Warum ich weder ein Neulinker noch ein Neurechter bin

Von Jürgen Fritz

Die politischen Achsen haben sich in den letzten Jahrzehnten kräftig verschoben und die Orientierung ist vielen Menschen der westlichen Welt völlig verloren gegangen. Jürgen Fritz unternimmt den Versuch der Rückgewinnung von Orientierung, Realismus und zugleich Idealismus.

I. Typisch linke Positionen

Links sein heißt unter anderem, an die politische Gleichheit aller Menschen zu glauben, sprich an die Gleichberechtigung – Gleichheit vor dem Gesetz und Gleichheit an Würde -, ferner an die grundsätzliche Bildungsfähigkeit und Mündigkeit aller Menschen. Links sein heißt mithin, über die Nation hinaus zu denken, international zu denken, sich um das Wohl aller Gedanken zu machen, nicht nur der eigenen Landsleute.

Links sein heißt aber auch, progressiv, also fortschrittsgläubig zu sein, heißt, Anhänger der Aufklärung und der Menschenrechte zu sein. Und zwar der universalen Menschenrechte. Links sein heißt also, Universalist zu sein. Der Linke will zerstören und ausrotten. Er will z.B. die Sklaverei zerstören und ausrotten. Der Linke will die Unterdrückung von Menschen durch Menschen (und auch die von Göttern) zerstören und ausrotten. Er will, dass bestimmte Wahrheiten überall auf der Welt erkannt werden und dass die Menschenrechte überall auf dem Globus Geltung haben sollen. An so etwas wie „subjektive Wahrheiten“ (nicht subjektive Sichtweisen!) und ethischen Relativismus glaubt er nicht nur nicht, er weiß, dass es so etwas gar nicht geben kann.

II. Warum ich kein neuer Linker bin

Der neue Linke will all das – abgesehen von dem Streben nach objektiver Wahrheit, die er versucht zu zerstören – sofort, vor allem die weltweite Geltung der Menschenrechte. Er denkt nicht in Zeithorizonten, er denkt nicht in großen Bahnen, er denkt überhaupt wenig, will vielmehr alles jetzt sofort im Hier und Jetzt, ohne sich Rechenschaft zu geben, wie diese einzigartige Entwicklung des Geistes und der kulturellen Höhe in Europa zustande kam, wo die Menschenrechte und die Würde des Menschen entdeckt wurden. Insgeheim verachtet und hasst der neue Linke genau diesen Kulturkreis, der all diese Errungenschaften überhaupt erst hervorgebracht hat.

Der neue Linke will die ganze Welt in Deutschland und Europa heilen, was natürlich nicht die Welt heilt, sondern Deutschland und Europa zerstört, so dass es in wenigen Jahrzehnten gar keinen Hort der Aufklärung, des Rechtsstaates, der politischen und individuellen Freiheit, der Demokratie und Menschenrechte mehr geben wird, was dem neuen Linken aber nicht viel ausmacht, da er ja ohnehin kaum eine emotionale Verankerung, kaum eine Dankbarkeit für die europäischen Errungenschaften empfindet.

III. Weshalb ich kein neuer Rechter bin

Der neue Rechte will ähnlich dem neuen Linken die anderen sein lassen, wie sie sind, nur ohne sie mit uns zu vermischen. Jeder soll bleiben, wo er ist und dort nach seiner Facon glücklich werden oder auch nicht. Was in Land B passiert, soll in Land A niemanden etwas angehen. Niemand hätte sich also einmischen sollen, als die Nazis anfingen in Deutschland „aufzuräumen“. Das ging die anderen alle nichts an, denkt der neue Rechte. Er akzeptiert die Kultur aller anderen als ein gewachsenes So-sein, Stichwort: Ethnopluralismus.

Der neurechte Ethnopluralist akzeptiert ebenso wie der neue Linke das Anders-sein des anderen unbegrenzt, will nur keine Vermischung, will die Reinheit von A und B bewahren, obwohl er sie als gleichrangig ansieht. Sein Weltbild basiert auf der gleichen Grundlage wie das des Neulinken: Es gibt kein oben und kein unten, kein besser und kein schlechter. Alle Kulturen sind gleichrangig und es gibt keinen objektiven Maßstab.

