Mein Gott, ist das kompliziert und wirr mit diesem einen Gott

Von Jürgen Fritz, Do. 04. Apr 2019

Der Gott der Juden hat keinen Sohn. Der Gott der Araber auch nicht. Der Gott der Christen hat einen. Dieser soll zugleich irgendwie zu ihm dazugehören. Der Sohn soll göttlich und zugleich eine eigenständige Person sein, irgendwie aber doch nicht, weil es ja nur einen Gott geben darf. Da ist sich der Christ mit dem Juden und dem „gläubigen“ Araber zumindest im Grundsatz einig. In vielen anderen Punkten sind sich die drei aber völlig uneins. Von dem einen Gott wird dies behauptet, von dem anderen das und von dem dritten wieder etwas anderes. Zugleich behaupten alle drei, es gebe nur einen. Wie passt das alles zusammen? Oder passt es gerade nicht zusammen? Gehen wir den Dingen doch mal auf den Grund.

Alles ziemlich wirr und voller Widersprüche

Der Gott der Christen hat also einen Sohn, außerdem noch einen „heiligen Geist“, der auch irgendwie zu ihm dazugehören soll, aber doch etwas Drittes darstellt. Das verstoße aber nicht gegen das erste Gebot des Monotheismus, das erste Gebot, dass der eine und einzige Gott Moses übergeben hat, dass man keine anderen Götter haben dürfe, außer ihm. Die Juden aber sagen, das verstoße sehr wohl gegen das erste Gebot. Die Mohammedaner sagen das ebenso.

Dieses Gebot, dass man keine anderen Götter haben dürfe, hat der Gott der Juden erlassen, dies aber zunächst nur für die Juden, die er zu seinem auserwählten Volk machte und die inzwischen nur noch zwei Promille der Weltbevölkerung ausmachen. Dass die Juden die einzig Auserwählten des einzigen Gottes sein sollen, gefällt den Christen und den „gläubigen“ Arabern, die sich „Muslime“ oder „Moslems“ nennen, nicht so richtig. Eigentlich müsste man sie erkenntnistheoretisch vielleicht eher Mohammedaner nennen, weil sie dem, also dem Mohammed, alles glaubten, was er sagte.

Dass die Juden das von dem einzigen Gott auserwählte Volk sind, dürfte auch der tiefere Grund des mächtigen Ressentiments der Christen und der Mohammedaner gegen die Juden sein. Einen heiligen Geist gibt es nicht, da sind sich die Juden und die „gläubigen“ Araber wieder einig und widersprechen auch hier den Christen. Die Christen hätten den Glauben an den einen Gott irgendwie verwässert, was ohne Zweifel stimmt. Der Gott der Juden hatte anfangs nichts von Söhnen und heiligen Geistern gesagt. Das ist eine viel spätere Erfindung der Christen.

Den einen und einzigen Gott, der allmächtig und gut ist und der einen Bund mit Abraham, dem Stammvater Israels, geschlossen hat, haben dagegen die Juden erfunden. Diese Erfindung gefiel den Christen und Mohammed ausgesprochen gut. Daher haben sie sie übernommen. Abraham sei auch der Stammvater der Araber meinen die Mohammed-Anhänger. Mohammed hat überhaupt viel von den Juden und den Christen übernommen, aber einiges neu dazugedichtet, natürlich auf Arabisch versteht sich. Das sei die Lieblingssprache des Gottes der Araber.

Mohammed, sei es die historische Person oder die literarische Figur, hielt sich für einen großen Propheten. Die Juden und Christen sind hier eher skeptisch, ob der eine und einzige Gott, der den Deal mit Abraham machte, wirklich zu Mohammed gesprochen hat. Wer solche Zweifel äußert, begeht für Mohammedaner wiederum „Blasphemie“ („Gotteslästerung“). Und wer „Blasphemie“ gegen den Gott der Araber dort begeht, wo diese die Mehrheit oder auch nur eine nicht unbedeutende Minderheit stellen, dem ergeht es öfters nicht so gut. Deswegen sind die meisten lieber ruhig.

