Wie sich Söder und Merkel verschmitzt über Laschet lustig machen

Von Jürgen Fritz, Sa. 02. Mai 2020, Titelbild: tagesschau-Screenshot

Auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise gesprochen, unter anderem über die aktuellen Reisebeschränkungen. Dabei konnten sich die beiden kleine Witzeleien über den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet, Merkels und Söders Gegenspieler in der Coronastrategie, nicht verkneifen. Besonders auffällig dabei war, wie die beiden sich gegenseitig zuzwinkerten und sich das Schmunzeln nicht verkneifen konnten.

Anton Hofreiter: „Es wäre sicherlich ratsam gewesen, wenn sich Armin Laschet stärker eingelesen hätte“

Armin Laschet, der sich für den CDU-Vorsitz und damit indirekt auch als Kanzlerkandidat für 2021 beworben hat, macht in der Coronakrise nicht immer die beste Figur. Ende Märze hatte er Probleme, seinen Mund-Nasen-Schutz richtig aufzusetzen, trug ihn minutenlang falsch. Dann kam Anfang April die berüchtigte Heinsberg-Studie heraus, die von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, der Laschet vorsteht, beauftragt und finanziert wurde, und bei der einige seltsame Dinge und Verbindungen zu einer PR-Agentur offenkundig wurden.

Auch hatte man bisweilen den Eindruck, dass es Armin Laschet bisweilen schwerer falle als seinem Kontrahenten Söder, der Kanzlerin und anderen den jeweiligen Erkenntnissen aus der naturwissenschaftlichen Forschung zu folgen. In einem Interview mit der WELT sagte nun auch der Grünenpolitiker und promovierte Biologe Anton Hofreiter, einige würden bei der Interpretation wissenschaftlicher Daten über das Ziel hinausschießen Wörtlich sagte er:

»Es wäre sicherlich ratsam gewesen, wenn sich etwa Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, stärker eingelesen hätte. Seine Vorschläge zur schnellen Öffnung fand ich teilweise unverantwortlich. Bei ihm gingen manche Zahlen und Begriffe durcheinander: R-Wert, Verdopplungszeit und Zahl der Infizierten. Damit sollte man sich gründlich befassen, wenn man seiner Rolle als verantwortungsbewusster Politiker gerecht werden will und entsprechende Entscheidungen treffen soll.«

Naturwissenschaftler haben ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass man mit einem Virus oder Naturgesetzen nicht verhandeln kann

Generell würde man bei manchen Diskussionen über das Virus schon merken, ob jemand eine naturwissenschaftliche Ausbildung habe oder nicht. Naturwissenschaftler, so machte Hofreiter klar, hätten in der Regel ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass man mit einem Virus oder Naturgesetzen nicht verhandeln kann. „Wir sind es in der Politik gewohnt, Kompromisse zu finden. In einer Demokratie gibt es keine absoluten Wahrheiten. Aber mit dem Virus gibt es eben nichts zu verhandeln. Darauf kann man nur reagieren.“ Das sei jedem Naturwissenschaftler klar.

Bei der Bekämpfung einer Pandemie brauche es alle Perspektiven, insofern sollten sich Ökonomen und Juristen (die übrigens im Bundestag absolut dominieren, während unter 709 Abgeordneten nur 29 Naturwissenschaftler sind, also nur 4 Prozent) nicht zurückhalten. Es gibt ja massive wirtschaftliche, soziale, juristische und psychologische Auswirkungen. Aber die wichtigsten Grundlagen seien im Moment sicher Virologie und Epidemiologie. Wenn sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), promovierter Mediziner, den er gerade sehr schätze, sich zur Pandemie äußere, habe das Hand und Fuß. Bei Armin Laschet wäre es dagegen „sicherlich ratsam gewesen“, wenn er sich „stärker eingelesen hätte“.

Laschet hat die Büchse der Pandora geöffnet

Auch der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke sieht momentan eher schwarz für die Kampagne von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Wettbewerb um den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur. Laschet werde große Schwierigkeiten haben, sein Image in der Auseinandersetzung mit Bayerns Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder zum Positiven zu wenden, sagte von Lucke im Deutschlandfunk (Audio). Laschet habe sich in der Corona-Krise „fundamental vergaloppiert“. „Er hat einen eklatanten Fehler gemacht“, so von Lucke. Söder habe am Anfang der Corona-Krise richtig erkannt, dass die klare Kante beim Lockdown ungemein Punkte bringen würde. Laschets Kalkulation bestehe nun darin, mit dem Exit zu punkten – also gewissermaßen der Erste zu sein, der aus den harten Maßnahmen herausführe. Damit jedoch verstärke er nur sein Image „des Laschen, des Laxen“.

