AfD seit viereinhalb Monaten im Abwärtstrend, Grüne seit drei Monaten

Von Jürgen Fritz, So. 17. Feb 2019

Seit Mitte 2017 war es für die AfD über 15 Monate hinweg stetig nach oben gegangen. Von etwa 7,5 auf über 17 Prozent, so wir den Mittelwert der acht großen Meinungsforschungsinstitute zu Grunde legen. Die Grünen hatte die AfD hinter sich gelassen, dann die FDP, die Linkspartei (SED) und schließlich sogar die SPD. Nur noch die CDU lag vor ihr und alles deutete darauf hin, dass es auf die 20 Prozent zugehen würde. Doch dann plötzlich Anfang Oktober 2018 der Knick. Seither geht es nur noch in die entgegengesetzte Richtung. Doch auch Die Grünen fallen nach ihrem zuvor fulminanten Anstieg seit drei Monaten deutlich. Lesen Sie hier, zu welchen Parteien die Wähler innerlich abwandern.

AfD fällt in den einzelnen Bundesländern in West wie Ost

Die AfD auf Platz zwei, direkt hinter der Union. Keine fünf Monate ist es her, dass wir dies bestaunen durften. Doch seither hat sich viel geändert. Zunächst wurde die Alternative für Deutschland vor vier Monaten von den Grünen überholt, welche nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 einen unglaublichen Aufschwung genommen hatten und von 8,9 auf ca. 22 Prozent gestiegen waren. Und inzwischen hat sich auch die SPD wieder deutlich vor die AfD geschoben, denn diese fällt nun schon seit viereinhalb Monaten, zwar nur sachte, das aber stetig. Von über 17 Prozent ging es seither zurück auf 13. Das heißt, die AfD hat in nur viereinhalb Monaten fast jeden vierten Anhänger verloren und liegt jetzt nur noch auf Platz vier.

Dabei ist dieser Trend nicht nur bundesweit, sondern tatsächlich überall zu beobachten, in Nord wie Süd, in West wie Ost. In Brandenburg lag sie im September 2018 noch bei 23 Prozent, fiel dann auf 21 und jetzt sogar auf 19 Prozent. In Bayern fällt sie nach der Landtagswahl im Oktober 2018 schon im Januar 2019 sowohl bei Infratest dimap als auch bei Forsa von 10,2 auf 8 Prozent. In Baden Württemberg erreichte die AfD bereits bei der Landtagswahl im März 2016 über 15 Prozent (15,1). Im September 2018 stand sie dort bei INSA sogar auf 18 Prozent und fiel nun im Februar 2019, also nur fünf Monate später beim selben Institut, das mit den gleichen Hochrechnungsparametern arbeitet, auf 12 Prozent. Das heißt, hier verlor sie sogar jeden dritten Anhänger und ist im Ländle sogar schwächer als vor drei Jahren.

Auch die Zustimmungswerte für Europa- und Bundestagswahl gehen seit Monaten nach unten

Aber nicht nun in den Bundesländern ist in den letzten Monaten dieser Abwärtstrend zu beobachten. Auch im Hinblick auf die Europawahl Ende Mai sehen wie die gleiche Entwicklung. Ende Oktober sah INSA die AfD noch bei 16 Prozent, Anfang Februar nur noch bei 12 und Infratest dimap taxiert die AfD Mitte Februar jetzt sogar nur noch auf 10 Prozent. Sollten diese Werte tatsächlich realistisch sein, hätte die Alternative für Deutschland in nicht mal vier Monaten 35 bis 40 Prozent ihrer Anhänger verloren! Natürlich dürfte sie bei der Europawahl in drei Monaten besser abschneiden als 2014, als sie auf 7,1 Prozent kam, aber von 15 bis 20 Prozent scheint sie momentan doch weit entfernt. Realistisch erscheinen aktuell wohl eher 10 bis 13 Prozent. Aber vielleicht kann sie ja den Abwärtstrend bis Mai stoppen und drehen.

Bezogen auf die Bundestagswahl – und hier werden natürlich die meisten Umfragen durchgeführt, so dass sich der Zustimmungsverlauf am deutlichsten abbilden lässt – sehen wir das Gleiche. Nachdem die AfD mehr als 15 Monate lang kontinuierlich angestiegen war, fällt sie seit Anfang Oktober 2018 zwar nicht drastisch, aber Monat für Monat stetig weiter. Seither ging es von über 17 auf jetzt nur noch 13 Prozent. Das heißt, auch hier hat sich fast jeder Vierte, der vor viereinhalb Monaten noch AfD wählen wollte, zumindest vorerst woandershin verabschiedet. Die Frage ist: wohin? Dazu gleich mehr.

