30 Prozent der AfD-Wähler wünschen sich die DDR zurück

Von Jürgen Fritz, Mo. 04. Nov 2019, Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

Bei den drei Landtagswahlen im September und Oktober im Osten des Landes schnitt die AfD von allen Parteien insgesamt am besten ab, erzielte, wenn man alles zusammenrechnet, 25,4 Prozent der Stimmen. Mehr als jeder Vierte wählte also die AfD. Nun machen aber alle fünf neuen Bundesländer, also inklusive Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, gerade einmal 15 Prozent der Bevölkerung Deutschlands aus. 85 Prozent leben mithin im Westen. Interessanter ist daher die Betrachtung, wie die Parteien derzeit bundesweit dastehen. Und interessant ist auch, was viele AfD-Wähler eigentlich wollen respektive sich zurückwünschen.

AfD: Im Osten immens stark, dieser macht aber kaum mehr als ein Siebtel Deutschlands aus (15 Prozent)

Mehr als 25 Prozent der Sachsen, Brandenburger, Thüringer wählten diesen Herbst die AfD. Das ist viel, sehr viel sogar für eine Partei, die es vor sieben Jahren noch gar nicht gab. Denn in den drei Bundesländern zusammen hat sie inzwischen mehr Rückhalt als die CDU, fast doppelt so viel wie die SPD und mehr als dreimal so viel wie Die Grünen.

Gewählt haben aber in den drei Bundesländern zusammen de facto nur knapp 4,54 Millionen Bürger. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 (47 Millionen) sind das nicht einmal 9,7 Prozent. Und selbst wenn man Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hinzurechnet, dann beträgt, wie eingangs erwähnt, die Gesamtbevölkerung der fünf neuen Bundesländer mit ca. 12,55 Millionen nur etwa 15 Prozent der gesamten Bevölkerung Deutschlands. 12,55 Millionen das ist weniger als Bayern alleine (ca. 13,1 Millionen) und deutlich weniger als NRW (knapp 18 Millionen) hat.

In NRW, dem mit Abstand bevölkerungsreichsten und damit wichtigsten Bundesland in Bezug auf Wahlen, das etwa 43 Prozent mehr Einwohner hat als die fünf neuen Bundesländer zusammen, kommt die AfD aktuell aber nicht auf über 25, sondern nur auf ca. 7 Prozent. In Bayern, dem zweitgrößten Bundesland, bezogen auf die Bevölkerung, ist sie nicht sehr viel stärker mit aktuell 10 Prozent. In Baden-Württemberg steht sie bei 13 und in Niedersachsen bei 8 Prozent. In den vier größten Bundesländern liegt die AfD insgesamt bei ca. 9 bis 10 Prozent. Mehr nicht.

So würden die Deutschen derzeit in etwa wählen

Aber betrachten wir ganz Deutschland. Wie würden die Bürger derzeit bei Bundestagswahlen votieren? Wahl-O-Matrix hat dazu wie immer von jedem Institut, das bezogen auf den mittleren Tag der Befragung in den letzten drei Wochen eine Umfrage durchführte und veröffentlichte (Infratest dimap, Forschungsgruppe Wahlen, INSA, Emnid, Forsa), diese zusammengefasst und jeweils das arithmetische Mittel gebildet. Hier das Ergebnis:

  1. CDU/CSU: 25,5 – 29 % ==> 27,5 %
  2. GRÜNE: 18 – 24 % ==> 21,0 %
  3. AfD: 13 – 16 % ==> 14,2 %
  4. SPD: 13 – 16 % ==> 14,1 %
  5. LINKE: 8 – 10 % ==> 9,0 %
  6. FDP: 6 – 9 % ==> 7,6 %
  7. Sonstige: 6 – 8 % ==> 6,6 %
2019-11-04

(c) JFB

AfD: mehrere Parteien in einer?

Doch was genau wollen AfD-Anhänger eigentlich? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. In vier, fünf wesentlichen Punkten scheinen sie zumindest weitgehend übereinzustimmen: einer kritischen Beurteilung 1. des Euro und auch der EU, 2. der Massenmigrationspolitik und 3. der islamischen Weltanschauung sowie 4. der grünen Energiepolitik und dem Klimawahn. Eventuell auch noch 5. in Fragen der Familienpolitik.

Darüber hinaus wird es aber schon schwierig. So etwas wie ein schlüssiges Wirtschafts-, Sozialpolitik- oder Rentenkonzept findet man bei der AfD nicht so ohne weiteres und da scheinen die Auffassungen zum Teil extrem auseinander zu gehen, so dass sich die Frage stellt, ob hier nicht mehrere Parteien in einer zu finden sind. Interessant ist nun auch, was INSA letzten Monat herausfand.

15 Prozent der Deutschen fänden es gut, wenn die DDR heute noch bestehen würde

INSA fragte nämlich 2.059 Personen, ob sie es gut fänden, wenn es die DDR heute noch geben würde. 15 Prozent der Deutschen beantworteten diese Frage mit ja und sagten: „Ich fände es gut, wenn die DDR heute noch bestehen würde.“ Bei den Männern waren es 17, bei den Frauen 13 Prozent. 62 Prozent (63 Prozent der Männer, 60 Prozent der Frauen) fänden das nicht gut, 14 Prozent gaben an, sie wüssten nicht so recht und 9 Prozent wollten keine Angabe machen:

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Die Frauen stimmten der Aussage seltener zu, lehnten sie aber aus seltener ab, waren dagegen deutlich öfter unschlüssig (27 gegenüber 20 Prozent bei den Männern).

Betrachten wir die verschiedenen Altersgruppen, so fällt auf: Die Unter-30-Jährigen stimmten dem am wenigsten zu (8 Prozent), die 50 bis 59-Jährigen stimmten am häufigsten zu (20 Prozent).

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Kaum Unterschiede zwischen West und Ost

Ein Unterschied in den Antworten zwischen West- und Ostdeutschland war kaum zu erkennen. Beide Gruppen stimmen mit 15 bzw. 16 Prozent fast gleich häufig zu, dass sie es gut fänden, wenn die DDR noch bestehen würde, und stimmen mit 62 bzw. 61 Prozent auch gleich häufig nicht zu. Die Sehnsucht nach der DDR ist im Osten des Landes lediglich um ein Prozent höher als im Westen.

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30 Prozent der AfD-Anhänger wünschen sich die DDR zurück

Doch nun wird es interessant. Deutliche Unterschiede sind nämlich zu erkennen, wenn wir differenzieren nach aktueller Wahlpräferenz. Denn nun stechen genau zwei Parteien vollkommen heraus.

  1. AfD: 30 %
  2. Linke: 27 %
  3. Sonstige Parteien: 18 %
  4. CDU/CSU: 13 %
  5. FDP: 13 %
  6. SPD: 11 %
  7. Grüne: 9 %

Bei vier der sechs großen Parteien wünschen sich deren Anhänger immer nur zu 9 bis maximal 13 Prozent die DDR zurück. Ganz anders dagegen bei den Wählern der Linkspartei und der AfD. Diese hätten die DDR gerne zu 27 respektive sogar zu 30 Prozent gerne zurück. Und Spitzenreiter ist hier ausgerechnet die AfD, die sogar die SED-Nachfolgepartei noch überflügelt.

DDR-4

Wie das zu deuten ist, dass ausgerechnet vor allem die Wähler der AfD und SED-Nachfolgerin die DDR gerne wieder zurück hätten, darüber möge sich ein jeder selbst Gedanken machen.

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