Objektive Wahrheit und subjektive Fehlvorstellungen

(Jürgen Fritz, 09.08.2020) „Auch eine schädliche Wahrheit ist nützlich, weil sie nur Augenblicke schädlich sein kann und alsdann zu andern Wahrheiten führt, die immer nützlich und sehr nützlich werden müssen, und umgekehrt ist ein nützlicher Irrtum schädlich, weil er es nur augenblicklich sein kann und in andre Irrtümer verleitet, die immer schädlicher werden.“ (Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein, 8. Juni 1787) – „Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren.“ (Friedrich Rückert)

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Der Mensch: das Wesen, das handeln kann

(Jürgen Fritz, 25.06.2020) Aufgabe der Wissenschaften ist es, a) die Welt korrekt zu beschreiben und diese Deskriptionen zu systematisieren sowie b) Zustände und Ereignisse zu erklären, mithin Verbindungen zwischen den einzelnen Dingen herzustellen, kausale und sonstige Gesetzmäßigkeiten und Regularitäten zu erkennen, was uns wiederum hilft, uns in der Welt besser zurecht zu finden, je besser wir sie verstehen. Nun sind Menschen Wesen, die handeln können, die über mentale Repräsentationen verfügen und repräsentationale Zeichen produzieren, die also die Welt oder Teile von dieser in sich irgendwie abbilden, genauer: repräsentieren. Um Handlungen von Menschen zu erklären, gibt es drei Ansätze, doch nur einer davon erschließt das daran Spezifische.

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Worin die methodologische Autonomie der Geisteswissenschaften gründet

(Jürgen Fritz, 17.06.2020) Die Naturwissenschaften erforschen, wie der Name schon sagt, die Natur, also das Reich der Naturgesetze. Sie erklären einzelne Ereignisse anhand der entdeckten Gesetze und diese wiederum aus anderen, noch grundlegenderen Gesetzmäßigkeiten, aus denen sie die spezielleren logisch deduzieren. Was aber machen die Geisteswissenschaften, zum Beispiel die Sprach- und Literaturwissenschaften, die Geschichts- und Religionswissenschaften, die Kunstgeschichte und die Musikwissenschaft? Worin gründet ihre methodologische Autonomie?

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Angst und Vernunft: Die Kunst, sich richtig zu ängstigen

(Jürgen Fritz, 09.05.2020) Angst sei ein schlechter Ratgeber, meinen einige Törichte. In Wahrheit ist sie natürlich einer der besten Ratgeber, die es überhaupt gibt. Unter einer Bedingung: dass sie nicht von der Ratio, der Vernunft abgekoppelt ist. Dann aber gilt: „Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper“ (Maxim Gorki).

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Gehirn und Geist oder: das göttliche Moment in uns

(Jürgen Fritz, 25.09.2019) „Die Tatsache, dass das Gehirn die physikalische Grundlage menschlichen Denkens ist, wird heute allgemein akzeptiert.“ (B.F. Skinner) „Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es trotzdem nicht verstehen könnten.“ (Jostein Gaarder)

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Entwicklung des Lebens und natürliche Werte

(Jürgen Fritz, 24.08.2019) Jenseits von Relativitätstheorie und Quantenmechanik wird das moderne Naturbild durch eine dritte große Theorie ergänzt: die Komplexitätstheorie als Fortsetzung der Chaostheorie. Diese konnte nachweisen, dass es in der Natur schon unterhalb der Ebene von Lebewesen zu spontaner Strukturbildung kommt. Das widerspricht in lokalen Bereichen jenseits linearer Gleichgewichte eigentlich dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, welcher besagt, dass die Natur langfristig den Wärmetod sterben wird, dass sie von sich aus über viele, viele Milliarden Jahre alle Energiedifferenzen abbaut und damit alle Differenzierung und Komplexität weitgehend zunichte gemacht wird – der gleichsam sozialistische Zug der Natur. Lebende Systeme aber laufen dem innerhalb dieser großen Entwicklung auf lokaler Ebene entgegen. Und dabei passiert etwas zutiefst Faszinierendes.