Auf jeden Fall sehen wir in der Grafik von Dawum, dass die AfD jetzt fast wieder da angekommen ist, wo sie bei der Bundestagswahl im September 2017 war (12,6 Prozent) beziehungsweise wo sie schon vor zwei Jahren, im Februar 2017 gewesen ist. Damit kann die Partei eigentlich nicht zufrieden sein.

Graf-2019-02-17

 Union steigt von 26 auf ca. 30 Prozent, Grüne fallen von 22 auf ca. 18, SPD schafft die Trendwende

Was wir der Grafik auch sofort entnehmen können, ist, dass CDU/CSU ihren Abwärtstrend von ca. 39 bis 26 Prozent ab Anfang November nicht nur stoppen, sondern tatsächlich drehen konnten. Nach der Ankündigung Merkels, vom Parteivorsitz zurückzutreten, ging es von 26 auf über 30 Prozent nach oben. Inzwischen scheint dieser kurze Aufschwung aber eventuell gestoppt  zu sein und es könnte wieder nach unten gehen.

Ebenfalls gestoppt ist der lange steile Aufstieg der Grünen und auch gedreht. Nach dem fulminanten In-die-Höhe-Schnellen von 8,9 auf 22 Prozent, ging es jetzt die letzten drei Monate deutlich zurück auf ca. 18 Prozent.

Bei der SPD dagegen ist der lange Abwärtstrend seit April 2017, als sie nach dem Schulz-Hype kurzfristig bei 32 Prozent lag, bis auf 14 Prozent hinunter gestoppt und gedreht. In den letzten zwei Wochen steigt die SPD erstmals wieder klar über 15 Prozent und liegt derzeit sogar bei ca. 16 bis 17 Prozent. Die Ankündigungen, sich noch weiter von der Hartz-Agenda zu lösen und großzügig Wählergeschenke zu verteilen, ohne zu sagen, wo das Geld hierfür herkommen soll, scheint aber wie so oft bei einem Teil der Wähler zu fruchten.

Die Linke fällt leicht, FDP unverändert

Damit scheinen die Sozis sowohl von den Grünen als auch von der AfD Anhänger abziehen zu können, aber auch von der Linkspartei (SED), denn diese fällt in den letzten Monaten von 10 bis 11 auf unter 9 Prozent, wobei hier die Werte von Institut zu Institut derzeit extrem stark schwanken. Emnid gibt sie aktuell mit 10 Prozent an, Forsa aber nur mit 6.

Riesige Unterschiede sehen wir auch bei den Grünen. Diese werden von Forsa auf 21, von Emnid aber nur auf 15 Prozent beziffert. Solche große Differenzen sind extrem ungewöhnlich. Die Grafik dürfte hier der Wirklichkeit wohl näher kommen, denn diese berechnet den Mittelwert von aktuell sieben Instituten: YouGov, Civey, Forschungsgruppe Wahlen, INSA, Infratest dimap, Emnid und Forsa. Von jedem Institut bezieht Dawum dabei nur die neueste Wahlumfrage (Sonntagsfrage) in die Auswertung mit ein, sofern diese nicht länger als ca. drei Wochen zurückliegt, und nimmt eine Gewichtung nach Aktualität vor.

Bei der FDP, die sich bei 8 bis 9 Prozent eingependelt hat, sehen wir seit Monaten kaum Veränderungen und alle anderen Parteien (Sonstige) kämen derzeit zusammen auf ca. 4 bis 5 Prozent. Soweit die Dawum-Daten.

 Wahl-O-Matrix-Bundestagswahltrend

Hier nun abschließend die Wahl-O-Matrix-Zahlen. Das von mir gegründete Meta-Analyse-Tool Wahl-O-Matrix, das in der Vergangenheit mit die besten Wahlprognosen von allen hatte, arbeitet in seinem Bundestagswahltrend mit einem ganz ähnlichen Verfahren wie Dawum. Herangezogen werden alle Institute, die bezogen auf den mittleren Tage der Befragung in den letzten drei Wochen Umfragen durchgeführt haben. Von jedem Institut wird dann das jeweils neueste Ergebnis herangezogen und dann das arithmetische Mittel gebildet. Dies ergibt den Bundestagswahltrend.

Bei Wahlprognosen werden dann noch leichte Korrekturfaktoren mit eingerechnet, da sich in der Vergangenheit zeigte, dass a) nicht alle Institute gleich glaubhafte Zahlen abliefern und b) dass einige Institute klare Tendenzen zugunsten oder zuungunsten bestimmter Parteien aufweisen. Der Wahl-O-Matrix-Bundestagswahltrend sieht zum heutigen Tag wie folgt aus:

  1. CDU/CSU: 30,1 %
  2. GRÜNE: 18,4 %
  3. SPD: 16,5 %
  4. AfD: 13,0 %
  5. LINKE: 8,8 %
  6. FDP: 8,7 %
  7. Sonstige: 4,5 %

2019-02-17

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Titelbild: Youtube-Screenshot

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