Paritätsgesetz: Wie der extrem Rechte die Neue Linke vorführt

Von Jürgen Fritz, Do. 16. Jul 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Wie blöde die Neuen Linken inzwischen, nein ich korrigiere mich: wie blöde sie längst sind, erkennt man unter anderem daran, dass sie ausgerechnet der AfD, nein schlimmer: dem äußersten Rechtsaußen in der AfD Björn Höcke bei der Frage der Verfassungsmäßigkeit des Paritätsgesetzes diesen Sieg vor Gericht schenken, weil selbst die AfD-ler schlauer sind als sie. Das Schlimmste aber von allem: Jetzt muss man sich ausgerechnet mit und über Höcke freuen. Einen dazu gebracht zu haben, sollte man den Neuen Linken nicht verzeihen.

Ausgerechnet der wehrhafte Rechtsextremist muss die wahnhaften Neuen Linken stoppen, weil alle anderen dazu nicht mehr fähig sind

Man schaut nach links außen und einem wird fast übel. Man schaut nach rechtsaußen und das fast ist überwunden. Man schaut nach vorne und kann schon sehen, wie die von linksaußen und die von rechtsaußen diesen gesamten Raum für sich in Anspruch nehmen und unbarmherzig aufeinander prallen werden. Man dreht sich um und schaut zurück und muss mit noch größerem Schrecken erkennen: Da ist fast keiner mehr. Eine politische Mitte, zumal eine gegen beide Extreme wehrhafte, gibt es kaum noch.

Das Grundgesetz wird von vielen, nein ich korrigiere mich: von den meisten gar nicht mehr verstanden. Und die Neuen Linken verdrehen es seit langem nach Belieben, biegen es soweit nach linksaußen, dass man meint, es würde jeden Moment brechen. Nun hat der Thüringer Verfassungsgerichtshof das Landesgesetz zur paritätischen Besetzung von Männern und Frauen auf den Wahllisten der Parteien für nichtig erklärt. Der Thüringer Landtag hatte die Quotierung der Landeslisten 2019 mit den Stimmen der SED (nennt sich jetzt anders), SPD und der Grünen beschlossen. Dabei dürfte dieses Urteil über die Landesgrenzen hinaus Strahlkraft entfalten, denn die Verfassungsrichter nehmen ausdrücklich Bezug auf das Grundgesetz.

Damit hat ein Verfassungsgericht den Linksradikalen und Linksextremisten auf die Finger geschlagen und das Grundgesetz nochmal für eine gewisse Zeit vor dem Zerbrechen geschützt. Und ausgerechnet ein verfassungsfeindlicher Rechtsextremist musste die Neuen Linken stoppen. Kein anderer war dazu mehr fähig. Was für ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft. Was für ein Armutszeugnis für unsere Parteienlandschaft. Was für eine Armutszeugnis für unsere Kultur. Was für eine Armutszeugnis nach Jahrhunderten der Aufklärung.

Wie die Neuen Linken sich Gleichberechtigung zu Ergebnisgleichheit zurechtgebogen haben

Der Leiter des Ressorts Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der ZEIT Lenz Jacobsen begreift nicht einmal mehr den Begriff „Gleichberechtigung“. In diesem total nach linksaußen gedrehten Gehirn ist kein Platz mehr für saubere Differenzierungen und Begriffsbildungen wie die Unterscheidung zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung im Sinne einer Ergebnisgleichheit (Gleichmacherei). Gleichwohl hat Jacobsen es bis zum Ressortleiter bei dieser großen, einst renommierten Qualitätszeitung gebracht. Vielleicht hat ja auch ihm irgendeine Quote geholfen, wer weiß?

Gleichberechtigung bedeutet, wenn Sie mir diese Metapher erlauben, dass jeder bei einem Turnier mitspielen darf, so er spielen kann, nicht nur Könige, der hohe Klerus und Hochadel (war früher beim Tennis durchaus mal anders bis in die 1960er Jahre hinein). Und dass bei einem Tennismatch jeder bei null Punkten startet. Keiner bekommt einen Vorsprung, weder der Mann noch die Frau noch sonst jemand. Jeder hat genau einen Schläger, der den Vorgaben entspricht und alle Regeln gelten für beide Spieler gleich.