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Notwendige und kontingente Eigenschaften: Essentielles und Akzidentelles

(Jürgen Fritz, 14.08.2019) Das Mögliche kann geschehen. Was also geschieht, muss möglich sein. Was nicht sein kann, was unmöglich ist, dessen Nicht-sein ist nicht nur der Fall, sondern ist notwendigerweise der Fall. Was weder mit Notwendigkeit ist noch mit Notwendigkeit nicht ist, ist kontingent. Alles, was ist, hat kontingente Eigenschaften. Es gibt aber Dinge, die haben nicht nur kontingente, sondern auch notwendige, essentielle Eigenschaften, die sie nicht verlieren können, ohne dass sie aufhören zu sein, was sie sind.

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Allgemeine Metaphysik (Ontologie): die Basis von allem

(Jürgen Fritz, 10.08.2019) „Die gesamte Philosophie ist einem Baume vergleichbar, dessen Wurzel die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Zweige alle übrigen Wissenschaften sind.“ (René Descartes, 1596 – 1650, französischer Philosoph, Mathematiker und Naturforscher) „Die Physik vermag nicht auf eigenen Füßen zu stehen, sondern bedarf einer Metaphysik, sich darauf zu stützen; so vornehm sie auch gegen diese thun mag.“ (Arthur Schopenhauer, 1788 – 1860, deutscher Philosoph)

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Gleichheit vor dem Gesetz

(Jürgen Fritz, 05.08.2019) Menschen sind sprachbegabte Wesen. Kleine Kinder können die Sprache nur deshalb erlernen, weil ihr Gehirn, genauer: ihr Geist, der in ihrem aktiven Gehirn materiell verankert ist, die Potenz, die Disposition zum Spracherwerb bereits in sich trägt. Wer versuchen möchte, einer Eidechse auch nur die Bedeutung einfachster Wörter beizubringen, der wird schnell merken, dass dies kaum möglich ist, weil das Eidechsengehirn keine entsprechende Prädisposition besitzt.

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Analytisch und synthetisch wahre Sätze

(Jürgen Fritz, 02.08.2019) Wenn wir die Welt umfassend richtig beschreiben wollen, dann versuchen wir, möglichst viele, möglichst genaue wahre Sätze über sie zu formulieren. Mit beschreibenden Aussagen (deskriptiven Sätzen) beziehen wir uns also auf die Welt. Doch dabei gibt es zwei Formen von wahren Sätzen: analytische und synthetische Urteile. Was hat es damit auf sich? Was ist der Unterschied und was können wir daraus über die Welt und über uns selbst lernen?

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Körper und Geist (Seele) oder: Vom Substanz- zum Eigenschaftsdualismus

(Jürgen Fritz, 16.05.2019) Viele Menschen meinen noch immer, es gäbe nicht nur zwei völlig unterschiedliche Klassen von Eigenschaften, physische und mentale (seelische), sie meinen, es bäbe neben unserem Körper noch eine zweite immaterielle Substanz, welche fühlt, denkt und entscheidet, welche Träger aller mentalen Eigenschaften sei. Diese zweite Substanz nennen sie Seele und sehen diese als etwas völlig Eigenständiges. Diese Vorstellung von einem zweiten Ding, das den Menschen zerteilt, nennt man Substanzdualismus und sie geht sehr weit zurück. Wir finden sie schon bei Platon, dann natürlich im von ihm stark beeinflussten Christentum, aber auch noch beim Vater der neuzeitlichen Philosophie René Descartes. Doch inwiefern ist diese Beschreibung der Natur des Menschen schlüssig und überzeugend? Sind wir wirklich zwei oder haben wir nur zweierlei grundverschiedene Eigenschaften: physische und geistige?

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So weit entfernt und irgendwie doch nah: Solipsist und Realist

(Jürgen Fritz, 12.05.2019) „Die verhängnisvolle Neigung der Menschen, über etwas, was nicht mehr zweifelhaft ist, nicht länger nachzudenken, ist die Ursache der Hälfte aller Irrtümer.“ (John Stuart Mill) „Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit.“ (Petrus Abaelardus) „Denn der radikalste Zweifel ist der Vater der Erkenntnis.“ (Max Weber) „Erst zweifeln, dann untersuchen, dann entdecken.“ (Henry Thomas Buckle) Denn ansonsten besteht folgende Gefahr: „Zur Abwehr der Zweifel wird die bewusste Einstellung fanatisch, denn Fanatismus ist nichts anderes als überkompensierter Zweifel.“ (Carl Gustav Jung) Ergo:“Zweifle nicht an dem, der dir sagt er hat Angst, aber hab Angst vor dem, der dir sagt, er kenne keinen Zweifel.“ (Erich Fried)

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