Der tiefere Grund unseres Niedergangs: die Rückkehr der Religion

Von Jürgen Fritz, So. 26. Mai 2019

„In dunkeln Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.“ (Heinrich Heine) „Ich kann es kaum begreifen, wie jemand, wer es auch sei, wünschen könnte, die christliche Lehre möge wahr sein; denn wenn es so ist, dann zeigt der einfache Text [das Evangelium], dass die Ungläubigen, und ich müsste zu ihnen meinen Vater, meinen Bruder und nahezu alle meine besten Freunde zählen, ewige Strafen verbüßen müssen. Das ist eine abscheuliche Lehre.“ (Charles Darwin)

Die Verachtung der Gesetze der Logik und des wissenschaftlichen Denkens

Gleich in der Einleitung zu Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht schreibt Thilo Sarrazin:

„… nach dem Zusammenbruch des Kommunismus glaubte ich an das allmähliche Ende eines unaufgeklärten religiösen Glaubens und war der festen Überzeugung, dass alle großen Religionen irgendwann den Weg gehen, der für das Christentum durch die Reformation vorgezeichnet wurde: nämlich das Sichbeugen vor den Gesetzen der Logik und des wissenschaftlichen Denkens – mit der Folge, dass Religion immer abstrakter, immer entfernter und folglich auch immer gleichgültiger wird. Da hatte ich mich offenbar gründlich getäuscht.“ (Seite 7)

Und einige Seiten später fährt er fort:

„Ich fragte mich: Inwieweit bildet der Islam (in seinem ganzen Schillern von Religion bis Ideologie) und inwieweit bildet die Einwanderung von Muslimen nach Europa eine Gefahr für die Zukunft der westlichen Gesellschaft und für unser Lebensmodell?“ (Seite 12)

Um dann schließlich zu dem aus meiner Sicht Schlüsselpunkt zu gelangen, der auch mich schon seit Jahren bewegt:

„Der Kern meiner Sorge liegt in Folgendem: Die Europäer haben durch die Kombination von Wissenschaft und Technik, Herrschaft des Gesetzes und Demokratie ein bestimmtes Zivilisationsmodell geschaffen, dessen Freiheit und Wohlstand sehr attraktiv sind. (Genau deshalb wollen ja Hunderte von Millionen Afrikanern und Arabern bzw. Asiaten des Nahen und Mittleren Ostens nach Europa. JFB) Dieses Modell funktioniert aber nur, wenn es von den Menschen auch gelebt und verinnerlicht wird.“ (Seite 12)

Die große Gefahr dabei:

„… ein sehr großer und wachsender Teil der Muslime … nehme zwar den westlichen Lebensstandard an, nicht aber die kulturellen Einstellungen, die diesen Lebensstandard erst ermöglich haben.“ (Seite 16)

Oder kurz: Man will sich an den Früchten eines Baumes laben, den man im Grunde fremd, wenn nicht gar ablehnend gegenübersteht und dessen Wurzeln man nicht kennt und sich für sie auch gar nicht interessiert, so man sie nicht gar verachtet. Und dies betrifft im übrigen nicht nur Muslime, sondern auch viele Einheimische. Fragen Sie einfach mal nicht nur Muslime, sondern auch fundamentale Christen nach der Evolutionstheorie. Diese Krankheit ist also schon lange bei uns zu finden und sie nimmt immer mehr zu, schon alleine bei den Indigenen, massiv verstärkt aber durch die, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon dazugekommen sind, durch die, die noch dazukommen und durch die, die irgendwann dazukommen wollen.

Die Rückkehr der Religion

Was wir allüberall erleben, ist nichts anderes als die Rückkehr der Religion. Ausrotten kann man diese nicht, solange es Menschen gibt, weil der Mensch von Natur aus ein religiöses Wesen ist, sprich ein Geschöpf, das in sich die Fähigkeit zu und das Bedürfnis nach Religion findet und dieses Bedürfnis befriedigt werden will.

Nur wenige schaffen es, dieses zu sublimieren, die meisten verlieren sich ohne in der Orientierungslosigkeit. Dieses Bedürfnis findet seinen Grund a) in der Fähigkeit, seine eigene Endlichkeit denken zu können, im Bewusstsein des eigenen Todes, also in der Vorstellungskraft, und b) in der Angst vor dem Übergang ins Nichts, die aus diesem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit entsteht. Beides, das Todesbewusstsein und die Todesangst, kann man aus dem Menschen schwerlich raus bekommen.

Ergo wird man die Religion vorerst nicht überwinden können. Sobald man eine Religion entlarvt, werden sich die Leute sofort eine andere suchen. Heute ist es Greta und das Klima, morgen wieder was anderes, oder sie kehren nach einer Weile zu der Entlarvten zurück, zum Beispiel zum Christentum oder zu noch Schlimmerem, denn die Vergesslichkeit ist eine der mächtigsten Eigenschaften des Menschen, zumal der vielen.

Das Einzige, was man also tun kann, ist, die Religion genau einzuhegen, ihr einen Platz zuzuweisen, wo sie sich bewegen darf, und einen Zaun darum zu bauen, sie also zu regulieren sowie immer und immer wieder aufzuklären über die Mechanismen der Verführung. Genau das wurde die letzten Jahrzehnte versäumt und das wird die so mühsam errungene zivilisierte Welt direkt in den Abgrund führen, denn nun kommt eine, die noch viel weniger gewillt ist, sich einhegen und über sich aufklären, sprich sich entlarven zu lassen.

Dabei wusste schon Jean-Jacques Rousseau (1712-1778):

„Wer aber zu sagen wagt, »außerhalb der Kirche (außerhalb meiner Religion, JFB) gibt es kein Heil«, muss aus dem Staat verjagt werden.“

Damit hatte Rousseau das Verhältnis von Staat und Religion klar und deutlich formuliert. Und damit war die moderne verfassungsrechtliche Domestizierung der Religion auf den Weg gebracht, wie sie im 20. Jahrhundert in fast allen Staaten des westlichen Kulturkreises in Geltung war. Eine der größten Errungenschaften der Aufklärung, die wir nun rückabwickeln.

Keine Religion

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Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

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