IV. Die Schizophrenie des neuen Rechten und des neuen Linken

Wenn eine Frau in Land A ihrem kleinen Mädchen die Genitalien verstümmelt, dann verurteilt der neue Rechte dies unter Umständen aufs Schärfste. Macht aber ein paar Kilometer weiter eine Frau in Land B genau das Gleiche, so sagt er, das sei in Ordnung und richtig, weil man das dort immer schon so macht. Wenn die Frau aus Land A in Land B geht und ihr Kind dort verstümmelt, dann beurteilt er die gleiche Tat womöglich wieder anders. Oder wenn die Frau in Kultur A ihre Freundin aus Kultur B bittet, verstümmle du mein Kind, ich kann das nicht, so verurteilt der neue Rechte nur die Frau aus A, die Anstifterin, aber nicht die aus B, die Täterin.

Warum denkt der neurechte Ethnopluralist so schizophren? Weil es ihm genau wie dem neuen Linken an ethischer Bildung, weil es ihm an moralischer Orientierung mangelt. Weil er nicht fähig ist, eine universale Perspektive einzunehmen. Weil er den Menschen reduziert auf ein vernunftunfähiges, nicht autonomes Etwas, das vollkommen von der Kultur determiniert ist, in der es aufwuchs, unfähig diese zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und sich über sie zu erheben, aus ihr herauszuwachsen.

Noch schlimmer ist aber der neue Linke. Wenn die Frau aus Kultur B in Kultur A migriert und dort ihr Kind verstümmelt oder ein alter Mann ein kleines Mädchen heiratet, so bejaht der neue Linke dies sogar auf dem Territorium von A, während er es bei Personen, die in A geboren und aufgewachsen sind, verurteilt. Damit zerstört er die politische Gleichheit, die Gleichheit vor dem Gesetz und verletzt die Würde des Kindes auf dem Territorium von A und lässt die Entstehung von Parallelgesellschaften mit völlig anderen Wert- und Moralvorstellungen zu, die sogar gegen die Menschenrechte verstoßen.

V. Gemeinsame Basis von neuen Rechten und neuen Linken: der Kulturrelativismus

Der neurechte Ethnopluralismus und der neulinke Multikulturalismus haben die gleiche Basis: den Kulturrelativismus, der wiederum auf den ethischen Relativismus zurückgeht. Die Grundgedanken dieser Weltanschauung finden sich übrigens schon bei Arthur Rosenberg, dem Chefideologen des NS-Regimes. Das weiß der neue Linke natürlich nicht. Warum weiß er das nicht? Weil er meist nicht sehr gebildet ist.

Wenn in Land A nicht gefoltert und gevierteilt wird, in Land B aber schon, weil man das schon immer so macht dort, dann ist dies für den neurechten Ethnopluralisten völlig in Ordnung, ja mehr noch als das: es ist für ihn sogar gut so und jede Einmischung von A, auch über moderat vorgetragene Kritik, über vernünftige Argumentation erscheint ihm als unzulässiger Eingriff in eine fremde, gleichberechtigte Kultur B.

Ähnliches gilt für den neuen Rechten in Bezug auf Sklaverei, Genitalverstümmelung von Kindern, Steinigungen, öffentliches Auspeitschen, Unterdrückung von Frauen, die, so sie vergewaltigt wurden, anschließend dafür auch noch bestraft werden, weil sie ihre Reinheit eingebüßt haben, oder in Bezug auf Mord an Kindern, die man gerade nicht gebrauchen kann, usw. usf. All das ist für den neuen Rechten völlig in Ordnung, weil es ja keinen objektiven Maßstab, kein oben und kein unten gibt. Natürlich würde er das so nicht sagen, womöglich ist es ihm nicht mal bewusst, weil er seine Prämissen nicht zu Ende gedacht hat.

