AfD fällt bei INSA (AfD-nah) von 18,5 auf 9,5 Prozent

Von Jürgen Fritz, Do. 28. Mai 2020, Titelbild: WELT-Screenshot

Was für ein Abstieg! 49 Prozent ihrer Anhänger hat die Alternative für Deutschland laut INSA, das als AfD-nah gilt und meist die höchsten AfD-Werte errechnet, in knapp 20 Monaten verloren. In diesem Zeitraum fiel sie von 18,5 auf jetzt nur noch 9,5 Prozent. Dies ist der niedrigste von INSA errechnete Wert seit Anfang August 2017. Doch es gibt noch einige andere Kennzahlen, die aus Sicht der AfD Erschreckendes offenbaren.

AfD fällt auf den niedrigsten INSA-Wert seit Anfang August 2017

Vor nicht einmal 20 Monaten sah es noch völlig anders aus für die Alternative für Deutschland. Ende September, Anfang Oktober 2018 war sie auf ihrem absoluten Höhepunkt. Im Wahl-O-Matrix-Mittel aller Meinungsforschungsinstitute stand sie damals knapp über 17 Prozent, das AfD-nahe INSA-Institut, welches meist mit die höchsten AfD-Werte errechnet, kam sogar auf 18,5 Prozent. Fast jeder Fünfte in Deutschland hätte damals laut INSA der AfD seine Stimme gegeben. Inzwischen aber sieht es völlig anders aus. Würden jetzt Bundestagswahlen stattfinden, würde nur noch jeder Zehnte bis Elfte für die AfD votieren, welche derzeit innerlich zu zerreißen droht zwischen den liberalen Kräften in der Partei, den national-konservativen und den Rechtsradikalen und -extremisten (drei Parteien in einer).

INSA sieht die CDU/CSU gegenüber der Vorwoche unverändert bei 37 (niedrigster Wert aller Institute, alle anderen sehen die Union zwischen 38 und 40 Prozent), die Grünen bei  18 Prozent. Die SPD kann dagegen einen Punkt zulegen auf jetzt 15 Prozent, während die AfD einen ganzen Punkt abgibt und damit von 10,5 auf 9,5 Prozent fällt. Unter 10 Prozent sah INSA die AfD seit dem 7. August 2017 nicht mehr. Leicht zulegen kann dagegen die Linkspartei, welche von 7,5 auf 8 Prozent steigt. Die FDP bleibt unverändert bei 6 Prozent und die sonstigen Parteien verlieren zusammen einen halben Punkt, fallen auf jetzt 6,5 Prozent.

Im Wahl-O-Matrix-Mittelwert fällt die AfD auf 9,6 Prozent, Tendenz weiter fallend

Damit gibt es in ganz Deutschland unter allen Instituten, die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen eine Erhebung durchführten, kein einziges mehr, welches die AfD über 10,0 Prozent sieht. Drei errechneten zuletzt genau 10 Prozent, INSA kommt ganz aktuell auf 9,5 und zwei sogar nur noch auf 9 Prozent. Im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute fällt die AfD damit auf knapp unter 9,6 Prozent.

Dabei liegen die drei Befragungen, welche die AfD noch auf 10 Prozent berechneten, bezogen auf den mittleren Tag der Befragung alle schon zehn bis vierzehn Tage zurück. Das heißt, die jüngsten Querelen in der Partei der letzten ein, zwei Wochen, insbesondere a) der Rauswurf des Landesvorsitzenden von Brandenburg Andreas Kalbitz aus der Partei, b) Höckes Beschimpfungen und Drohungen gegenüber Meuthen und von Storch und c) das Höcke in die Schranken weisen durch Meuthen sowie d) der offen zu Tage tretende Machtkampf der verschieden Parteiflügel, sind in diese Werte noch nicht eingepreist. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass der Wahl-O-Matrix-Mittelwert der AfD die nächsten Tage noch weiter fallen wird.

Die Union hält sich dagegen unverändert bei über 38 Prozent mit großem Abstand vor allen anderen an der Spitze, die Grünen bleiben mit über 17 Prozent klar auf Platz zwei vor der SPD, die wie die Linkspartei leicht zulegen kann. Die FDP bleibt fragil zwischen 5 und 6 Prozent und muss womöglich, wenn sie bis zum nächsten Jahr keine Trendwende schafft, sogar um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen.

