Der Bruch mit der Zivilisation durch die Linken

Von Michael Klonovsky, So. 26. Mai 2019

Der Begriff „Zivilisationsbruch“ ist im öffentlichen Gebrauch gemeinhin auf die Shoa beschränkt. Es gibt aber auch andere, unscheinbare Zivilisationsbrüche, gewissermaßen Haarrisse im zivilisatorischen Gefüge. Ein solcher geht nunmehr von einem Ort aus, der bislang als exemplarisch für den freien westlichen Geist galt: von der Harvard Universität. Michael Klonovsky berichtet und macht deutlich: Nicht nur Deutschland schafft sich ab, der gesamte Westen geht baden. Die großartigste Kultur aller Zeiten erdrosselt sich gerade selbst.

Harvard-Universitätsführung knickt vor den Forderungen des präakademischen Mobs ein

Welt online meldet:

„Am Morgen des 25. Februar 2019 fand die Universitätspolizei von Harvard an den Wänden des Winthrop House mehrere Graffities. Die Parolen richteten sich gegen den Dean des Wohnheims, Ronald S. Sullivan, Professor für Strafrecht an der Harvard Law School. ‚Nieder mit Sullivan‘, stand auf einer Eingangstür, an anderer Stelle fanden sich die Sprüche ‚Unser Zorn ist Selbstverteidigung‘ und ‚Dein Schweigen ist Gewalt‘, schließlich die Frage: ‚Auf welcher Seite stehst du?'“

Der Harvard-Strafrechtler, übrigens der erste schwarze Dekan der Universität, hat als Anwalt die Verteidigung von Harvey Weinstein (die ideale Verkörperung des großen Feindbildes der Neuen Linken: der böse, alte weiße Mann, JFB) übernommen. Die Studenten, die gegen ihn protestieren und seine Absetzung verlangen, sind künftige Juristen.

„Der erfahrene Strafverteidiger Ronald Sullivan hat den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und den wegen Doppelmord angeklagten Football-Star Aaron Hernandez, aber auch die Familie von Michael Brown verteidigt, jenem Einwohner von Ferguson, dessen Tod durch Polizeischüsse die Black-Lives-Matter-Bewegung ausgelöst hatte. Die Reihe zeigt in ihrer Bandbreite, was das Wesen des Anwaltsberufs ist: Er ist die fleischgewordene Unschuldsvermutung, die vor der Feststellung der Schuld für jeden Menschen gilt, ob er nun Mitleid oder Abscheu auslöst, ganz oben oder ganz unten steht“,

schreibt die Welt. Sind die Forderungen der Studenten schon skandalös genug – im Grunde müsste man diese amoralischen Wegelagerer wegen grotesker Nichteignung für den von ihnen angestrebten Beruf, zumindest außerhalb von Diktaturen, kurzerhand der Uni verweisen –, besteht der eigentliche Skandal darin, dass die Universitätsführung vor den Forderungen des präakademischen Mobs einknickte und Sullivan als Dekan absetzte. Begründung: Er sei nunmehr „unhaltbar“.

In einer der angesehensten Bildungsstätten der Welt wird dem Rechtsstaat der Krieg erklärt, von jungen Menschen, die ihn künftig repräsentieren sollen

Zwei Säulen des abendländischen Rechtsverständnisses sind hier nicht nur mit Gesinnungsdreck beschmiert, sondern beschädigt worden: die Unschuldsvermutung (in dubio pro reo) und das damit eng zusammenhängende Recht eines jeden Delinquenten auf anwaltlichen Beistand. Der Teufel, der Mörder, ja auch der Massenmörder haben das Recht auf einen Anwalt, und jener hat wiederum das Recht, sein Amt auszuüben, ohne mit Tat und Täter identifiziert zu werden.