VI. Der Multikulturalismuswahn

Der neue Linke denkt ganz ähnlich, will darüber hinaus das alles aber auch noch zu uns holen und sieht darin keine Verschlechterung des erreichten kulturellen Levels, weil es ja kein oben und kein unten gibt, weil alles gleichrangig ist. Die Allerdümmsten, die man gehäuft bei den Grünen findet, sehen die Vermischung mit völlig rückständigen, primitiven, minderwertigen Kulturen sogar als Bereicherung, was sie dann „bunte Vielfalt“ nennen.

Die Gefahr, dass das Primitive – allein auf Grund der viel höheren Geburtenrate – das Höherwertige auf lange Sicht auslöschen könnte, dass alle Errungenschaften wie Republik, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, Volkssouveränität, Gewaltenteilung, Menschenwürde und Menschenrechte wieder verloren gehen könnten, sind völlig außerhalb des Horizontes dieser Multikulturalismus-Anhänger, die meist historisch völlig ungebildet sind.

VII. Der kluge und ethisch gebildete Altlinke

Der Altlinke, der im Idealfall philosophisch gebildet ist, glaubt nicht nur an die Überlegenheit von Aufklärung und Menschenrechtsdenken, er weiß darum und kann diese sauber herleiten und begründen. Anderes lässt er nicht gelten oder nur auf Zeit, weil er weiß, dass manche Dinge, die über Jahrtausende gewachsen sind, nicht von heute auf morgen verändert werden können. Er akzeptiert also nicht grundsätzlich jedes Anders-sein des Anderen – außerhalb des Bereichs des Moralischen natürlich schon -, sondern nur vorübergehend, weil er auf Grund seiner historischen Bildung Realist genug ist zu wissen, dass Veränderungen Zeit benötigen und man dem anderen das Richtige nicht mit Gewalt aufzwingen kann, da es dann oftmals aufhört, das Richtige zu sein.

Sein langfristiges Ziel, den Weltstaat, verliert er aber nie aus dem Auge, genauer: die Weltrepublik freier, mündiger Bürger, in der die Menschenrechte für alle garantiert werden, in welcher alle als mündige Bürger an politischen Entscheidungen partizipieren, in welcher es keine Sklaverei und keine systematische Unterdrückung gibt, in welcher Freiheit, politische Gleichheit und Solidarität (Brüderlichkeit) herrschen. Zugleich ist er Realist und weiß, dass dies ein langer Kampf sein wird, der noch Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende andauern wird.

VIII. Der kluge Altlinke kennt die Kategorie des Feindes

Der Altlinke ist ein Kämpfer, der die Kategorie des Feindes noch kennt und der vernichten will. Was will er vernichten? Den Aberglauben, die Dummheit, die Lüge, die Selbsttäuschung, die Heuchelei, die Unterdrückung, z.B. der Redefreiheit, die Sklaverei. Der Altlinke ist ein Meister der Zerstörung, ebenso wie jeder gute Philosoph. Kant nannte man den Alleszermalmer. Die Zerstörung kann dabei durchaus bisweilen behutsam von statten gehen, mit Empathie und Milde, nicht plump und grob.

Der Rechte, der Konservative ist dagegen ein Meister des Bewahrens und Erhaltens. Das ist genau so wichtig, wenn nicht noch wichtiger. Denn wer alles zerstört, hat gar nichts mehr. Der Rechte weiß um die Wichtigkeit von gewachsenen Strukturen und um die Fragilität des Ganzen. Daher ist sein Augenmerk im Idealfall auf den Schutz des Bewahrenswerten gerichtet. Insofern bin ich zugleich ein Rechter.

