Geht es jetzt Richtung Einstelligkeit für die SPD?

Von Jürgen Fritz, Di. 6. Nov 2018

„Weiter, immer weiter!“, sagte ein deutscher Fußballer, der damals weltbeste Torwart, gerne, wenn es mal gar nicht gut lief für seine Mannschaft. „Weiter, immer weiter!“ sagen sich wohl auch CDU/CSU und SPD, das aber nun in einem völlig anderen Sinne. Während Oli Kahn den Ehrgeiz hatte, das Ding zu drehen, wenn es nicht so richtig lief, scheinen die genannten Parteien einen ganz anderen Ehrgeiz an den Tag zu legen. Sie wollen offensichtlich auf dem Weg nach unten alles toppen, was es je zuvor gab. Wer aber profitiert davon?

CDU + CSU + SPD = 38 Prozent

Nicht einmal mehr jeder Vierte in Deutschland will die CDU oder die CSU wählen, nicht einmal mehr mehr jeder Siebte die SPD. Zusammen käme beide, wären jetzt Neuwahlen, nicht mehr auf über 67 Prozent, wie noch vor fünf oder dreieinviertel Jahren, sondern gerade noch auf 38 Prozent. Das ist weniger als die Union im August 2015 alleine hatte (43 Prozent). Dagegen möchte inzwischen fast jeder Fünfte Die Grünen wählen und jeder Sechste die AfD.

Die Abwärtsbewegung der früher ganz großen Parteien ist schon sehr lange zu beobachten, bei der Union seit dreieinviertel Jahren, bei der SPD seit eineinhalb Jahren, die Aufwärtsbewegung der beiden zuletzt Genannten ist ein Trend, der jetzt ebenfalls schon länger anhält, wobei er bei der AfD die letzten Monate ins Stocken geriet und es seit ca. fünf Wochen sogar leicht rückwärts geht. Bei den Grünen ist der Aufwärtstrend nicht viel mehr als ein Jahr alt. Seit 14 Monaten ging es immer nur noch weiter nach oben. Aber jetzt könnte die Bewegung an ihre vorläufige Grenze gekommen sein. Doch schauen wir es uns genauer an.

INSA-Meinungstrend vom 5. November 2018

INSA befragte im Zeitraum 02.11. (Fr.) bis 05.11.2018 (Mo.) über 3.183 Personen per Online-Befragung von gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool) und rechnete die Ergebnisse nach hauseigenen Formeln hoch. Hier die Ergebnisse (in Klammern die Veränderungen zur Vorwoche, sofern vorhanden):

  1. CDU: 24,5 % (– 0,5)
  2. GRÜNE: 19 %  (– 1)
  3. AfD: 16,5 %
  4. SPD: 13,5 % (– 0,5)
  5. LINKE: 11 %
  6. FDP: 10 % (+ 0,5)
  7. Sonstige: 5,5 % (+ 1,5)

2018-11-05

Gewinne/Verluste gegenüber der Bundestagswahl 2017 und mögliche Regierungskoalitionen

  1. GRÜNE: + 10,1 %
  2. AfD: + 3,9 %
  3. LINKE: + 1,8 %
  4. Sonstige: + 0,5 %
  5. FDP: – 0,7 %
  6. SPD: – 7 %
  7. CDU/CSU: – 8,4 %

Die schwarz-rote Koalition – manche sprechen noch immer von einer „Großen Koalition“, was angesichts dieser Zahlen wohl längst nicht mehr gerechtfertigt ist – käme demnach zusammen nur noch auf 38 Prozent. Das würde auch bei 5,5 Prozent der Stimmen für Sonstige, die im Parlament nicht abgebildet wären, nicht mehr ausreichen für eine Mehrheit im Deutschen Bundestag. Dazu bräuchte es mindestens ca. 47 bis 47,5 Prozent der abgegeben, gültigen Stimmen.

Auch für Schwarz-Grün, welche derzeit auf ca. 43,5 Prozent kämen, würde es nicht reichen für eine Mehrheit. Im Falle von Neuwahlen, wäre also, wie hier auf JFB schon öfters erläutert, eine sogenannte Jamaika-Koalition aus CDU + GRÜNE + FDP + CSU die wahrscheinlichste, womöglich sogar die einzige realistische Möglichkeit. Ein solches Bündnis käme derzeit auf ca. 53,5 Prozent.

Warum werden alle Altparteien Neuwahlen zu meiden versuchen, ganz besonders aber CDU und SPD?

Auf jeden Fall dürfte aber eines klar sein: Die drei Regierungsparteien würden bei Neuwahlen alle drei verlieren und zwar alle drei sogar ganz massiv. Die Union würde mehr als jeden vierten Wähler verlieren, die Genossen sogar mehr als jeden dritten.

Die großen Gewinner bei Neuwahlen wäre aber nicht die AfD, sondern Die Grünen, die ihr Ergebnis vom letzten Jahre (8,9 Prozent) aktuell mehr als verdoppeln könnten. Bei anderen Instituten stehen sie ja zum Teil ja sogar noch (deutlich) höher. Die AfD dagegen muss ich fragen, warum sie von diesen erdrutschartigen Verlusten der Union und der SPD seit vielen Monaten kaum noch profitiert. Bei 16,5 Prozent stand sie schon vor vier Monaten und in den letzten fünf Wochen hat sie sogar zwei Punkte (ca. 900.000 bis eine Million potentielle Wähler) verloren, das in der Phase, wo Schwarz-Rot so ein desaströses Bild abgibt.

Das traurigste Bild aber von allen gibt wohl die SPD ab, bei der auch keinerlei Hoffnungsschimmer erkennbar ist. Während die CDU mit Merz oder Spahn zumindest eine kleine Chance auf Erneuerung haben könnte, droht es für die SPD nun sogar in Richtung des einstelligen Bereichs zu gehen. Unglaublich, wenn man überlegt, dass es Zeiten gab (Ende der 1960er bis Anfang der 1980er), in denen sie über 40 Prozent, ja einmal sogar (1972) über 45 Prozent kam. Davon ist nicht einmal mehr ein Drittel übrig geblieben und es könnte durchaus noch viel weiter nach unten gehen.

P.S.

Wie die SPD mit Kritikern umgeht, die ihre Desinformations- und Hetzkampagnen widerlegen, können Sie hier nachlesen und hier sehen und hören Sie die neue große Hoffnung der SPD: Claudia Moll.

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Titelbild: YouTube-Screenshots

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