Nine Eleven – knapp 200 Monate später

Ein Gastbeitrag von Hartmut Krauss

„Die Körperteile der Ungläubigen flogen wie Staubkörnchen umher. Hätten wir es mit eigenen Augen gesehen, unsere Herzen wären von Freude erfüllt“, schwärmte Osama bin Laden einst nach einem Terroranschlag. Hartmut Krauss reflektiert, inwieweit die Mega-Anschläge am 11.09.2001 genutzt wurden, um die tieferen Ursachen des islamischen Terrorismus zu beleuchten und offen zu diskutieren, oder ob sich seither im Grunde nichts verändert hat, weil immer wieder verlogene Abwehrmachnismen in Stellung gebracht werden.

Eine neue Qualität der „Ästhetik der Barbarei“

Die koordinierten Terroranschläge vom 11. September 2001 mit vier entführten Flugzeugen und etwa 3.000 unschuldigen und zufälligen Todesopfern stellen fraglos die bisher spektakulärsten, symbolkräftigsten und mediengerechtesten Anschläge der modernen Geschichte des Terrorismus dar. Markiert wurde damit eine neue Qualität der „Ästhetik der Barbarei“, wie sie nur dem Schoß des Religiösen mit dem ihm innewohnenden Hang zu sakralem Mythos, apokalyptischen Wahnideen und entsprechenden gottesfanatischen Identitäten zu entsprießen vermag.

Spätestens diese Mega-Anschläge hätten der Anlass sein können und müssen für eine tabufreie Diskussion über die herrschaftskulturellen Ursachen, politischen Hintergründe und religiös-weltanschaulichen Antriebskräfte des islamischen Terrorismus. Doch dieser Zeitpunkt wurde aufgrund politischer Interessenlagen und ideologischer Borniertheiten verpasst. Stattdessen nämlich dominieren seither in der deutschen Öffentlichkeit im Rahmen eines ausufernden „Deutungschaos“ verlogene Abwehrmechanismen und unhaltbare Klischees.

Die Legende „Guter Islam – Böser Islamismus“

An erster Stelle steht hier die von den herrschenden politischen und medialen Instanzen ebenso einträchtig wie notorisch verbreitete Legende „Guter Islam – Böser Islamismus“. Demnach wird der Islamismus als militante Verfälschung des an sich rein spirituellen und friedfertigen Islam ausgegeben und die inhaltlich-normativ eindeutig vorhandene Verbindungslogik zwischen dem orthodoxen Islam und seiner islamistischen Zuspitzung aus politisch-ideologischen Gründen geleugnet.

In Wahrheit aber handelt es sich bei den islamistischen Terroristen und Selbstmordattentätern keinesfalls um Akteure, die ihre Religion strategisch bewusst verfälschen und zweckentfremden, also im Sinne eines vorsätzlichen Betrügers vorgehen. Vielmehr sahen und sehen wir hier Menschen am Werk, die subjektiv zutiefst religiös überzeugt sind und ihre Glaubensauslegung für die ‚einzig wahre’ halten. Das objektiv Verhängnisvolle besteht darin, dass sich sehr wohl aus dem Koran und der Sunna Aussagen und Vorbilder ‚herausholen’ lassen, die ihr Tun begründen und rechtfertigen.

Warum der islamische Terrorismus ohne eine Leitzentrale auskommt

Auch nach der Militärintervention einer von den USA geführten Koalition in Afghanistan, die zunächst zum Sturz der Schreckensherrschaft der Taliban führte und damit gleichzeitig den „Schutzraum“ von Al Qaida zerstörte, erwies sich der islamistische Terrorismus als ungebrochen handlungsfähig. Weshalb?

Entscheidend für sein Fortwirken war und ist nicht die Existenz einer „Leitzentrale“, sondern vielmehr die globale Existenz einer djihadistischen Motivations- und Legitimationsideologie mit eindeutiger Anschlussfähigkeit zum orthodoxen und salafistischen Islam. Genau darin liegt die sprudelnde Quelle für die tagtägliche Hervorbringung stets neuer islamischer Glaubenskrieger, die bereit sind, sich als Selbstmordattentäter ins Paradies zu bomben oder andersartige Terrorattentate zu begehen. Einen islamischen Selbstmord im Führerbunker wird es nicht geben …

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Zum Autor: Hartmut Krauss ist studierter Sozial- und Erziehungswissenschaftler, Autor und Verleger. Er war  in der Erwachsenenbildung tätig und in den 1990er Jahren einer der Gründer des parteienunabhängigen Arbeitskreises Kritische Marxistinnen und Marxisten. Er gilt als Subjektwissenschaftler und Postmodernismus-Kritiker mit materialistisch-dialektischer Perspektive. 2008 gehörte er als ursprünglicher  Initiator zu den Referierenden der Kritischen Islamkonferenz. Er ist Redakteur der in Osnabrück erscheinenden Zeitschrift HINTERGRUND und Vorsitzender der Gesellschaft für wissenschaftliche Aufklärung und Menschenrechte. Ganz besonders empfehlenswert ist sein Buch Der Islam als grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung.

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Bild: Youtube-Screenshot

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5 thoughts on “Nine Eleven – knapp 200 Monate später

  1. Tanzender Berg

    Sehr guter Artikel. Ergänzen läßt sich noch, daß die Macht- und Medieneliten in den USA und Europa die terrorunterstützenden Strukturen und Ideologien sogar aktiv fördern. Der unsägliche G. W. Bush ging nach dem Anschlag als erstes in die Moschee. Das sagt schon alles.

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  2. Jutta M. Brandt

    Die „Leitzentrale“ ist der Koran. Und der Koran dient in erster Linie dem Erhalt der Machtstrukturen im eigenen Umfeld und sekundär der Eroberung der „Ungläubigen“. Politiker, Anführer, Monarchen oder Ayatollas in moslemisch, also Scharia, regierten Ländern sind der Überzeugung, dass sie ihre Macht nur durch die Scharia durchsetzen können. Diese Scharia verbreitet Angst und Schrecken und läßt kein Selbstbewusstsein und keine Selbstachtung zu. Das hat zur Folge, dass das Selbstbildnis der moslemischen Männer sozus. „unter aller Sau“ ist. Machtmissbrauch, Gewalt und Terror sind die Konsequenz. Die einzige (Schein)-Selbstachtung ziehen sie sich aus dem Koran, der sie zum „starken Mann“ erhebt, der seine „Ehre“ gegen jede und alle verteidigen muss. Und jetzt kommt die westliche Kultur (mit allem Drum und Dran) diesem kleinen moslemischen Würstchen immer näher und will ihm mit Demokratie und Freitheit seine Macht rauben, ihn vom Sockel stoßen, ihm vor Augen halten, dass er ein Nichts ist, nie etwas Produktives geleistet hat, nicht mal lesen und schreiben kann, entbehrlich ist, ein lästiger Schmarotzer.
    Ich denke, das ist der Kern des Problems zwischen Islam und westlicher Kultur. Ich schreibe absichtlich „westlicher Kultur“ und nicht „christlicher Kultur“, weil wir uns für ein säkulares System entschieden haben. Wir haben zwar ein christliches Fundament, aber ein richtiger wissenschaftlicher, kultureller und industrieller Fortschritt hat erst stattgefunden, als wir uns von der Kirche politisch befreit haben.

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      1. Jutta M. Brandt

        Es gibt manchmal Themen, da sprudelt es nur so aus mir heraus. Sollte es bei mir wieder sprudeln, will ich Ihnen das Ergebnis gerne vor- und zur Verfügung stellen.

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