IX. Das Wissen um die Ungleichheit im Sein

Der Kluge weiß, dass Menschenrechte derzeit weltweit nicht durchsetzbar sind. Er weiß, dass es nur einen einzigen Kontinent gibt, in dem der Geist die Idee der Menschenrechte, der Menschenwürde und der Aufklärung entwickelt hat. Er weiß, dass die Menschen von Natur aus in vielem gleich, in vielem aber auch unterschiedlich sind, auch was ihren Intellekt und auch was den Grad der Verwirklichung des Mensch-seins anbelangt, den sie bereits erreicht haben. Das ist eigentlich eher ein rechte Position. Insofern bin ich wiederum zugleich ein Altlinker und ein Rechter.

Der kluge Realist weiß auch, dass es hier Unterschiede gibt zwischen den Nationen, vor allem aber zwischen den Kulturkreisen. Daher weiß er um die Gefahr, wenn Europa mit Kulturfremden geflutet wird, die diese Konzepte von Demokratie, Staatsbürger, Volkssouveränität, Aufklärung, Menschenrechte und Menschenwürde in der gesamten Geschichte der Menschheit niemals entwickelt haben und ihnen auch heute im 21. Jahrhundert oftmals noch fremd gegenüberstehen.

X. Das Wissen um den langen Weg zur politischen Gleichheit

Der kluge Altlinke will, dass die Welt insgesamt zu einem besseren Ort wird für alle. Er weiß aber, dass dies ein langer, ein sehr langer Weg sein wird, der Schritt für Schritt gegangen werden muss. Er weiß, dass zunächst die Nation und Europa geschützt werden müssen und dass das Zusammenwachsen der Menschheit ein organisches sein muss, welches über Aufklärung und Bildung, über innere Annäherung der Seelen und das heißt auch der Weltbilder zustande kommt und nicht über das internationale Großkapital, welches im Menschen nur den potentiellen Konsumenten und Abnehmer seiner Produkte sowie die Arbeitsameise sieht und nicht den Träger von Geist, Autonomie, Vernunft und Würde. Der neue Linke weiß gar nichts.

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Literaturempfehlung: Egon Flaig, Die Niederlage der politischen Vernunft – Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen, zu Klampen 2017

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Bild: Jürgen Fritz Privatfoto

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11 Antworten auf „Warum ich weder ein Neulinker noch ein Neurechter bin

  1. Tanzender Berg

    „Ähnliches gilt für den neuen Rechten in Bezug auf Sklaverei, Genitalverstümmelung von Kindern, Steinigungen, öffentliches Auspeitschen, Unterdrückung von Frauen, die, so sie vergewaltigt wurden, anschließend dafür auch noch bestraft werden, weil sie ihre Reinheit eingebüßt haben, oder in Bezug auf Mord an Kindern, die man gerade nicht gebrauchen kann, usw. usf. All das ist für den neuen Rechten völlig in Ordnung, weil es ja keinen objektiven Maßstab, kein oben und kein unten gibt.“ Das ist eine äußerst unfaire Darstellung. (Auch wenn ich persönlich mich keineswegs als neurechts verstehe.) Es geht doch darum, daß Leute wie die Neocons, George W. Bush und viele andere ihre verheerenden Kriege damit begründet und gerechtfertigt haben, schlimme Zustande in fernen Ländern beseitigen und ihnen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte bringen zu wollen. Das hat aber dann nicht funktioniert und hat die Lage nur noch viel schlimmer gemacht. Wir als Westen haben gar nicht die Möglichkeit, der ganzen Welt Demokratie etc. zu bringen, und zwar deshalb, weil die Menschen in vielen Ländern gar nicht nach westlichen Maßstäben leben wollen. Sie WOLLEN eben ihren kleinen Mädchen die Genitalien verstümmeln. Wenn diese kleinen Mädchen dann erwachsen sind, machen sie dasselbe mit ihren Töchtern. So hart muß man die Fakten benennen. In meinen Augen sind das Monster. Es ist unmöglich, diese Leute zu überzeugen oder umzuerziehen. Da gibt es dann einfach nur die Möglichkeit, daß wir diese Leute in ihren Ländern lassen und keinen von ihnen zu uns herein lassen.

