Thüringen: So wechselten die Wähler

Von Jürgen Fritz, Mo. 28. Okt 2019, Titelbild: © JFB

Knapp 1,73 Millionen Thüringer waren gestern aufgerufen, ihren Landtag neu zu wählen. Über 1,12 Millionen gingen zur Wahl (64,9 Prozent Wahlbeteiligung gegenüber zuletzt 52,7 Prozent) und fast 1,11 Millionen gaben eine gültige Landesstimme ab. So sieht das vorläufige amtliche Endergebnis aus und so wanderten die Wähler.

So wählten die Thüringer

Stärkste Partei wurde mit noch größerem Abstand als erwartet die Linkspartei mit 31,0 Prozent (im Wahl-O-Matrix-Mittelwert stand sie wenige Tage vor der Wahl bei 28,8 Prozent). Die Linke konnte ihr gutes Ergebnis von 2014 bei deutlich gestiegener Wahlbeteiligung nochmals um 2,8 Punkte verbessern.

Auf Platz zwei landete ein klein wenig überraschend die AfD mit 23,4 Prozent, die es tatsächlich schaffte, die CDU hinter sich zu lassen, welche mit völlig enttäuschenden 21,8 Prozent nur auf Platz drei liegt. Dies ist das erste Mal, dass die CDU nicht die stärkste Partei im Thüringer Landtag sein wird. Die Christdemokraten verlieren sage und schreibe 11,7 Punkte. Ein desaströses Ergebnis!

Genau umgekehrt das Bild bei der AfD, die ihr 2014er-Ergebnis mehr als verdoppeln kann und um 12,8 Punkte zulegt. Mit 23,4 Prozent ist sie minimal besser als von Wahl-O-Matrix vor einigen Tagen taxiert (23,0 Prozent), während die CDU noch schwächer abschnitt als erwartet (21,8 statt 24,2 Prozent).

Auch die SPD schnitt noch etwas schwächer ab als erwartet: 8,2 Prozent (statt 8,6 Prozent in den Umfragen), verliert gegenüber 2014 nochmals 4,2 Punkte. Sowohl CDU als auch SPD schrumpfen damit anteilsmäßig um mehr als ein Drittel.

Und auch Die Grünen, die man zuletzt bei ca. 7,3 Prozent sah, enttäuschten vollkommen, blieben nicht nur von den 7 bis 8 Prozent weit entfernt, sondern erreichten nicht einmal die 5,7 Prozent aus 2014. Das bundesweite High nach der EU-Wahl ist seit viereinhalb Monaten schon am abflachen, aber dass Die Grünen es mit 5,2 Prozent (ein Minus von 0,5 Punkten) gerade so über die Fünfprozenthürde schaffen würde, hätte wohl kaum jemand gedacht.

Noch enger wurde es für die FDP. Diese schafft es mit knapp 5,0005 Prozent (der Wahl-O-Matrix-Mittelwert lag bei 4,8 Prozent) gerade so, in den Landtag einzuziehen. Am Ende lag es an sechs Stimmen. Unglaublich! Wären sechs FDP-Wähler zuhause geblieben, hätten die Freien Demokraten die Fünf-Prozent-Hürde nicht genommen. Ein hervorragendes Ergebnis für die FDP, die bei steigender Wahlbeteiligung ihr Ergebnis von 2014 verdoppelte.

Vorläufiges Endergebnis

Wahlberechtigte: 1.729.146
Wähler: 1.121.948
Wahlbeteiligung: 64,9 %
Gültige Wahlkreisstimmen (Erststimme): 1.099.962
Gültige Landesstimmen (Zweitstimme): 1.108.338

Die Stimmen verteilten sich wie folgt auf die Parteien (in Klammern die Veränderungen gegenüber 2014):

  1. LINKE: 31,0 % (+ 2,8)
  2. AfD: 23,4 % (+ 12,8)
  3. CDU: 21,8 % (– 11,7)
  4. SPD: 8,2 % (– 4,2)
  5. GRÜNE: 5,2 % (– 0,5)
  6. FDP: 5,0 % (+ 2,5)
  7. Sonstige: 5,4 % (– 1,8)

Endergebnis

Hier sieht man, welche Partei wo am stärksten war und man erkennt, wie schwach die CDU bereits ist. Die AfD landete in 248 von 664 Gemeinden auf Platz eins. Insgesamt aber dominierte die Linkspartei.

Gemeindekarte

So verteilen sich die 90 Sitze im Thüringer Landtag

  1. LINKE: 29 (+ 1)
  2. AfD: 22 (+ 11)
  3. CDU: 21 (– 13)
  4. SPD: 8 (– 4)
  5. GRÜNE: 5 (– 1)
  6. FDP: 5 (+ 5)

Die CDU, bisher immer stärkste Partei im Thüringer Landtag, verliert von ihren 34 Sitzen 13 (38 Prozent!). Die SPD verliert ebenfalls ein Drittel ihrer Sitze. Die AfD dagegen verdoppelt die Anzahl ihrer Landtagsabgeordneten. Für eine Mehrheit sind somit 46 Sitze notwendig. Rot-Rot-Grün kommt jetzt aber nur noch auf 42. Damit ist Rot-Rot-Grün abgewählt.

Mit der AfD schließen alle anderen Parteien eine Koalition kategorisch aus. Eine Mehrheit hätte Linkspartei + CDU. Letztere verkündete gestern Abend aber, dass sie keine Koalition mit den Linken eingehen werde, wobei das heute morgen aus Thüringen schon anders klingt. Hier könnte sich ein Konflikt innerhalb der CDU zwischen Berlin und Erfurt ankündigen. Ebenso lehnt die FDP jegliche Koalition mit der Linkspartei (Sozialisten) ab. Somit käme überhaupt keine Mehrheit im Landtag zustande und es bliebe wohl nur die Möglichkeit einer Minderheitsregierung, falls die CDU nicht doch noch umkippen sollte.

Und so wanderten die Wähler

Die AfD gewann gegenüber 2014:

  • 81.000 Stimmen aus dem Bereich der Nichtwähler
  • 37.000 von der CDU
  • 18.000 von der Linkspartei
  • 15.000 von anderen Parteien (darunter von der NPD, die 3,1 Prozentpunkte verlor)
  • 14.000 von Zuziehenden
  • 8.000 von der SPD
  • 7.000 von Neuwählern
  • 1.000 von der FDP
  • 1.000 von den Grünen

Die CDU verlor gegenüber 2014:

  • 37.000 Wähler an die AfD
  • 27.000 an die Linke
  • 27.000 an die Friedhöfe (Verstorbene)
  • 16.000 an die Nichtwähler
  • 14.000 CDU-Wähler zogen weg
  • 13.000 an die FDP
  • 8.000 an die SPD
  • 6.000 an die Grünen
  • 5.000 an andere Parteien

Die Linkspartei gewann gegenüber 2014:

  • 60.000 von den Nichtwählern
  • 27.000 von der SPD
  • 27.000 von der CDU
  • 20.000 von Zuziehenden
  • 12.000 von den Grünen
  • 10.000 von Neuwählern
  • 4.000 von der FDP
  • 3.000 von anderen Parteien
  • 2.000 von der AfD

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