Insgesamt wirkt der Gott der Araber geistig-moralisch eher etwas simpel gestrickt. Dies mag damit zusammenhängen, dass der, der als erster von ihm berichtete, auch eher etwas simpel gestrickt war. Die „gläubigen“ Araber meinen, er sei Analphabet gewesen. Auf jeden Fall war er ziemlich raffiniert. Denn er behauptete, er sei der letzte Prophet. Nach ihm werde der eine und einzige Gott nie wieder zu jemand so sprechen wie zu ihm. Damit versiegelte er quasi seine Lehre für alle Zeit. Das war wohl ziemlich dreist, aber auch sehr clever. Denn so konnte er das von ihm Behauptete quasi für alle Zeit konservieren.

Zudem hat es den Vorteil, dass die Leute was Festes an der Hand haben, an das sie sich halten können und das nicht dem Wandel der Zeit unterworfen ist. Das haben die Leute sehr gerne, etwas Festes an der Hand. Und wenn dieses Feste zudem auch noch sehr simpel ist, so dass es auch der etwas einfacher Gestrickte direkt verstehen kann, ohne dass er lange studieren muss, erhöht das die Verbreitungsrate ungemein.

Diese Einfachheit der Lehre, man könnte auch sagen, das niedrige geistig-moralische Niveau spiegelt sich auch heute bei den Anhängern des Mohammed wieder, wenn man ihren schulischen und wissenschaftlichen Leistungen betrachtet. Und dies spiegelt sich auch in ihrem wirtschaftlichen Erfolg und dem Lebensstandard wider, in den Ländern, in denen die Mohammed-Anhänger die Mehrheit stellen und auch bei den Migranten, die in viel höher entwickelt Länder auswandern.

Die Juden dagegen fallen in all diesen Punkten als ausgesprochen erfolgreich auf. Sie überflügeln alle anderen, sogar die Atheisten. So nennen die Gottgläubigen diejenigen, die an solche Wesen nicht glauben. Die Juden sind also heute ausgesprochen schlau und überaus erfolgreich – in der Wirtschaft, in der Bildung, in der Wissenschaft, auch technologisch und militärisch. Ein paar Millionen Juden in Israel werden locker mit mehreren hundert Millionen Arabern und Mohammed-Anhängern fertig. Wenn sie wollten, könnten sie die gesamte arabische Welt auslöschen. Aber das machen sie natürlich nicht, denn ihr Gott hat im fünften Gebot zu Moses, das ist auch so ein Prophet, gesagt: „Du sollst nicht morden.“

Das verstehen die Juden und die Christen meist so, dass man gar keine Menschen morden soll, beziehen das also nicht nur auf Juden und Christen. Die Mohammedaner dagegen meinen, sie müssten andere manchmal sogar morden, das sei eine heilige Pflicht, um die Ausbreitung der Mohammed-Lehre zu gewährleisten und sie in mohammedanischen Gesellschaften zu stabilisieren.

Manchmal morden Juden und Christen freilich auch wegen ihres „Glaubens“, wobei sich die Pflicht hierzu nicht so gut aus ihren „heiligen Büchern“ ableiten lässt. Bei den Christen ist das vielleicht am schwierigsten möglich, weil die sich vor allem auf Jesus beziehen, von dem sie behaupten, er wäre der Sohn Gottes, obwohl, wie die kritisch-historische Forschung zeigen konnte, dieser das selbst niemals gesagt hat. Dies ist also nicht seine eigene Erfindung, sondern die von späteren, als er selbst schon tot war. Ein Herr Paulus dürfte hier eine entscheidende Rolle gespielt haben, der wohl der eigentliche Gründer des Christentums ist, während Jesus, auf den sich die Christen berufen, ein Jude war und nie etwas anderes sein wollte.

Außerdem war er extrem friedlich, was wohl der Situation der Juden seiner Zeit geschuldet war. Sie hatten nämlich auf ganzer Linie militärisch und politisch verloren und hatten nach Jahrhunderten der Niederlage sich mit dieser Situation abgefunden. Die Lehre, die er dann erfand, war eine solche für Verlierer. Für Gewinner interessierte er sich nicht, da er selbst ja, wie alle seine Verwandten und Bekannten, zu den machtlosen Verlierern gehörten.

