Objektive Wahrheit und subjektive Fehlvorstellungen

(Jürgen Fritz, 09.08.2020) „Auch eine schädliche Wahrheit ist nützlich, weil sie nur Augenblicke schädlich sein kann und alsdann zu andern Wahrheiten führt, die immer nützlich und sehr nützlich werden müssen, und umgekehrt ist ein nützlicher Irrtum schädlich, weil er es nur augenblicklich sein kann und in andre Irrtümer verleitet, die immer schädlicher werden.“ (Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein, 8. Juni 1787) – „Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren.“ (Friedrich Rückert)

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Angst und Vernunft: Die Kunst, sich richtig zu ängstigen

(Jürgen Fritz, 09.05.2020) Angst sei ein schlechter Ratgeber, meinen einige Törichte. In Wahrheit ist sie natürlich einer der besten Ratgeber, die es überhaupt gibt. Unter einer Bedingung: dass sie nicht von der Ratio, der Vernunft abgekoppelt ist. Dann aber gilt: „Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper“ (Maxim Gorki).

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Irrtum, Lüge, Ideologie: die drei Gestalten des irrenden und irreführenden Bewusstseins

(Jürgen Fritz, 14.12.2019) „Sobald das Getäuschtwerden von Freiwilligkeit affiziert ist, entsteht die dritte Gestalt des irrenden Bewusstseins, das man als Aberglauben, als Ideologie, als Autosuggestion bezeichnet. Für die Gebilde der ideologischen Irrtumsstufe ist der halb bewusste, halb unbewusste Pakt zwischen den Lügnern und den Belogenen kennzeichnend. Mit Ideologie hat man es folglich zu tun, solange eine mehr oder weniger explizite Produktion von suggestiven Idolen konvergiert mit der mehr oder weniger offenen Nachfrage nach erbaulichen Illusionen. Diese Konvergenz setzt sich überall durch, wo ein «Wille zum Glauben» auf «Propaganda» trifft, sprich auf elaborierte und nachhaltige Überredungssysteme vom Typus Missionspredigt, Konfessionsliteratur, Sektenpresse und Parteiindoktrinierung.“ – Peter Sloterdijk

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Wo die liberale, säkulare Gesellschaft eine resolute Grenzlinie ziehen muss

(Jürgen Fritz, 14.10.2019) Menschen können gegenüber der Weltanschauung anderer intolerant sein, einfach weil diese ihnen fremd ist, weil sie anders ist als die eigene (Intoleranz ersten Grades). Sie können eine Weltanschauung aber auch deswegen ablehnen, weil diese selbst intolerant und gefährlich ist (Intoleranz zweiten Grades). Wer den rationalen Diskurs verweigert und zu Gewalt gegen Andersdenkende aufruft oder Gewalt anwendet, nur weil jemand eine andere Weltanschauung hat, die er anderen aber gar nicht oktroyieren will, der darf von den Toleranten nicht geduldet werden. Denn ansonsten schaufelt sich die liberale Gesellschaft ihr eigenes Grab. Jeglicher Liberalismus muss also, so er überleben möchte, wehrhaft sein gegen seine Feinde.

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Was bedeutet „sein“ und gibt es solche, die, ohne zu lügen, doch Lügner sind?

(Jürgen Fritz, 01.05.2019) „Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern Des wütenden Geschicks erdulden oder, Sich waffnend gegen eine See von Plagen, Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –“ Diese Zeilen aus „Hamlet“ sind weltberühmt, doch was bedeutet überhaupt „sein“ und kann man, zum Beispiel durch manipulativen Gebrauch der Existenzpräsupposition, ohne, dass man direkt die Unwahrheit sagt, doch ein Lügner sein?

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Metaphysik (Ontologie): Unsere tiefsten Glaubenssätze

(Jürgen Fritz, 26.04.2019) Vor einigen Monaten fragte ich die JFB-Leser, was denn ihr persönlich tiefster Glaubenssatz wäre. Beim Lesen der Antworten hatte ich den Eindruck, dass die meisten diese Frage nicht wahrheitsgemäß beantworteten. Nicht weil sie vorsätzlich die Unwahrheit sagen wollten, sondern weil ihnen ihre eigenen innersten Überzeugungen gar nicht bewusst waren.