Darüber hinaus hält von Lucke es für einen strategischen Fehler, dass Laschet im falschen Moment versucht habe, sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel absetzen zu wollen. Dazu verwies er auf Laschets Gastbeitrag in der WELT am Sonntag vor einigen Wochen. Damit habe dieser sich „freischwimmen“ wollen aus der Annahme, immer im „Geleitzug der Kanzlerin“ zu sein. Dabei habe Laschet „völlig verkannt“, dass die Kanzlerin in der Corona-Krise deutlich an Sympathie gewonnen habe. Laschets zwei härtesten Konkurrenten um den Parteivorsitz, Söder und Friedrich Merz, täten dagegen derzeit „das einzig Vernünftige“ und suchten den „absoluten Schulterschluss mit Angela Merkel“.

„Wer den Exit propagiert, öffnet quasi die Büchse der Pandora, so von Lucke weiter. Denn nun seien die Begehrlichkeiten im Raum, und die verschiedenen Interessenvertreter in Nordrhein Westfalen versuchten alle, davon zu profitieren. „Und diese Pandorabüchse bekommt Laschet nicht mehr zu.“ Der Wettbewerb um weitere und schnellere Lockerungen laufe (kleine Finger-ganze Hand-Syndrom).

Laschet wirkt überfordert: nur noch 3,8 Prozent der CDU/CSU-Anhänger wollen ihn als Kanzlerkandidaten der Union

Auch für die ARD-Hauptstadt-Korrespondentin Kirsten Girschick wirkt Armin Laschet in der Corona-Krise oft wie ein Getriebener: „mal fahrig, mal forsch, mal patzig“. Die Rolle des Machers habe ein anderer übernommen. Es sei auch nicht das erste Mal, dass Laschet beim Thema Schule unsouverän wirke: „In der Sendung Anne Will vor einer Woche reagierte er patzig, als fehlende Hygienekonzepte angesprochen wurden, schob er die Verantwortung auf die Kommunen. Und er beklagte sich, dass Virologen ihre Meinungen änderten. Auch sonst wirkte er in der Sendung fahrig und gereizt, manche sagen sogar: überfordert.“ 

Das scheinen wohl durchaus mehrere so in Deutschland zu sehen. Laut einer aktuellen Befragung von Civey im Auftrag des SPIEGEL von Ende April meinte gerade noch 8,6 Prozent, dass die Union mit Laschet als Kanzlerkandidaten die besten Chancen hätte. Damit liegt er inzwischen meilenweit hinter Söder (45,8 Prozent) und auch hinter Friedrich Merz (13,9 Prozent), obschon diesem bedingt dadurch, dass er keinerlei Regierungs- oder Staatsamt innehat, keinerlei Möglichkeiten offenstehen, sich zu profilieren. Noch schlimmer sieht es bei den Unionsanhängern aus. Da würden nur 3,8 Prozent der Befragten, Laschet als Kanzlerkandidaten empfehlen wollen gegenüber 67,6 Prozent für Söder und 16,2 Prozent für Merz.

Söder gibt Laschet nebenbei eine mit und zwinkert sich mit Merkel zu

Und wenn Angela Merkel und Markus Söder die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen verkünden, ist einer nie dabei: der Ministerpräsident des mit Abstand bevölkerungsreichsten Bundeslandes Armin Laschet. Hier sehen wir regelmäßig den Ersten Bürgermeister von Hamburg Peter Tschentscher (SPD), die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten von Bayern Markus Söder (CSU), wobei vor allem die zwei Letztgenannten die Bühne beherrschen.

Wie gut die beiden harmonieren, zeigte sich wieder bei Ihrer Pressekonferenz am Donnerstag, als sie über Laschet zusammen witzelten. Bei der Frage, wie es in den nächsten Monaten mit Urlaubsreisen ins Ausland aussehe, machten Merkel und Söder deutlich, dass daran nicht zu denken sei. Europaweite Reisen seien derzeit „nicht das Thema, das jetzt an der Tagesordnung ist“, so Merkel. Und Söder ergänzte auf verschmitzte Art, wer in den Süden fahre wolle, der müsse ja zum Beispiel nicht nach Österreich fahren, in Bayern wäre es auch schön.

Söder merkte an, dass es auch in Deutschland schöne Orte gebe. Kurz kabbelte er sich mit Merkel. Daraufhin witzelte Merkel, deren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern liegt, dass man auch im Norden viel Spaß haben könne. Und dann fasste Söder kurzerhand unter dem breiten Grinsen von Merkel, der er zuzwinkerte, wie folgt zusammen:Süden und Norden – der Westen ist da nicht dabei.“ Das war unverkennbar ein kleiner Seitenhieb gegen Armin Laschet, den Ministerpräsident des westlichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Söder und Merkel spötteln auf offener Bühne über Laschet

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