Die Rede, die Angela Merkel halten müsste, aber nie halten wird

Von Jürgen Fritz, Do. 18. Mrz 2021, Titelbild: phoenix-Screenshot

Natürlich hat Angela Merkel nicht den Charakter zu sagen: „Ich habe schon in der Migrationskrise versagt, nun auch noch in der Coronakrise. Insbesondere dass ich Gesundheitsminister Jens Spahn angewiesen habe, die Impfstoffbeschaffung an die EU abzutreten und diese unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft dann bei der Beschaffung der alles entscheidenden Impfstoffe so dilettantisch agierte, war ein Jahrhundertfehler, der im Grunde unverzeihlich ist. Auch war es ein großer Fehler …

Merkels ungehaltene Rede

Auch war es ein großer Fehler, wie ich im Nachhinein eingestehen muss, dass ich nicht gleich zu Beginn der Pandemie Karl Lauterbach – völlig unabhängig von Parteizugehörigkeit und Parteienproporz – in die Regierung holte, ihn nicht sofort zum Pandemie-Beauftragten machte, denn eigentlich ist es ja ein seltener Glücksfall, dass wir in der Politik jemanden haben, der vom Fach und dabei so kompetent ist, dass er seine Fachexpertise, die hier so dringend vonnöten war, direkt in die Politik einbringen konnte. Das hätte ich sofort erkennen und entsprechend handeln müssen. Auch dies habe ich versäumt und das war ebenfalls ein großer Fehler.

Denn in einer solchen Krise, wo es um das Leben zigtausender Bürger und die wirtschaftliche Existenz von Unzähligen, ja die gesamte Nationalökonomie geht, müssen Dinge, wie Parteizugehörigkeit, zurückstehen. In solchen Momenten muss es um anderes gehen. Das hätte ich wissen und umsetzen müssen und das habe ich nicht getan.

Ich muss vor mir selbst und vor ihnen, denen ich ja zu dienen habe, eingestehen, dass ich letztlich nur eine Schön-Wetter-Kanzlerin und Moderatorin bin, das kann ich sicherlich sehr gut, das schätzen viele und deswegen haben Sie mich ja indirekt immer wieder gewählt. Aber was die großen, langfristigen Linien der Politik anbelangt und auch in großen Krisenzeiten, wo es keine Moderatoren, sondern Macher braucht, die Dinge frühzeitig erkennen und auch beherzt handeln, da bin ich einfach überfordert in diesem Amt.

Daher werde ich dieses nun an einen Fähigeren übergeben (also nicht Armin Laschet) und mich hierbei von persönlichen Animositäten frei machen, da es nun um Größeres geht, viel Größeres!, um so den Weg frei zu machen, a) für einen anderen Umgang mit der Pandemie, in der klare Führung statt Moderation gefragt ist, b) für die Zukunft meiner Partei und des Landes, von dem Schaden fernzuhalten, ich nicht so vermocht habe, wie das von einem deutschen Bundeskanzler zurecht erwartet werden darf.

Ich bitte Sie hierfür um Verzeihung. Ich werde mich in wenigen Wochen, sobald das Bundeskanzleramt und die Amtsgeschäfte ordentlich übergeben sind, komplett und dauerhaft aus der Politik zurückziehen. Ich bin gescheitert und es tut mir unendlich leid, dass so viele Menschen (75.000) sterben mussten, dass so viele wirtschaftliche Existenzen gefährdet und zum Teil zerstört wurden. Bitte vergeben Sie mir!“

Keine guten Vorzeichen für die nächsten Monate

Das wird Angela Merkel natürlich nicht sagen. Das zu erwarten, wäre naiv. Dass sie das nicht tut – und natürlich müssten es ja nicht exakt diese Worte sein -, verschärft aber die ganze Problematik, weil wir so noch viele, viele Monate mit einer kaum noch handlungsfähigen Regierung durch die schwerste Krise seit Bestehen der Bundesrepublik kommen müssen. Keine guten Vorzeichen!

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