So würden die Deutschen derzeit wählen

Angegeben ist wie immer für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute,  die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert der sechs einbezogenen Institute sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller sechs Werte:

  1. CDU/CSU: 37 – 40 % ==> 38,2 %
  2. GRÜNE: 15 – 19 % ==> 17,3 %
  3. SPD: 1516 % ==> 15,1 %
  4. AfD: 910 % ==> 9,7 %
  5. LINKE: 7 – 8 % ==> 7,6 %
  6. FDP: 5 – 7 % ==> 5,8 %
  7. Sonstige: 6 – 7 % ==> 6,3 %
2020-05-26

(c) JFB

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die sechs Institute, die (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, welche ausgewertet wurden, waren:

  • Allensbach, mittlerer Tag der Befragung: 10.05.2020, persönlich-mündliche Befragung von 1.013 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen
  • Infratest dimap, mittlerer Tag der Befragung: 12./13.05.2020, telefonische Befragung von 1.074 zufällig ausgewählten Personen
  • Forschungsgruppe Wahlen, mittlerer Tag der Befragung: 13.05.2020, telefonische Befragung von 1.282 zufällig ausgewählten Personen
  • Kantar, mittlerer Tag der Befragung: 16./17.05.2020, telefonische Befragung von 1.914 zufällig ausgewählten Personen
  • Forsa, mittlerer Tag der Befragung: 20.05.2020, telefonische Befragung von 2.002 zufällig ausgewählten Personen
  • INSA, mittlerer Tag der Befragung: 23./24.05.2020, Online-Panel – internetbasierte Befragung von 2.062 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool, hat damit eine recht breite Datenbasis von insgesamt 9.347 Befragten. Interessant ist nun aber auch noch eine andere Zahl, welche INSA jede Woche ermittel und die hat es in sich.

22 Prozent würden derzeit gar nicht oder ungültig wählen oder wären unschlüssig

Und zwar führt INSA als einziges Institut zusätzlich zur Sonntagsfrage („Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wäre, wie würden Sie wählen?“) jede Woche noch eine Potential-Analyse durch. Vom 22. bis 25. Mai wurden dazu 1.818 Personen zusätzlich noch weitere Fragen gestellt. Erstes Ergebnis: Ca. 22,1 Prozent (402 von 1.818) würden derzeit gar nicht zur Wahl gehen, ungültig votieren oder wüssten im Moment nicht, wem sie ihre Stimmen geben würden. Unter 100 Wahlberechtigten sind derzeit also ca. 22,1 Unentschlossene bzw. Nichtwähler und diese tendieren am ehesten

  1. zur Union: 16 % von 22,1 Nichtwählern = 3,5 von 100 Wahlberechtigten
  2. zur SPD: 12 % von 22,1 Nichtwählern = 2,7 von 100 Wahlberechtigten oder
  3. zu den Grünen: 11 % von 22,1 Nichtwählern = 2,4 von 100 Wahlberechtigten
  4. relativ viele auch noch zur FDP: 9 % von 22,1 Nichtwählern = 2,0 von 100 Wahlberechtigten, sehr wenige aber zur
  5. Linkspartei: 6 % von 22,1 Nichtwählern = 1,3 von 100 Wahlberechtigten oder
  6. zur AfD: 6 % von 22,1 Nichtwählern = 1,3 von 100 Wahlberechtigten.

Hier bei den Unentschlossenen und Nichtwählern ist inzwischen also kaum noch etwas zu holen für die AfD, maximal 1,3 Prozent von allen Wahlberechtigten, wenn sie wirklich jeden von diesen der sich die AfD grundsätzlich vorstellen könnte, für sich gewänne.

2020-05-25-ohne Parteinennung

© INSA

Ähnlich ernüchternd ist eine andere Zahl: Selbst unter diesen Unentschlossenen und Nichtwählern sagen derzeit 50 Prozent, dass die AfD für sie überhaupt nicht in Frage käme, während dies bei den anderen Parteien durchweg nur 19 bis 30 Prozent sind.