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    1. Jürgen Fritz

      Sie schmeißen hier gleich mehrere verschiedene Denkkategorien durcheinander, Tanzender Berg. Wir sollten erstens unterscheiden, a) was Politiker im Konkreten tun, die zumeist von vielen Motiven zugleich geleitet werden, und b) was moralisch richtig ist. Zweitens müssen wir auseinander halten, a) was moralisch richtig ist und b) was machbar ist. Wenn jemand zusammengeschlagen oder vergewaltigt wird, ist es richtig zu helfen. Wenn das aber eine Bande von 20 oder 30 Mann macht und man selbst alleine ist, hat man schlicht keine Möglichkeit dem Opfer direkt zu helfen. Man kann dann höchstens die Polizei verständigen, so man die Möglichkeit dazu hat.

      Vieles scheitert also an der Machbarkeit. Dies ist eine völlig andere Kategorie als die Frage nach richtig und falsch. Der neue Rechte ist der Auffassung, dass es keine universale Moral gibt. Wenn also eine Kultur X kleine Kinder umbringt, die sie gerade nicht gebrauchen kann, so sagt der neue Rechte, der Ethnopluralist, ebenso wie der neue Linke, wenn er zu Ende denken würde, was er sagt, dass dies so völlig in Ordnung ist und den Außenstehenden niemals etwas angeht. Beide verurteilen das also gar nicht. Das ist etwas anderes als nicht eingreifen, weil man dazu gar keine Möglichkeit hat.

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  2. goldsteinweb

    Sehr guter Text, bei dem natürlich jeder eine andere Meinung hat. Gerade gegen Ende ist er sehr gut. Wir brauchen einen Globalismus der Werte (durch Aufklärung), aber keinen Globalismus der Machtkonzentration in den Händen weniger Eliten.

    Auch wenn ich parteiisch klinge, stimmen ein paar Sachen nicht bei Ihren linken Credentials.

    Weder equaity (all men are equal) noch Menschenrechte sind links. Sie waren es auch historisch nicht (nur in der 2.Hälfte des 20ten Jhd lässt sich eine Partizipation finden: Schwulenrechte, 2. Welle der Frauenbewegung, Kampf gegen Apartheid in Südafrika).

    Die Sklaverei wurde von den Whigs in Großbritannien und den Republikanern in den USA abgeschafft, NICHT von linken. Napoleon hatte sie eher wieder verstärkt. Vielleicht können Sie ein Beispiel nennen, in dem sich Linke gegen die Sklaverei eingesetzt hätten?

    Der Begriff Progressive ist ein Tarnbegriff der Kommunisten, der in der McCarthy-Ära populär wurde. Sie sind kein Progressive. (Ich empfehle mal einfach das Buch „Radical Son“ von David Horowitz).

    Subjektiven Wahrheiten sind eine linke Bastion seit Ende der Sechziger (und nicht eine rechte). Heißt Postmodernismus.

    Jedenfalls fällt es mir wegen der schlechten Debattenkultur auch schwer in Deutschland Kategorien zu bilden. Sie sind ein libertarian-leaning small c conservative.

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    1. Jürgen Fritz

      1. Gerade die Forderung nach politischer Gleichheit ist eine essenzielle linke Forderung, keine rechte solche. Der Rechte geht von der politischen Ungleichheit der Menschen aus.

      2. Da die Menschenrechte allen Menschen zugestanden werden, haben wir hier wieder das Egalitarismusprinzip, welches typisch links ist.

      3. Mir ging es darum aufzuzeigen, dass Sklaverei sich mit linkem Denken nicht vereinbaren lässt, mit rechtem schon. Zur Geschichte des Kampfes zur Abschschaffung der Sklaverei: Die Welt verdankt die Abschaffung der Sklaverei der europäischen Kultur. Einen Abolitionismus (Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei) entwickelte nur der Westen. Dieser ist der längste und intensivste Befreiungskampf der Menschheit. Dies begann in den englischen Kolonien Nordamerikas unter evangelikanischen Sekten, die keiner kirchlichen Hierarchie unterworfen waren. Der Prediger R. Baxter verurteilte bereits 1665 Sklavenhändler und -halter als „gemeinsame Feinde der Menschheit“. Andere Namen sind der Quaker W. Edmundson 1676, die Mennonitengemeinde Germantown in Pennsylvenia 1688, G. Keith 1693, J. Hepburn, E. Coleman usw.

