.2020, telefonische Befragung von 2.500 zufällig ausgewählten Personen

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool, hat damit eine recht breite Datenbasis von insgesamt 11.544 Befragten.

Mögliche Regierungsbildungen: Schwarz-Gelb hat – anders als die BILD meldet – keine Mehrheit

Damit wäre Grün-Rot-Dunkelrot mit ca. 40,2 Prozent weit von einer Mehrheit der Sitze im Bundestag entfernt. Hierfür bräuchte es ca. 47 Prozent der Stimmen (100 – 6,2 Sonstige : 2).

Die Union wäre somit in der komfortablen Lage, sich einen Koalitionspartner aussuchen zu können. Mit der schwächelnden FDP würde es im Moment – anders als die BILD dies anhand der Kantar-Umfrage suggeriert – kaum reichen. Schwarz-Gelb käme nämlich nicht auf 48, sondern nur auf ca. 44 Prozent (bei Forsa auf 45, bei Infratest dimap auf 44, bei Allensbach auf 43,5, bei INSA und Forschungsgruppe Wahlen auf 43 und bei YouGov sogar nur auf 42 Prozent). Die Kantar-Umfrage fällt hier also vollkommen aus dem Rahmen.

Aber CDU/CSU hätten die Wahl aus den Grünen und der SPD. Schwarz-Grün käme auf etwa 55,5 Prozent, Schwarz-Rot käme auf ca. 53,3 Prozent der Stimmen.

78 Prozent erwarten einen Wirtschaftsabschwung

Insgesamt sorgen sich die Deutschen, wie die Erhebung von Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Politbarometer vom 29. Mai zeigt, inzwischen deutlich mehr um die Folgen der Coronakrise für die Wirtschaft als um ihre Gesundheit:

Dabei erwarten Ende Mai nun bereits 78 Prozent, dass es mit der Wirtschaft abwärts gehen wird:

Eine knappe Mehrheit (51 Prozent) meint, das Schlimmste sei bereits überwunden, fürchtet also keine zweite oder dritte heftigere Welle als die erste:

Nur jeder Vierte hält Ramelows Vorschlag eines Verzichts auf Verbote für richtig, am ehesten noch FDP-ler und AfD-ler

Gleichwohl findet eine klare Mehrheit von 56 Prozent die jetzigen Lockerungen als so richtig und nur 11 Prozent gehen diese nicht weit genug. Also nur jeder Neunte möchte noch mehr Lockerungen als sie die letzten Wochen durchgeführt wurden. Fast jedem Dritten (32 Prozent) gehen die Lockerungen dagegen zu weit:

Die Vorschläge des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (DIE LINKE), sogar jetzt Anfang Juni schon weitgehend auf verpflichtende Verbote zu verzichten, findet deutschlandweit sogar nur jeder Vierte richtig. Fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) halten diesen Vorstoß sogar für ausgesprochen falsch.

Zustimmung findet Ramelow hierbei nicht einmal bei den Anhängern seiner eigenen Partei (30 Prozent) und nur bei AfD (48 Prozent) und FDP (50 Prozent) findet das ungefähr die Hälfte der Anhänger gut. Die Wähler der Grünen, der CDU/CSU und der SPD lehnen Ramelows Vorschlag dagegen vollkommen ab:

Fast zwei Drittel der Deutschen sind für mehr Kompetenzen beim Infektionsschutz für den Bund

Dass Deutschland zur Bekämpfung der Coronakrise hohe Schulden aufnimmt, finden fast drei Viertel (73 Prozent) richtig, nur jeder Vierte bis Fünfte (23 Prozent) nicht richtig. Die größte Zustimmung kommt hierbei von den Anhängern:

  1. der SPD: 88 %
  2. der Grünen: 84 %
  3. der Linkspartei: 80 %
  4. von CDU/CSU: 76 %
  5. der FDP: 64 %
  6. der AfD: 35 %.

Alle finden dies also richtig und zwar mit überwältigender Mehrheit, mit einer Ausnahme: die AfD-Anhänger.

Dabei kommen dem Bund in der Coronakrise ausgesprochen wenig Befugnisse zu, da Fragen des Infektionsschutzes primär Länder und Gemeindeangelenheiten sind. Den Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der hier quasi gegen seine eigenen Interessen als Landespolitiker argumentiert, wenn er der Bundesregierung mehr Kompetenzen übertragen möchte, um eine allzu starke Flickenteppich-Regelung zu vermeiden, stimmen laut Civey interessanterweise fast zwei Drittel der Bundesbürger (64,8 Prozent) zu, während nur 27,9 Prozent dies ablehnen:

Mehr Kompetenzen für den Bund beim Infektionsschutz

Civey-Screenshot

82 Prozent der Deutschen lehnen die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen ab

Ähnlich wie bei der Frage nach der Schuldenaufnahme sieht es bei der Frage aus, ob besonders betroffene Länder der Coronakrise EU-Finanzhilfen mit großer Beteiligung Deutschlands gewährt werden sollen. Dies finden 61 Prozent gut und nur ca. jeder Dritte (34 Prozent) nicht gut. Auch hier sagen alle mit mindestens einer Zweidrittel-Mehrheit ja (die FDP-Wähler sogar mit einer Dreitviertel-Mehrheit) bis auf die Anhänger einer Partei:

  1. FDP: 75 %
  2. Grüne: 74 %
  3. SPD: 70 %
  4. Linke: 70 %
  5. CDU/CSU: 66 %
  6. AfD: 25 %

Die Proteste gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen finden mehr als vier Fünftel (82 Prozent) der Deutschen schlecht. Nur etwa jede Siebte (15 Prozent) findet diese gut:

Fünf von sechs Bundesbürgern finden, dass die Kanzlerin ihre Arbeit gut macht

Insgesamt sind die Bürger mit der Bundesregierung ausgesprochen zufrieden, die derzeit auf einer Skala von -5 bis +5 einen absoluten Spitzenwert von +2,1 erhält:

Hierbei ragen vor allen Dingen zwei Politiker der Union heraus mit Werten von +2,5 und +2,0: die Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auch hier Spitzenwerte erzielt wie zuletzt vor fünf Jahren: 2014, Anfang 2015, und der bayerische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Markus Söder, der derzeit beliebt ist wie nie zuvor.

Bundesinnenminister Horst Seehofer konnte sich seit Ende 2018 enorm verbessern auf jetzt +0,6, während die Bewertung der Noch-CDU-Vorsitzenden und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer immer weiter in den Keller ging. Inzwischen wird sie gar nicht mehr erfasst, da ihr offensichtlich keine bedeutende Rolle mehr zugesprochen wird.

Angela Merkel dagegen hat derzeit eine Rückendeckung in der Bevölkerung wie seit vielen Jahren nicht mehr, genauer: weit 2014 und Anfang 2015, vor Beginn der Migrationskrise. Fünf von sechs Bundesbürgern finden, dass die Kanzlerin ihre Arbeit gut macht. Nicht einmal jeder Siebte ist mit ihr unzufrieden.

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal  5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 30 EUR – 50 EUR – 100 EUR