Noch erschreckender sind aber aus AfD-Sicht die Rückmeldungen von denen, die derzeit zur Wahl gingen und gültig wählen würden. Das waren hier 1.416 der 1.818 Befragten = 77,9 Prozent.

LINKE und FDP haben den kleinsten harten Kern

INSA ermittelte hier mit differenzierten Fragestellungen bei den Wahlwilligen und Wahlbereiten drei weitere Dinge:

  • den harte Kern für jede Partei: Befragte, sie sich ihrer Entscheidung sicher sind,
  • das maximale Potential für jede Partei: „Welche der folgenden (anderen) Parteien können Sie sich vorstellen grundsätzlich zu wählen?“ und
  • wie groß die Ablehnung jeder Partei bei denen, die sie nicht wählen, ist: „Und welche der folgenden Parteien können Sie sich gar nicht vorstellen zu wählen?“

Den größten harten Kern (Wähler, die sich ihrer Entscheidung sicher sind) haben derzeit CDU/CSU, den kleinsten die Linkspartei und die FDP:

  1. CDU/CSU: 27 %
  2. GRÜNE: 12 %
  3. SPD: 10 %
  4. AfD: 7 %
  5. LINKE: 5 %
  6. FDP: 3 %

Hier sticht vor allem die FDP negativ heraus, die eigentlich – wie wir gleich sehen werden – ein recht großes Potential hat, aber nur noch einen winzigen harten Kern von 3 Prozent, die sicher sind, dass sie die Freien Demokraten wählen wollen. Das deutet darauf hin, dass die Partei sehr vieles falsch macht, dass sie ihre Zielgruppe nur noch so wenig von sich zu überzeugen vermag. Nun aber zum Potential nach oben.

Die Union hat bei den Wahlwilligen ein Potential von fast 50 Prozent, die AfD gerade noch von maximal 13,5 Prozent

Ein sehr großes Potential („Welche der folgenden (anderen) Parteien können Sie sich vorstellen grundsätzlich zu wählen?“) haben CDU/CSU mit über 50 Prozent, die Grünen und die SPD, das geringste dagegen die AfD:

  1. CDU/CSU: 49 %
  2. GRÜNE: 39 %
  3. SPD: 37 %
  4. FDP: 21 %
  5. LINKE: 20 %
  6. AfD: 13,5 %

Hier fällt – wie oben schon angedeutet – auf, dass die FDP ein sehr viel größeres Potential hat, nämlich ca. drei- bis viermal so hoch wie ihre aktuellen Zustimmungswerte und siebenmal so hoch wie ihr inzwischen auf 3 Prozent zusammengeschrumpfter harter Kern. Das gibt Hinweise, dass die Performance der FDP überhaupt nicht stimmt. Sie kann ihr Wählerpotential mithin nur noch zu ca. 25 bis 30 Prozent ausschöpfen.

Bei der AfD fällt dagegen auf, wie gering ihr Potential nur noch ist: bloß noch für 13,5 Prozent der Wahlwilligen kommt sie überhaupt auch nur in Frage.

2020-05-25-mit Parteinennung

© INSA

75 Prozent der Wahlwilligen lehnen die AfD vollkommen ab

Interessant ist nun auch, welche Partei die geringst und welche die größte Ablehnung unter den Bürgern erfährt, wo die Wahlbereiten ihr Kreuz auf keinen Fall machen würden. Bei allen Parteien sind dies maximal um die 20 bis 30 Prozent, außer bei zweien, wobei hier eine ganz weit nach unten herausragt:

  1. CDU/CSU: 22 %
  2. SPD: 23 %
  3. GRÜNE: 29 %
  4. FDP: 31 %
  5. LINKE: 39 %
  6. AfD: 75 %

Das heißt, für drei von vieren, die derzeit zur Wahl gehen und gültig votieren würden, kommt die AfD überhaupt nicht in Frage. 75 Prozent der Wahlwilligen lehnen diese Partei vollkommen ab, fast doppelt so viele wie die Linkspartei, der ja ihrerseits schon recht hohe Ablehnungswerte entgegenschlagen.

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