      Europäische Intellektuelle begannen erst nach 1730 die Gedanken langsam aufzunehmen, zunächst in England. Das revolutionäre Frankreich (total links) überholte dann den englischen Abolitionismus. 1794 erklärte die französische Nationalversammlung jegliche Sklaverei auf allen französichen Territorien – nicht nur im Mutterland! – für illegitim. 1807 folgte Englang, 1808 die USA. Den ersten bilateralen Vertrag zur Abschaffung des Sklavenhandels unterzeichneten 1814 Großbritannien und Frankreich. 1817 folgte Portugal, 1823 Spanien. Die treibenden Kräfte waren GB und Frankreich.

      Englische Kapitäne, die man beim Transportieren von Sklaven ergriff, wurden gehenkt. Dieser Kampf gegen die Sklaverei dürfte nahezu einmalig in der Menschheitsgeschichte sein. Man bekämpfte aus moralischen Gründen etwas, von dem man ökonomisch enorm hätte profitieren können, und dieser Kampf kostete sogar enorm viel Geld. Kriege zur Selbstbefreiung gab es in der Weltgeschichte viele, Kriege zur Befreiung anderer sind ein äußerst seltenes Phänomen.

      Maßgeblich war hier wohl das christliche Weltbild, welches von der Gleichheit der Menschen vor Gott ausging. Es waren leider (!) nicht die Philosophen, die diesen Kampf geistig anführten, sondern bestimmte Christen, die von linken Gedanken durchdrungen waren.

      4. Doch, auch das Progressive ist essenziell links, nicht rechts. Typisch rechts ist konservativ.

      5. Entscheidend ist aus meiner Sicht zwischen altlinks und neulinks zu unterscheiden. Altlinke waren keine Wahrheitsfeinde, ganz im Gegenteil. Neulinke ticken vollkommen (!) anders. Sie bekämpfen die Wahrheit, wo sie nur können, da sie nahezu ausschließlich an Machtfragen interessiert sind und die Wahrheit die Macht immer begrenzt. Daher verbünden sich Neulinke längst auch nicht nur mit Muslimen (Rechtsradikale), sondern auch mit dem westlichen und dem islamischen Großkapital. All diesen geht es nur um Macht und all diese sind Feinde der Aufkärung, Feinde der Demokratie, Feinde der Volkssouveränität.

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      1. goldsteinweb

        1. Die politische Gleichheit (equality/rule of law) entstand in Großbritannien Jahrhunderte bevor sich die linke Denkschule während der französischen Revolution formte (links & rechts -> Sitzordnung in der Nationalversammlung). Die Gleichheit der Linken ist materialistisch. Sie war nur bei der Neuen Linken kurzfristisch politisch, als es tatsächlich noch rechtliche Unterschiede bei Mann und Frau, Schwarzen und Weißen, Schwulen und Heterosexuellen gab.

        2. Wir haben bis heute Schwierigkeiten Linke auf die Menschenrechte zu verpflichten. Auch die Bill of Rights ist nicht links. Es ist schwer zu sagen, ob die linken Jakobiner oder die rechten Girondisten auf die Menschenrechtserklärung (eine Verwässerung der Bill of Rights) drangen. Fakt ist, dass die Linken sie ignorierten und die Rechten enthaupteten.

        3. Streng genommen lässt sich Sklaverei ganz wunderbar mit linker Ideologie vereinbaren. Das Schweigen von Karl Marx zum amerikanischen Bürgerkrieg spricht Bände. Die Industrialisierung, die er als „Kapitalismus“ verleumdete, ist die einzige Alternative zur Sklaverei. Stalins Gulags waren systemimmanent. Die materielle Gleichheit wird erst nach der Revolution wirklich umgesetzt. Und so ein Revolutiönchen ist halt so schön, dass man es auf Dauer anlegen kann. Nord Korea hat auch noch Konzentrationslager.