Ergebnisgleichheit bedeutet, jedes Match muss unentschieden enden, egal wie die beiden spielen. Wenn einer sich einen Vorsprung herausgespielt hat, muss ihm der Schiedsrichter später solange Punkte wegnehmen und dem anderen geben, bis beide gleich viele haben. Bei ungleicher Punktzahl bekommt der, der weniger Punkte selbst erspielte, einen Punkt mehr und hat gewonnen. Das ist nur gerecht, denn er war ja schlechter und das fühlte sich nicht gut an. Dieses negative Gefühl muss wieder ausgeglichen werden, dann ist die große Waage der Gerechtigkeit wieder im Gleichgewicht.

Sie sehen: Wenn alle nicht gleichgemacht werden, sondern gleichberechtigt sind, ist das immer schlecht für diejenigen, die im fairen Wettbewerb bei gleichen Rechten schlechtere Karten haben, nicht mithalten können, schlechter abschneiden, zum Beispiel weil sie weniger können, sich weniger einbringen, weniger Lust haben, sich weniger bemühen oder weniger trainieren, weil sie weniger motiviert sind oder weil die Natur sie weniger beschenkt hat.

Der Schlechtere darf niemals verlieren

Gleichberechtigung wollten die Könige, der hohe Klerus und Adel, also die privilegierten Stände bis ins späte 18. und frühe 19. Jahrhundert auch nicht, dass sie an ihrem Tun und nicht ihrem Stand gemessen werden. Und die Neuen Linken wollen das auch nicht. Die Altkonservativen versuchten den Menschen einzureden, es gäbe eine natürliche, von Gott so gewollte Ordnung mit einem unverrückbaren Oben und Unten. Wer oben hineingeboren wird, der bleibt dort vom Moment seiner Geburt bis zum Moment seines Todes, einfach weil er da hineingeboren wurde. Er muss dazu nichts tun. Und wer unten rein geboren wurde, der blieb eben unten, egal was er tat. Gott will es so!

Die Neuen Linken wollen nun den Leuten einreden – nein sie wollen es nicht nur, sie tun es seit Jahrzehnten und das immer lauter, immer aggressiver, immer unduldsamer gegen jeden, der auch nur leiseste Zweifel anzumelden versucht -, dass in der natürlichen Ordnung alle genau gleich seien. Gleich nicht nur an Rechen und an Würde geboren, nein viel mehr als das: Jeder müsse in etwa das Gleiche haben, materiell wie auch sonst. Am Ende muss es immer 6:6 ausgehen. Oder 7:6 für den, der schlechter spielte. Das ist gerecht. Deswegen auch die Paritätsregel, Frauen müssen mindestens 50 Prozent der Listenplätze einnehmen.

Frauen hätten nicht nur die gleichen Rechten und die gleiche Würde, nein sei müssen auch gleich viel Macht, gleich viel politischen Einfluss, gleich viele politische Mandate, gleich viel Chefposten in der Wirtschaft, ja überhaupt von allem gleich viel haben. Nein, ich korrigiere mich wieder: gleich viel von allem Guten und Erstrebenswerten. Die Todesfallzahlen bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr sollen natürlich nicht gleich, nicht paritätisch sein, das kann ruhig ungleich verteilt sein unter den Geschlechtern.

Die Männer können auch ruhig im Schnitt mehrere Jahre – fast exakt eine halbe Dekade! – früher sterben als die Frauen. Da wird man keine hunderte Milliarden oder Billionen speziell in die Gesundheitsversorgung nur der Männer investieren, um die Lebenserwartung an die der Frauen anzugleichen. Man ist da irgendwie flexibel beim Anwenden des Gleichheitsgrundsatzes. Nein, ein halbes Jahrzehnt weniger leben ist nicht ungerecht.

Hochadel für alle: es reicht als Mensch geboren zu sein

Am Ende aber sollen alle gleich glücklich sein, egal was der Einzelne dafür selbst tut, so wie die altkonservativen Königshäuser, der hohe Klerus und Hochadel ja auch nichts dafür tun mussten, um ihre Privilegien zu bekommen und für immer zu behalten. Das stand ihnen einfach zu. So wie heute allen zusteht, alles zu bekommen, was man ihnen durch Umverteilung geben kann. Sie müssen dafür nichts tun.

