Union bewegt sich Richtung 30, AfD auf 10 Prozent zu

Von Jürgen Fritz, So. 22. Mär 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Im Zuge der Corona-Krise gewinnen CDU/CSU deutlich an Zustimmung und steigen im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute auf den höchsten Wert seit 11 Monaten. Tendenz: weiter steigend. Dabei werden insbesondere drei Unionspolitiker von der Bevölkerung als besonders führungsstark wahrgenommen. Ganz anders dagegen die AfD, die immer tiefer nach unten rauscht und nun sogar auf den niedrigsten Wert seit zweieinhalb Jahren fällt. Die Partei hat mit extremen Problemen mit dem vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Flügel zu kämpfen, den sein Gründer Björn Höcke auf Druck des Bundesvorstandes nun komplett auflösen muss. Aber auch die SPD hat derzeit Einbußen zu verzeichnen.

Die Corona-Pandemie ist das derzeit alles beherrschende Thema

In der Corona-Krise wächst die Sorge der Bundesbürger, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland verschlechtern werden. Im RTL/ntv-Trendbarometer befürchten aktuell 62 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Das sind 12 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Eine derart pessimistische Einschätzung hatten die Deutschen zuletzt im Juli 2008, während der Banken- und Finanzkrise.

Dabei ist die Corona-Pandemie für 94 Prozent der Bundesbürger das derzeit wichtigste Thema. Das ist nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 der höchste jemals im Themen-Radar gemessene Wert. Hierbei gibt es kaum Unterschiede bei den Anhängern der meisten Parteien. Nahezu alle sind sich weitgehend einig in ihrem Urteil über das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die von ihm hervorgerufene Lungenerkrankung COVID-19. Mit einer Ausnahme: Bei den Anhängern der AfD sind es weit weniger als 90 Prozent, die die Corona-Krise für wichtig halten, nämlich hier nur 61 Prozent. Bei den AfD-Anhängern dürften sich auch mal wieder die meisten Verschwörungsmythen auftun, wenngleich es die ja auch bei ehemaligen SPD-Politikern und Amtsärzten gibt.

Merkel, Spahn und vor allem Söder erfahren im Moment das höchste Vertrauen der Bevölkerung

Im Kampf zur Eindämmung des Coronavirus werden vor allem drei Unionspolitiker in der Bevölkerung als besonders führungsstark empfunden:

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und
  • Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU),
  • noch mehr aber der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder.

Söder war es auch, der als erster in Deutschland eine Ausgangsbeschränkung verhängte. Dies kommt bei der Mehrheit der Bevölkerung gut an und spiegelt sich auch in den Zustimmungswerten wieder.

Während die CDU laut RTL/ntv-Trendbarometer, erhoben von Forsa, in ihrem Wahlgebiet (alle Bundesländer außer Bayern) auf 30 Prozent kommt (1,8 Prozentpunkte weniger als Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2017), kann die CSU in Bayern sogar die 40-Prozent-Marke überschreiten. Mit 41 Prozent liegt die CSU demnach sogar 2,2 Punkte über ihrem Bundestagswahl-Ergebnis.

AfD verzeichnet in Bayern bei der Kommunalwahl gegenüber der Bundestagswahl einen Wählerschwund von ca. 70 Prozent

Einen wahren Absturz, der sich schon länger ankündigte, erlebt dagegen die AfD, die im RTL/ntv-Trendbarometer in den letzten sieben Tagen von 11 auf 9 Prozent einbricht und damit erstmals wieder im einstelligen Bereich liegt. Dieser extreme Abwärtstrend hat sich in dieser Woche auch bei den Kommunalwahlen in Bayern gezeigt.

  • Bei der Bundestagswahl 2017 erhielt die AfD in Bayern noch 916.300 Zweitstimmen. Das waren 12,4 Prozent der abgegebenen, gültigen Zweistimmen und 9,6 Prozent der Wahlberechtigten.
  • Bei der bayerischen Landtagswahl 2018 erhielt die AfD dann noch 699.202 Erststimmen (10,3 Prozent der abgegebenen, gültigen Erststimmen bzw. knapp 7,4 Prozent der Wahlberechtigten.
  • Jetzt bei den bayerischen Kommunalwahlen erhielt die AfD nur noch 277.140 Stimmen. Das entspricht gerade noch 4,7 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen bzw. 2,7 Prozent der Wahlberechtigten und stellt einen Wählerschwund von ca. 70 Prozent dar!

Soweit das RTL/ntv-Trendbarometer, nun aber zu den Wahl-O-Matrix-Werten.

So würden die Deutschen heute in etwa wählen

Wahl-O-Matrix hat wie immer die Werte aller Institute, die bezogen auf den mittleren Tag der Befragung in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, die jeweils aktuellste ausgewertet, zusammengefasst und das arithmetische Mittel errechnet. Herangezogen wurden die Werte von a) Forschungsgruppe Wahlen (mittlerer Befragungstag: 04.03.), b) INSA (14./15.03.), c) Civey (14./15.03.), d) Kantar (15.03.), e) Infratest dimap (17./18.03.) und f) Forsa (18.03.). Angegeben ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert sowie fettgedruckt das arithmetische Mittel aller Werte:

  1. CDU/CSU: 2632 % ==> 29,2 %
  2. GRÜNE: 2023 % ==> 22,0 %
  3. SPD: 1416 % ==> 15,2 %
  4. AfD: 914 % ==> 11,6 %
  5. LINKE: 89,5 % ==> 8,9 %
  6. FDP: 5,7 – 7 % ==> 6,5 %
  7. Sonstige: 5 – % ==> 6,6 %
2020-03-22

© JFB

Union steil nach oben, AfD steil nach unten

Die extrem großen Unterschiede zwischen den einzelnen Instituten bei Union (6 Punkte) und AfD (5 Punkte) hängen damit zusammen, dass sich CDU/CSU in einem enorm starken Aufwärtstrend, die AfD dagegen in einem sehr starken Abwärtstrend befindet. CDU/CSU wurden von Forschungsgruppe Wahlen Anfang März noch bei 26 Prozent gesehen, doch seit Mitte März sehen alle Institute die Schwesterparteien bei 28 bis 32 Prozent, die zwei jüngsten Erhebungen sogar schon bei 30 bis 32 Prozent.

Genau umgekehrt bei der AfD. Der einzige 14 Prozent-Wert stammt hier aus Anfang März. Seither sehen alle Institute die Alternative für Deutschland bei 9 bis 13 Prozent und in den zwei jüngsten Erhebungen liegt sie nur noch bei 10 und 9 Prozent. Diese beiden gegenläufigen Bewegungen sieht man auch sehr deutlich in dieser Zwei-Jahres-Dawum-Grafik:

2020-03-21

Die Union erreicht damit im Wahl-O-Matrix-Mittel den höchsten Wert seit 11 Monaten, die AfD aber den niedrigsten seit zweieinhalb Jahren. Und diese Entwicklung dürfte sich, darauf deutet alles hin, bei beiden fortsetzen.

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