Daher wendete er sich, anders als zum Beispiel Mohammed, der zuerst auch ein Verlierer, dann aber nach seiner Migration von Mekka nach Medina ein Gewinner war, ganz der Innerlichkeit zu. Die Sorge um die Seele steht bei Jesus, dem Verliererpropheten und Weltmeister im Sich-umbringen-Lassen, ganz im Vordergrund. Zum Gelingen einer Gesellschaft hatte seine Lehre im Grunde nichts beizutragen, dafür sehr viel zum inneren Frieden. Das mögen viele. Jesus machte also aus der Not des ewigen Verlierers eine Tugend. Auch das war raffiniert.

Raffiniert sind Religionsgründer und Gurus eigentlich immer. Sie wissen, wie man die Leute lenken und steuern, begeistern und manipulieren, wie man ihnen Furcht einflößen und sie in seinen Bann ziehen kann. Paulus war natürlich auch raffiniert. Er und andere merkten mit den Jahren und Jahrzehnten, dass das Reich Gottes auf Erden, dessen unmittelbares Bevorstehen Jesus gelehrt hatte, gar nicht kam. Also formten er und andere die Lehre entsprechend um, so dass man irgendwie auch mit ihr leben und nicht nur mit ihr sterben konnte. Man gründete eine Kirche, später, ab dem 4. Jahrhundert, verbündete man sich dann sogar mit der weltlichen Macht, entfernte sich immer mehr von der Jesus-Lehre, die für das Sterben und das Jenseits gemacht war, wurde zugleich aber immer tüchtiger für das Leben, tüchtiger aber auch korrupter.

Das erklärt zugleich, dass dies alles Katholiken und Protestanten, das sind zwei von mehreren christlichen Untergruppen, obwohl doch Jesus, auf den alle Christen sich berufen, so friedlich war, quasi in Hyper-Pazifist, nicht davon abhielt, sich massenweise gegenseitig zu massakrieren. Sie waren ja jetzt für das Leben tauglich geworden und hatten Geschmack an der Macht gefunden. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts tobte in halb Europa, vor allem in Deutschland, sogar dreißig Jahre lang ein unfassbar einschneidender Krieg, der unter anderem sehr stark religiös motiviert war. Es ging nicht nur, aber auch um die religiöse Vorherrschaft in Europa. Nach dreißig Jahren des gegenseitigen Abschlachtens und Verwüstens, nicht wenige wurden in diesem Krieg geboren und starben zugleich in ihm, erlebten also niemals etwas anderes, kam man dann zu der Einsicht, dass solch ein Unterfangen doch nicht so gut sei. Ab jetzt, nach dieser schrecklichen Erfahrung, die sich ins kollektive Gedächtnis ganz Europas tief einbrannte, wurden die Christen religiös tolerant.

Das heißt aber natürlich, dass auch die Christen sich untereinander wieder nicht einig sind, was ihr Gott – der Vater von Jesus, obwohl der nie sagte, er sei dessen Sohn – eigentlich genau will. Diese Uneinigkeit, die sich in sich widersprechenden Behauptungen äußert, geht übrigens zurück bis zu den Urchristen, bis ins erste Jahrhundert. Schon Jakobus, der Bruder Jesu, Petrus und Paulus, die Juden- und die Heidenchristen haben sich von Anfang heftig gegenseitig bekämpft und Unterschiedliches behauptet. Die Mohammedaner sind sich untereinander auch nicht einig. Hier bekämpfen sich vor allem Sunniten und Schiiten, aber auch noch andere Mohammedaner-Untergruppen.

Der Gott der Mohammedaner – und zwar aller Untergruppen – hat wiederum ein Buch neben sich im Himmel liegen, das auf Arabisch verfasst ist, ein heiliges Buch namens „Koran“. In dem Punkt sind sich alle Moslems einig, während die Juden und Christen das wiederum nicht glauben. Die Mohammedaner meinen, sie stünden über allen anderen und ihnen käme es zu, über die ganze Erde zu herrschen – im Namen Allahs natürlich, so nennen sie ihren Gott, der ja bevorzugt Arabisch spricht oder schreibt.