Es reicht einfach, als Mensch geboren worden zu sein, so wie es bis ins 18. respektie 19.Jahrhundert den Angehörigen der privilegierten Ständen reichte, in ihrer jeweiligen Stand hineingeboren worden zu sein. Nun ist die ganze Menschheit quasi der hohe Adel. Vor allem, wenn „der Mensch“ es nach Deutschland schafft. Hier ist quasi der neue Königspalast der Menschheit. Da muss man hin, wenn man sich rein aufs Mensch-sein spezialisiert hat. That’s the place to be there. Man sollte den Migranten beibringen, nicht mehr zu sagen „Ich will Asyl“, sondern einfach nur noch: „Ich bin ein Mensch“.

Und das spricht sich natürlich im Internet- und Handy-Zeitalter in der ganzen Welt herum: „Hey, in Deutschland, das liegt in Europa, da werden Tennisturniere gespielt, bei denen jeder ein hohes Preisgeld bekommt, egal wie er spielt. Du musst gar nichts machen, musst nicht mal einen Ball zurückspielen. Du kannst sogar beim Seitenwechsel das Netz kaputt machen. Haha! Egal was du machst, du kriegst immer das Preisgeld. Mindestens so hoch wie der andere, wenn nicht höher.“ 

Die Neuen Rechten und allen voran Björn Höcke, der als Sieger aus diesem Match vor dem Thüringer Verfassungsgerichtshof hervorgeht, kennen natürlich auch eine neuen Hochadel mit entsprechenden Privilegien. Hier reicht als nicht als Mensch, sondern als Deutscher geboren zu sein, dann gehört man dazu. Und auch hier gilt: egal was man tut. Auch hier zählt primär der Geburtsadel, eben der Geburtsadel als Deutscher, nicht als Mensch.

Nichts können Neue Linke besser als anderen etwas wegzunehmen

Und wenn einige zu wenig haben oder zu wenig auf einer Liste stehen, so muss man solange anderen etwas wegnehmen, bis alle das Gleiche haben. Alle das Gleiche heißt immer einigen was wegnehmen. Das sagen die Neuen Linken so nicht offen, ist aber so. Und nichts können Neue Linke besser als anderen etwas wegnehmen. Darauf haben sie sich quasi spezialisiert. Das ist ihre Profession. Gleichwohl sind es keine Diebe, sondern Gerechtigkeitskämpfer, denn sie geben das Weggenommene ja wieder anderen und behalten nur ein bisschen was davon für sich selbst. Manche auch ein bisschen mehr als ein bisschen.

Und schon wieder eine Parallele zu den Königshäusern, zum hohen Klerus und Hochadel des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Haben die nicht auch primär vom Anderen-etwas-wegnehmen gelebt? Das Schöne dabei: Dafür muss man nichts tun, die Natur – oder vielleicht doch Gott? Vielleicht ist er ja doch nicht tot? – will das so, dass alle nicht nur die gleichen Rechte, sondern die gleichen Ergebnisse haben, ohne Anstrengung. Einfach so. Einfach weil sie als Mensch geboren wurden. Jedes Match endet 6:6 oder 7:6 für den Schlechteren. Das ist nicht fair, aber gerecht. Für Neue Linke zumindest.

Die Natur will es so! – Vielleicht auch der Gott der Neuen Linken

„Ja aber wenn das dann nicht reicht, weil immer weniger sich anstrengen und immer mehr sich darauf ausruhen, dass ihnen ja alles im gleichen Umfang zusteht, ohne dass sie etwas dafür tun? Und wenn dann sogar von überall die Leute kommen, weil sie gehört haben ‚Dort musst du hin, da kriegt man alles, einfach so, weil man da ist, weil man ein Mensch ist. Man muss nichts dafür machen‘ und es dann irgendwann nicht mehr reicht oder alles zusammenbricht?“

„Ach was, da bricht schon nichts zusammen“, sagen dann die Neuen Linken. „Ist doch noch nie etwas zusammengebrochen!“„Aber die Sowjetunion und Kuba und der gesamte Ostblock und die DDR und …“„Es ist noch nie etwas zusammengebrochen, wenn man es nur richtig macht! Alle Menschen sind gleich. Also müssen alle das Gleiche bekommen.“„Auch die, die gar nichts dafür tun? Das ist doch völlig unnatürlich. Die Evolution …“ – Alle müssen das Gleiche bekommen! Die Natur will es so.“ (Oder vielleicht doch Gott, der Gott der Neuen Linken?)

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