Vertikalität: Aphorismen

(Jürgen Fritz, 24.07.2020) Der Kluge hält immer Ausschau nach einem Klügeren, von dem er lernen kann, und sucht dessen Nähe. Manchmal tut es auch ein ebenbürtiger oder leicht überlegener Kontrahent, der einem gestattet, an ihm zu wachsen. Die anderen sind zufrieden mit sich selbst und wollen so bleiben, wie sie sind (Basislager-Problem).

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Aphorismen zum Thema Gerechtigkeit

(Jürgen Fritz, 21.07.2020) Die schönste Frucht der Gerechtigkeit sei Seelenfrieden, meinte Epikur (341 v. Chr – 270 v. Chr.). Und Oscar Wilde ergänzte, es gebe nur eines, das schlimmer sei als Ungerechtigkeit: Gerechtigkeit ohne Schwert in der Hand. Wenn Recht nicht Macht sei, sei es Übel. Zwei kurze Anmerkungen zum Thema Gerechtigkeit.

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Was ich Gott fragen würde

(Jürgen Fritz, 20.07.2020) Was ich Gott fragen würde, so mir jemand erschiene, der behauptete, ein solcher zu sein: Zunächst würde ich ihn fragen, was es bedeutet, ein Gott zu sein, ob er mir diesen Begriff irgendwie explizieren könne, so dass klar sei, von was die Rede ist. Sodann würde ich fragen, wo die anderen Götter seien, warum man so selten welche sehe, was die denn so machten, womit er und sie ihre Zeit verbrächten und wo sie sich für gewöhnlich aufhielten. Wenn er behauptete, er sei der einzige Gott, das höchste Wesen überhaupt, welches alles geschaffen habe, würde ich ihn folgendes fragen …

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Warum Sozialisten mit der Zeit stets ihre Moralität einbüßen

(Jürgen Fritz, 19.07.2020) Sozialisten (mittlere und Neue Linke) sind getrieben von einem nicht verwerflichen, sondern einem durchaus edlen Motiv: Sie wünschen sich eine Welt, in der es allen Menschen möglichst gleich gut geht. Ja mehr noch: eine Welt, in der alle möglichst gleich oder ähnlich glücklich sind. Sie sind insofern keine Egoisten, sondern was sie trägt, ist gerade das Mitgefühl, die Empathie, die Sorge um andere. Daher lehnen sie auch den Kapitalismus so sehr ab, weil dieser im Grunde auf einem egoistischen Antrieb aufbaut: persönliche Gewinne erzeugen. Das Verrückte und Paradoxe ist nun aber das folgende.

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Der Rassismus der Neuen Linken

(Jürgen Fritz, 18.07.2020) Rassismus einseitig zu explizieren, ja eher zu definieren respektive umzudefinieren – eine Spezialität der Neuen Linken, manche meinen sogar das Einzige, was diese wirklich können: umdefinieren, man könnte auch sagen: sich die Dinge zurechtbiegen -, ist intellektuell nicht einmal auf Kindergartenniveau. Inwiefern? Deshalb …

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Texte und Gedanken geistig erfassen versus das Eigene in sie hineinprojizieren

(Jürgen Fritz, 14.07.2020) „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir. An jedem Punkt öffnet das Verstehen eine Welt. Das Verstehen ist ein Wiederfinden des Ich im Du. Nur was der Geist geschaffen hat, versteht er“, schrieb der deutsche Philosoph, Psychologe und Pädagoge Wilhelm Dilthey (1833 – 1911). Könnte es sein, dass diese Fähigkeit des Verstehens von geistig Geschaffenem, speziell das Erfassen von Gedanken und Texten zunehmend verloren geht? Wenn ja, woher kommt das und wozu führt es? Der Versuch einer Erklärung.

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Sein zum und Bewusstsein vom Tode

(Jürgen Fritz, 07.07.2020) Für Martin Heidegger war die gesamte menschliche Existenz ein Sein zum Tode. Denn Existieren heiße, Möglichkeiten zu ergreifen, andere fallen zu lassen. Der Tod aber sei die letzte, unausweichliche Möglichkeit. Und es sei die Befindlichkeit der Angst, die den Tod als diese letzte Möglichkeit erschließe, der immer der jemeinige Tod sei, in dem es ganz und nur um mich gehe, so Heidegger. Zugleich stellt der Tod, insbesondere der jemeinige, eine ungeheuerliche Ungeheuerlichkeit dar, die uns erschüttert und oft auch überfordert, die uns irgendwie ratlos macht. Eine Meditation über den Tod und damit auch das Leben.

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Warum eine freiheitliche Demokratie wehrhaft sein muss

(Jürgen Fritz, 05.07.2020) 1919 wurde die Weimarer Republik stolz als „demokratischste Demokratie der Welt“ bezeichnet, die Deutschen als das „freieste Volk der Erde“. Doch die Weimarer Verfassung war eine solche, ohne eine klare, feste Bindung an Wertvorstellungen und ohne Wehrhaftigkeit gegenüber den Gegnern der liberalen Demokratie, ohne Intoleranz zweiten Grades. Und so hatte sie kaum mehr als 13 Jahre Bestand. Aus diesem schweren Fehler hat die Bundesrepublik gelernt und hat bereits im Grundgesetz Schutzmechanismen eingebaut gegen die Feinde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

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Was heißt Aufklärung? Wann und wo setzte sie erstmals ihren Fuß auf die Erde?