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Fehlvorstellungen sind keine „subjektive Wahrheiten“, sondern Fehlvorstellungen

(Jürgen Fritz, 25.04.2019) Phantasie ist ohne jeden Zweifel eine der schönsten Gaben überhaupt, mit welcher der Mensch wie kein anderes bekanntes Wesen gesegnet ist. Seit Jahrtausenden erfinden die Menschen Geschichten, dabei gibt es jedoch Unterschiede. 1. Der Schriftsteller weiß, a) dass seine Geschichten erfunden sind und will b) andere auch nicht Glauben machen, sie wären es nicht. 2. Der Hochstapler weiß a) auch, dass seine Geschichten erfunden, also nicht real sind, will aber b) andere Glauben machen, sie wären wahr. 3. Der verblendete Fanatiker dagegen hält a) seine Geschichten selbst für wahr und kann dann b) in anderen besonders gut Fehlvorstellungen erzeugen, weil sie seine innere Überzeugung spüren.

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Philosophischer Start in den Tag: Zwei Arten des Irrtums

(Jürgen Fritz, 20.01.2019) Es gibt zwei Arten, sich zu täuschen. Die eine besteht darin, etwas Unwahres zu glauben (zu meinen, etwas sei der Fall, was nicht der Fall ist). Die andere besteht darin, nicht zu glauben, was wahr ist (zu meinen, etwas sei nicht der Fall, was tatsächlich der Fall ist). Eines der schlimmsten aller Übel besteht im Festklammern an Fehlvorstellungen und in der Verweigerung der Anerkennung von Tatsachen, mithin einer doppelten Abkoppelung von der Realität. (Jürgen Fritz)

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Manipulation der Massen: die Einhämmermethode und die Erzeugung von Aussätzigen

(Jürgen Fritz, 05.09.2018) Selbstbestimmung, Autonomie, Souveränität, Würde beginnen dort, wo die Manipulation durchschaut und ausgehebelt wird. Daraus folgt, dass der, welcher sich der Manipulation bedient und sich trefflich auf sie versteht, wenig Interesse haben dürfte an selbstbestimmten, autonomen, souveränen Wesen, würden diese ihm doch den Boden seiner Kunst, mithin sein Geschäftsmodell und seine Machtgrundlage entziehen. Nicht nur die Realität ist also stets der Feind der Macht, da sie diese begrenzt, noch mehr die Aufklärung, ganz besonders die Aufklärung über die Techniken der Manipulation.

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Gnothi seauton – Erkenne dich selbst!

(Jürgen Fritz, 06.07.2018) Gnothi seauton, Erkenne dich selbst!, ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi, als deren Urheber Chilon von Sparta, einer der Sieben Weisen der griechischen Antike, angesehen wird. Der erste Beleg für diesen Gedanken findet sich in einem Fragment des Philosophen Heraklit von Ephesos (um 520 – 460 v. Chr.): „Allen Menschen ist zuteil, sich selbst zu erkennen und verständig zu denken.“ Doch wie steht es zweieinhalb Jahrtausende später um die menschliche Selbsterkenntnis? Wie weit sind wir seither gekommen?

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Die blaue oder die rote Kapsel?

(Jürgen Fritz) Möchtest du wissen, was die Matrix ist? Sie ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken. Du lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst, ein Gefängnis für deinen Verstand. Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Schluckst du die blaue Kapsel, wachst du in deinem Bett auf und glaubst an das, was du glauben willst. Schluckst du die rote Kapsel, führe ich dich in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus. Bedenke, alles, was ich dir anbiete, ist die Wahrheit. Nicht mehr.

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Sind wir dazu verurteilt, religiös zu sein?

(Jürgen Fritz) Der Mensch ist ein gleichermaßen ambivalentes wie tragisches Wesen. Er hat zu viel Verstand, um wie das Tier gedankenlos und völlig unreflektiert vor sich hin leben zu können, und zu wenig Verstand, um die Fragen, die derselbe an ihn heran trägt, abschließend beantworten zu können. Zugleich verfügt er über die Fähigkeit, die Sinnfrage zu stellen, und hat ein Vermögen, welches ihn über alles Profane weit hinausheben kann: seine Phantasie. Ist er dank dieses inneren Gebräus letztlich dazu verurteilt, religiös zu sein?

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