        Die Briten hatten vor den Franzosen 1772 die Sklaverei abgeschafft. Der Akt der Franzosen (auf Betreiben der Jakobiner oder der Girondisten?) von 1794 wurde NICHT durchgesetzt. Viele anglo-amerikanische Ideen wurden (jedenfalls für die Propaganda) in der Revolution hochgehalten. Außerhalb Frankreichs blieb die Sklaverei jedoch erhalten und bereits 1802 wurde sie wieder offiziell eingeführt. (übrigens war in England Sklaverei nie Gesetz). Die Briten zwangen die Franzosen 1814 zur Aufgabe der Sklaverei.

        Jedenfalls waren es, wie sie richtig darlegen, fromme Christen und keine Linke, die hinter der Abschaffung der Sklaverei standen. Es waren christliche Philosophen, die mit linken Gedanken NICHT durchdrungen waren.

        4. Konervative und Linke haben unterschiedliche Ziele. Die Behauptung, dass linke fortschrittlich seien, ist Propaganda. Es wird insinuiert, dass das Ziel klar sei und Konservative auf der Leitung stünden und die Zukunft ablehnten. In Wahrheit reden Linke ständig von Backlash und „vorwärts immer, rückwärts nimmer“, weil sie auch nichts von dem für ihre Zwecke erreichten aufgeben möchten.

        5. An dem Absatz stimmt fast alles. Die Altlinke war verlogen, aber noch nicht postmodern. Ihre „rechtsradikalen“ Islamisten wählen alle links. Glauben Sie, dass die sich vertun oder sich strategisch verhalten? Oder hat der Islamismus nicht doch auch eine linke Dimension? Mir scheint linke Propaganda ein Katalysator für den Jihad zu sein. Der Jihad ist die Revolution gegen die Unterdrückung, wie wir sie auf ARD erklärt bekommen.

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  3. floydmasika

    Ein Globalismus des Naturrechts ist schon in Ordnung, aber die „Menschenrechte“ sind nicht dieses Naturrecht. Dies erstens weil der Begriff zu pathosgeladen beliebige Individuen zum Götzen erhebt, dem alle kollektiven Interessen zu opfern sind, und zweitens weil er bereits von einer ganz bestimmten Agenda fest besetzt ist, die den Genozid der nördlichen Völker und die Herrschaft der Schlechteren („Unterprivilegierten“) festschreibt. https://bayernistfrei.com/2016/12/08/dimr2016/. Die „Menschenrechte“ sind längst zu einer Wurzel des Bösen und der Soziopathie geworden.

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    1. Jürgen Fritz

      Kann sein, dass ich irre, aber ich glaube, Sie machen immer den gleichen Fehler, sich die Semantik vom Feind vorschreiben zu lassen. Das halte ich für einen Riesenfehler. Niemals die Begriffe aus der Hand nehmen lassen! So macht der Feind uns intellektuell wehrlos und drängt uns in eine Ecke, in die wir vielleicht gar nicht wollen. Auf die richtige Semantik bestehen und hier Widerstand leisten!

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    2. Tanzender Berg

      @floydmasika: Sehr guter Link. Er zeigt in aller Deutlichkeit, wie die Menschenrechtsideologie uns in den Abgrund führt. Sie haben recht: „Es bleibt uns nichts anderers übrig, als die globalhumanitaristische Zivilreligion gezielt vom Sockel zu stoßen. Machtferne Bürger sind gerade dazu am besten in der Lage.“

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    3. Tanzender Berg

      Herr Sieferle hat den Punkt besonders gut erfaßt (sinngemäß): Moslems sprengen sich für Allah in die Luft, der Westen begeht Selbstmord für die Menschenrechte.

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  4. lynx

    Man könnte es auch so zusammenfassen: altklug bleibt altklug. Die Nachkommenden hat das noch nie geschert. Never ever.

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