Daher sollte man Allah übrigens niemals mit „Gott“ übersetzen. Ein Fehler, den Philologen und Theologen, die philosophisch weniger geschult sind, regelmäßig machen. Allah ist Allah und nicht „Gott“. Bei Gott denken die Christen an ihren Gott und der ist, wie bereits angedeutet und worauf ich gleich noch zurückkommen werde, ein anderer als der Gott der Araber. Deshalb kann man das nicht einfach so übersetzen mit „Gott“, nicht wenn man über etwas philosophische Bildung verfügt.

Sie merken schon nach diesen wenigen Worten – und man könnte das noch lange weiter ausführen, die einen meinen, es gäbt eine Erbsünde, die anderen kennen dieses Konstrukt gar nicht oder verneinen es usw. usf. – das Ganze ist ziemlich wirr mit diesem einen und einzigen Gott, dem Kumpel vom Abraham.

Drei unterschiedliche nicht-existente Götter

Und es lässt sich übrigens relativ leicht zeigen, dass es diesen Gott Abrahams, mithin den Gott der Juden, den Vater von Jesus und den Gott der Araber gar nicht gibt. Dass es gar keine Götter oder Engel oder Teufel oder sonstige metaphysischen Wesen gibt, kann man nicht beweisen. Wie sollte man das machen, wenn diese nicht näher durch bestimmte, sich widersprechende Eigenschaften bestimmt sind? Man müsste ja quasi alles absuchen und zeigen: Hier ist keiner und hier ist keiner und da auch nicht. Aber dazu müsste man ja wissen, was alles ist, um alles absuchen zu können. Sie merken, das geht nicht.

Man kann aber zeigen, dass bestimmte Eigenschaften, die für diesen einen und einzigen Gott behauptet werden, gar nicht möglich sind (zum Beispiel alles geschaffen haben, auch die Zeit, und allmächtig zu sein) oder sich gegenseitig widersprechen (Allmacht und Güte und all die Übel der Welt). Das heißt, man kann recht leicht beweisen, dass es weder den einen noch den anderen und auch nicht den dritten abrahamitischen Gott gibt. Jedenfalls nicht so wie behauptet. Und etwas anderes als die Behauptungen haben wir ja nicht. Ich möchte aber auf etwas anderes hinaus, nämlich dass es drei unterschiedliche nicht-existente Götter sind. Auch das lässt sich beweisen.

Wenn also jemand den Nichtexistenz-Beweis nicht glaubt, ihn nicht schlüssig findet oder nicht nachvollziehen kann, so soll ihm doch zumindest klar werden, dass es drei unterschiedliche Götter sind, von denen jeweils behauptet wird, sie seien der einzige Gott. Das heißt, die Juden behaupten, den Christen- und den Araber-Gott gibt es so gar nicht. Die Christen behaupten wiederum, den Juden- und den Araber-Gott gibt es so nicht, und die Mohammedaner behaupten, den Juden- und den Christen-Gott gibt es so  nicht. Es gibt ja immer nur ihren.

Mohammed, sei es die historische Person oder die literarisch konstruierte Figur, behauptete ja sogar explizit, dass er gekommen sei, die Verfälschungen der Juden und Christen zu korrigieren und dass alle an ihn und seinen Gott glauben müssten. Deswegen darf es ja auch mit Gewalt erzwungen oder die „Ungläubigen“ erniedrigt und beherrscht werden, weil sie sich gar nicht oder nicht dem richtigen Gott, nämlich Allah unterwerfen. Und einen anderen gibt es nicht, so die Behauptung der Mohammedaner.

Nun also zu unserem Beweis, dass es drei verschiedene Götter sind: a) Jahwe, b) der Vater von Jesus und c) Allah. Dazu müssen wir zunächst verstehen, wie Begriffe gebildet werden. Wie lernen wir normalerweise, was ein Baum oder ein Hund oder ein Haus ist? Indem wir mit dem Finger drauf zeigen und sagen: „Das ist ein Baum“, „Das ist ein Hund“, „Das ist ein Haus“.  Wir haben also etwas in der Realität vor uns, etwas was wirklich existiert und was für uns direkt wahrnehmbar ist.