Wer den Anwalt einzuschüchtern und mit dem Delinquenten in Sippenhaft zu nehmen versucht, kehrt auf das vorzivilisatorische Niveau von Hetzmeute und Lynchmob zurück. Daneben ist die causa Strache ein Vogelschiss. In einer der angesehensten Bildungsstätten der Welt wird dem Rechtsstaat der Krieg erklärt, von jungen Menschen, die ihn künftig repräsentieren sollen. Und sie bekommen recht! Wofür, wenn nicht für diesen Vorgang, ist der Begriff Skandal angebracht?

„Wie linksversifft ist eigentlich Harvard?“, fragt, in der Wortwahl geradezu weizsäckerhaft zurückhaltend, dieser Blogger und zitiert drei lesenswerte Kommentare zu der Meldung:

»Vorverurteilt vor jedem Prozess ist also nicht nur Harvey Weinstein, sondern sogar sein Strafverteidiger, nur weil er ihn vertritt. Und zwar genau durch jene „Studierenden“, die zu Juristen ausgebildet werden sollen. Und die Universität beugt sich diesem Vor-Urteil und schmeißt den Betreffenden raus. Und dabei handelt es sich nicht um irgendeine Feldwaldwiesen-Uni in Minnesota oder North-Dakota, all das geschieht in Harvard, einer „Ivy League“ Institution. Kann ein System noch deutlicher entgleisen?«

Die großartigste Kultur aller Zeiten erdrosselt sich gerade selbst

Kommentar Nummer zwei:

»Das ist ein unglaublicher Skandal. Das Mittelalter kommt zurück, auch damals hatte die Kirche die Moral gepachtet und „Hexen“ waren schuldig ohne Prozess. Was ist das nur für eine Generation? Das sind doch intelligente Leute! Gegenüber solchen Leuten kann man doch nur Hass empfinden. Was geht in denen vor? Ich glaube es zu wissen: es ist die Arroganz der Jugend, die ihre Macht erprobt. Sie denken, ihnen gehört die Welt. Und sie definieren alle Standards neu, glauben es wäre Fortschritt, aber es ist Rückschritt. Es ist wohl dieselbe Macht, die die Roten Garden in China fühlten, als sie Hunderttausende in den Tod schickten. Ich ekele mich und mir graust vor diesen Leuten. Hier kann man sehen, welche zerstörerischen Kräfte Ideologie entwickeln kann. Sie schaltet die Intelligenz auf null – dabei kommen sich die Betroffenen besonders intelligent vor.«

Kommentar Nummer drei:

»Es ist Wahnsinn, was die Linke in den USA anrichtet. Das ist ein echter Angriff auf den Rechtsstaat, den man sich hier erlaubt. Es ist eben weder ein Zufall noch ein Wunder, dass Donald Trump die Wahl gewonnen hat, die Demokraten haben sich völlig in ihrer Identitätspolitik verlaufen und pervertieren geradezu ursprünglich verständliche oder gute Ideen.«

Und der Blogger resümiert:

„Nicht nur Deutschland schafft sich ab, der gesamte Westen geht baden. Die großartigste Kultur aller Zeiten erdrosselt sich gerade selbst…“.

So sieht es aus.

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Dieser Text (ohne die drei Kommentare) erschienen zuerst auf dem Blog von Michael Klonovsky, Acta diurna. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des geschätzten Autors und Blogbetreibers.

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Zum Autor: Michael Klonovsky, 1962 im Erzgebirge geboren, ist Romanautor und Publizist. Aufgewachsen in Ostberlin. Maurerlehre. Abitur. Seit 1990 Journalist. “Wächterpreis der Tagespresse” für die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz und den Staatssicherheitsdienst“. 1992: Wechsel zum Focus, zunächst als Redakteur, später als Chef vom Dienst bzw. Textchef, Leiter des Debattenressorts, sodann als Autor. Am 31. Mai 2016 endete die Ehe mit Focus, die Partner hatten sich auseinandergelebt. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, von Juni bis November 2017 Sprecher der von Jörg Meuthen geführten Landtagsfraktion der AfD Baden-Württemberg. Michael Klonovsky ist Autor mehrerer Bücher.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Ronald Sullivan

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