(Jürgen Fritz, 05.07.2020) Aufklärung bezeichnet zum einen eine historische Epoche, nämlich die Zeit des 17. und dann vor allem des 18. Jahrhunderts. Das Wesen der Aufklärung ist aber weniger eine Epoche, als vielmehr ein Grundsatz, ein Grundsatz des Denkens und Handelns. Dieser Grundsatz lautet: selbst zu denken, wobei denken etwas anderes ist als sich etwas zusammen zu reimen, wie dies ein Xavier Naidoo und Attila Hildmann tun. Denken muss man mithin wie Skifahren erlernen. Man kann zwar alles, was Beine und Füße hat, auf Skier stellen, aber ohne Übung kommen die meisten nicht sehr weit. Was aber bedeutet Selbstdenken?

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Manifest des Aufklärungs-Universalismus

(Jürgen Fritz, 01.07.2020) Die alte, klassische Linke, nicht die Marxisten und ihre Nachfolger, sondern die Aufklärer des 17. und 18. Jahrhunderts und auch schon die der griechischen Antike (Sokrates etc.), war progressiv, nicht traditionalistisch. Die Neuen Linken sind das nicht mehr. In Bezug auf andere Kulturen sind sie konservativ. Deren Tradition werten sie a priori und per se als positiv, einfach weil sie die anderen sind, zumal wenn es sich um Rückständige handelt. In Bezug auf die eigene Kultur sind sie dagegen destruktiv. Die Neue Linke hat die meisten Ideale der alten Linken, welche die universalen Menschenrechte gerade erst hervorbrachte bzw. entdeckte, verraten respektive aufgegeben. Diese Ideale gilt es a) zurückzugewinnen, b) zu bewahren und c) weltweit progressiv weiter zu entwickeln.

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Relativitäts- oder Absolutheitstheorie?

(Jürgen Fritz, 01.07.2020) Albert Einsteins 1905 und 1915 veröffentlichte spezielle und allgemeine Relativitätstheorie haben das Verständnis von Raum und Zeit, ja überhaupt unser Weltbild revolutioniert und wohl auch einen allgemeinen erkenntnistheoretischen, einen Wahrheits-, einen Bedeutungs-, einen ethischen, einen Werte- und Kultur-, ja sogar einen methodologischen Relativismus mit befördert. Doch hätte man die Relativitätstheorie nicht genauso gut Absolutheitstheorie nennen können?

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Die vier Formen des moralischen Universalismus

(Jürgen Fritz, 30.06.2020) Neue Rechte attackieren gerne die ethische Position des moralischen Universalismus. Vertreten wird vielfach ein moralischer Partikularismus und Relativismus. Von den Neuen Linken übrigens ebenso. Diese widersprechen sich sogar selbst, propagieren einerseits die universalen Menschenrechte und zugleich einen Kulturrelativismus, was dem Menschenrechtsuniversalismus gerade widerspricht, der Kulturen, die die universalen Menschenrechte negieren, ja gerade nicht als gleichwertig apostrophieren kann, ohne sich gleichsam selbst zu negieren. Der Menschenrechtsuniversalismus ist ein Resultat des moralischen Universalismus, welcher wiederum in vier Formen auftritt. Doch wie hängen diese zusammen?

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Manifest der Initiative Humanismus: für Menschen gegen Dogmen

(Initiative Humanismus, 26.06.2020) „Während wir technologisch im 21. Jahrhundert stehen, sind unsere Weltbilder noch von Jahrtausende alten Legenden geprägt. Diese Kombination von höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben könnte auf Dauer fatale Konsequenzen haben. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen wurde“, schrieb Michael Schmidt-Salomon 2005 in seinem Manifest des evolutionären Humanismus im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung. Der rationale Glaube an die Wissenschaft dürfe nicht mit Wissenschaftsgläubigkeit verwechselt werden und jenseits von Fundamentalismus und Beliebigkeit müsse eine Leitkultur „Humanismus und Aufklärung“ entwickelt werden, so Schmidt-Salomon. Eine weiteres Manifest wurde von der Gruppe Initiative Humanismus verfasst. Dieses soll hier vorgestellt werden.

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Der Mensch: das Wesen, das handeln kann

(Jürgen Fritz, 25.06.2020) Aufgabe der Wissenschaften ist es, a) die Welt korrekt zu beschreiben und diese Deskriptionen zu systematisieren sowie b) Zustände und Ereignisse zu erklären, mithin Verbindungen zwischen den einzelnen Dingen herzustellen, kausale und sonstige Gesetzmäßigkeiten und Regularitäten zu erkennen, was uns wiederum hilft, uns in der Welt besser zurecht zu finden, je besser wir sie verstehen. Nun sind Menschen Wesen, die handeln können, die über mentale Repräsentationen verfügen und repräsentationale Zeichen produzieren, die also die Welt oder Teile von dieser in sich irgendwie abbilden, genauer: repräsentieren. Um Handlungen von Menschen zu erklären, gibt es drei Ansätze, doch nur einer davon erschließt das daran Spezifische.

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Bildung bedeutet dreifache Unterwerfung: unter die Realität, die Logik und die Ethik

(Jürgen Fritz, 23.06.2020) Unsere Schulen haben einen in den Landesverfassungen verankerten Erziehungs- und Bildungsauftrag. Damit ist festgelegt, was am Ende der Schulzeit herauskommen soll: gebildete Menschen. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht nur ein Unterhaltungsprogramm anbieten, sondern hat darüber hinaus einen Bildungsauftrag. Deswegen dürfen Rundfunkgebühren erhoben werden. Zu diesen Bildungsaufgaben zählt neben der Wissens- und Kulturvermittlung das Verständnis für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge sowie religiöse und politische Bildung. Doch was bedeutet überhaupt Bildung? Wann kann ein Mensch als ein gebildeter solcher angesehen werden? Worauf kommt es an?

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