Diese realen Dinge weisen oft Ähnlichkeiten auf. Jeder Baum ist ja etwas anders als alle anderen, aber zwei Bäume sind sich ähnlicher als ein Baum und ein Haus. Das heißt, sie weisen mehr gemeinsame Eigenschaften auf. Daher können wir sie zu Gruppen zusammenfassen mit Gegenständen oder Elementen, die gemeinsame Eigenschaften haben, die sich also ähnlich sind, und diesen Gruppen geben wir dann Namen. So ordnen wir quasi die Welt in unserem Geist und diese Ordnung hat offensichtlich auch etwas mit der Wirklichkeit selbst zu tun. Das ist nicht vollkommen willkürlich, dass wir Buchen und Eichen als Bäume bezeichnen, Autos, sei es ein BMW oder ein Audi, aber nicht.

Darüber hinaus gibt es aber auch Einzeldinge, die einen eigenen Namen bekommen, zum Beispiel Menschen oder Berge, Flüsse, Länder. Peter Sloterdijk, die Zugspitze, den Mount Everest, den Rhein oder den Nil gibt es wirklich und diese sind wahrnehmbar. Und es gibt nur einen Peter Sloterdijk, eine Zugspitze, einen Nil etc. Auch hier kann man mit dem Finger drauf zeigen und sagen: „Das ist der Rhein“. Damit kann man einem anderen klar machen, was durch das Wort „Rhein“ bezeichnet wird. Wie ist das nun aber bei Göttern oder anderen metaphysischen Wesen?

Hier ist es offenbar nicht möglich, mit dem Finger drauf zu zeigen. Weshalb nicht? Na weil sie nicht direkt wahrnehmbar sind. Metaphysisch bedeutet ja gerade über das Physische hinausgehend oder dahinter liegend. Genau das können wir aber nicht wahrnehmen. Letztlich ist es und bleibt immer etwas Spekulatives. Das heißt nicht, dass es das nicht geben könnte. Das kann es durchaus, aber wir können es erstens mit all unseren Sinnen nicht direkt wahrnehmen und daher zweitens auch nicht wissen, dass es dieses wirklich gibt, denn logisch zwingend herleitbar ist es auch nicht. Alle sogenannten Gottesbeweise zum Beispiel sind, egal wie kunstvoll sie konstruiert waren, letztlich kläglich gescheitert. Jetzt aber der eigentliche Knackpunkt des Ganzen. Woher sollen wir dann überhaupt wissen, was mit einem Wort gemeint ist, das sich auf etwas nicht Wahrnehmbares bezieht?

Stellen Sie sich vor, ich würde behaupten, es gibt genau vier Ochlexe. Diese seien aber nicht wahrnehmbar. Sie würden wahrscheinlich sofort fragen: „Was ist ein Ochlex?“ Nun muss ich ja irgendetwas sagen, sonst denken Sie „Der redet wirres Zeug“.  Wenn Ochlexe aber nicht wahrnehmbar sind, kann ich ja nicht mit dem Finger drauf zeigen und sagen „Das ist ein Ochlex“. Wie soll ich Ihnen dann aber erklären, was das ist? Nun ganz einfach, indem ich Ihnen die essentiellen Eigenschaften eines Ochlex beschreibe. Essentiell heißen die Eigenschaften, die das Wesens eines Dings, einer Entität ausmachen, etwa bei einem Auto, dass man sich reinsetzen und damit fahren kann, wenn es nicht gerade kaputt und wenn es betankt ist.

Ein Ochlex, welches wir ja nicht wahrnehmen können, wird also offensichtlich bestimmt durch seine Eigenschaften, die ich ihm zuordne. Angenommen ich sage, ein Ochlex hat fünf essentielle Eigenschaften, die ich dann aufzähle, dann wissen Sie, was mit diesem Wort bezeichnet wird, nämlich jedes Ding, das genau diese fünf Eigenschaften hat. Es kann noch mehr Eigenschaften haben als diese fünf, zum Beispiel eine bestimmte Farbe oder Größe haben, und trotzdem ein Ochlex sein, aber wenn auch nur eine dieser fünf essentiellen Eigenschaften fehlt, dann ist es kein Ochlex. Das hat übrigens nichts mit „sich ein Bild von einem Ochlex machen“ zu tun. Wie Sie sich ein Ochlex ausmalen oder wie ich es mir ausmale, wie groß, welche Farbe etc. spielt für das Vorhandensein der essentiellen Eigenschaften keine Rolle.

Übertragen wir das nun auf den Juden-, den Christen- und den Arabergott. Der Christengott hat einen Sohn (und auch noch einen heiligen Geist), der Juden- und der Arabergott haben das nicht. Und offensichtlich ist das keine kontingente, hinzukommende, zufällige, sondern eine wesentliche, eine essentielle Eigenschaft des Christengottes. Genau das macht ja das Christentum elementar aus: dass dieser Gott seinen Sohn auf die Erde schickte, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien. Diese Eigenschaft, einen Sohn haben, der zu diesem Zweck auf die Erde geschickt wurde als „Menschensohn“, kann man nicht wegnehmen, ohne dass man der Lehre des Christentums quasi das Herz herausreißt. Genau diesen Sohn bestreiten aber Juden und Araber.

Umgekehrt bestreiten Juden und Christen, dass Mohammed der letzte Prophet des einen und einzigen Gottes ist, der gekommen ist, um ihre Verfälschungen zu korrigieren. Aber auch das ist für die mohammedansiche Lehre essentiell. Daraus folgt unwiderleglich, dass es sich um drei verschiedene Götter handelt, denn sie haben unterschiedliche essentielle Eigenschaften. Wie sie aussehen, spielt keine Rolle. Es geht um ihre Eigenschaften, die ihr Wesen ausmachen. Die sind jeweils unterschiedlich.

Nun behauptet aber jede der drei Lehren, dass es nur einen Gott gäbe. Das heißt, die Juden behaupten, den Christen- und den Araber-Gott gibt es gar nicht, weil diese ja andere Eigenschaften hätten als der Gott der Juden. Und die Christen behaupten, den Juden- und den Araber-Gott gibt es nicht, während die Araber behaupten, den Juden- und den Christengott gebe es nicht. Nun haben natürlich alle drei Recht in ihrer Negation der zwei anderen Götter, aber Unrecht in der Behauptung, ihren so konstruierten Gott mit just den von ihnen postulierten Eigenschaften gäbe es wirklich. Das kann man wie gesagt zeigen. Aber lassen wir das für den Moment mal außen vor und tun so, als wüssten wir davon nichts. So können wir doch aus dieser Perspektive des Noch-nicht-Kennens dieses Beweises auf jeden Fall sagen: Die drei Lehren widersprechen sich fundamental.

Selbst wenn wir es noch nicht besser wüssten, dass dies alles Unsinn ist, könnten wir doch schon jetzt sagen: Es kann ja maximal eine der drei Lehren stimmen. In Wahrheit stimmt natürlich keine der drei, aber lassen wir das im Moment mal noch offen und stellen uns an der Stelle unwissend. Dann können wir schon jetzt auf Grund all der oben angedeuteten Widersprüche definitiv sagen: Mindestens zwei der frei Lehren müssen falsch sein.

Nähmen wir noch andere Religionen hinzu, zum Beispiel den Hinduismus mit seinem Vielgötterglauben und den Buddhismus mit seiner Nirwana-Lehre, dann würden wir schnell feststellen, dass auch diese nicht mit den Vorstellungen der drei abrahamitischen Monotheismen kompatibel sind. Natürlich kann es sein, dass es in jeder Religion auch einige richtige, einige wahre Vorstellungen und Behauptungen gibt, die miteinander vereinbar sind, aber die Lehren insgesamt, wenn man sie komplett nimmt und nicht nur Bruchstücke von ihnen, widersprechen sich in zigfacher Weise. Entweder es gibt gar keine Götter oder genau einen oder mehrere. Wenn es genau einen gibt, dann hat er entweder ein Buch, eine heilige Schrift neben sich liegen, die in arabischer Sprache verfasst ist oder nicht. Dann hat er entweder einen Sohn oder nicht. Dann sind die Juden entweder sein auserwähltes Volk oder nicht usw. usf.

Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass der Juden-, der Christen- und der Araber-Gott drei verschiedene Götter sind, weil sie verschiedene essentielle Eigenschaften aufweisen. Sie haben zwar Gemeinsamkeiten, wie die Schöpfereigenschaft, die Allmacht etc., aber auch Unterschiede schon in ihrem Wesen, in ihrer Essenz. Somit sind es drei verschiedene Begriffe, die sich auf nichts beziehen, worauf man mit dem Finger zeigen könnte.

Letztlich sind es Begriffe ohne ein Referenzobjekt in der Realität, das heißt Worte, die nichts Wirkliches, sondern nur Vorstellungen bezeichnen. Diese Vorstellungen sind aber in wesentlichen Punkten unterschiedlich. Genau deshalb bekämpfen sich Religionen auch seit Jahrtausenden, weil natürlich jede ihre Vorstellungen zumindest für ihre Anhänger beibehalten möchte.

Dabei geben sich aber Christentum und die Mohammed-Lehre im Gegensatz um Judentum oder auch dem Hinduismus und Buddhismus nicht damit zufrieden unter den ihren zu bleiben, sondern dürsten nach Ausbreitung, das aber doch mit unterschiedlichen Methoden. Während das Christentum, ursprünglich von Jesus als total gewaltlose Verlierer-Lehre konzipiert, also schon von seiner Basis eher friedlich ausgelegt ist, ist die Mohammed-Lehre quasi effektiver, was die Ausbreitung anbelangt, da sie hemmungsloser, brutaler, rigoroser ist und alle Mittel einsetzen darf. Der Araber-Gott ist quasi stärker als alle anderen Götter, wohlgemerkt als mentales Konstrukt, nicht als Ding in der Wirklichkeit.

Und inzwischen sind die Christen nicht nur von ihrer Basis von Jesus her, sondern auch vom tatsächlichen Verhalten her weitgehend friedlich geworden, nachdem sie weitgehend gezähmt wurden. Dies war in den letzten Jahrhunderten insofern möglich, da man sie nur mit der Nase auf das Neue Testament stoßen musste, den zweiten Teil ihrer „heiligen Schrift“, welches eine gewaltsame Ausbreitung irgendwie nicht so richtig hergab, während sich das bei der „heiligen Schrift“ der Mohammedaner etwas anders darstellt.

Gegen Sklaverei hatten alle drei nichts

Übrigens, dies noch als Schlussbemerkung, sagte keiner dieser drei Götter etwas gegen Sklaverei, dass man Menschen nicht zu einer Ware machen, nicht mit ihnen handeln und sie nicht wie eine Sache behandeln, sie nicht verdinglichen soll. In den Zehn Geboten findet sich dazu kein Wort. Man soll zwar nicht stehlen, also niemand sein Eigentum wegnehmen – der Gott der Juden befürwortet also Privateigentum, mithin Kapitalismus -, aber Menschen zu Eigentum zu machen, verbietet weder der Gott der Juden noch der der Christen. Auch Jesus sagte dazu kein Wort und schon gar nicht der Gott der Araber. In dem Punkt, dass man Sklaverei nicht ächten und verdammen muss, waren also alle drei wieder einig.

Mohammed machte sogar selbst viele Gefangene und versklavte sie, behielt manche für sich, insbesondere auch Frauen, die er zusätzlich zu seinen ca. acht bis zwölf, vielleicht auch mehr Ehefrauen als Konkubinen hielt, andere verkaufte er und machte damit Geschäfte. Ob die drei Götter aus dem Morgenland, die drei Götter aus der Wüste des Nahen Ostens noch nicht wussten, was Menschenwürde bedeutet?

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Titelbild: YouTube-Screenshot aus Krieg der Götter

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