Die Klimasekte

Von Jürgen Fritz, Do. 22. Jul 2021, Titelbild: cocoparisiennePixabay, CC0 Creative Commons

In archaischen Zeiten „erklärten“ die Priester Naturkatastrophen als Strafen der Götter. Seit der jüdischen Erfindung, ihrer christlichen Umformung und der Migration dieser Vorstellungen – beginnend mit Paulus, später durch Mönche – nach Europa, wo bis dahin solch monokausales Denken eher fremd war, waren die Naturkatastrophen dann im Mittelalter, bis hinein in die frühe Neuzeit eine Strafe des einen und einzigen Gottes, also dieser aus dem …

Vom mythischen zum logischen Denken und wieder zurück

… nahen Osten immigrierten Idee. Eine Strafe dieses einen und einzigen Gottes für das „frevelhafte Verhalten der Sünder“. Jetzt konnte also alles auf eine einzige Ursache, auf eine einige Kraft, die in eine einzige gigantische Person hineinprojiziert wurde, „erklärt“ werden, was womöglich monokausales Denken begünstigt, Denken in komplexeren, multikausalen Zusammenhängen erschwert haben könnte. Das müsste genauer untersucht werden, doch die These liegt zunächst einmal nahe.

Das Hochwasser im Süden der USA, vor allem in Louisiana, das schlimmste in der Geschichte dieses US-Staates, sei die Strafe Gottes für Homosexualität, verkündete noch 2016 der christlich-konservative US-Politiker Tony Perkins. Dann trieb die Flut ihn und seine Familie aus ihrem Haus in Louisiana. Und 2020 nannte Filaret Denyssenko, Bischof und Ehrenpatriarch der Orthodoxen Kirche der Ukraine, das neuartige Coronavirus „Gottes Strafe“ für die gleichgeschlechtliche Ehe. Dann infizierte er sich selbst mit SARS-CoV-2 und erkrankte an Covid-19.

Aus dem anderen Kulturraum, in den die jüdisch-christlichen Vorstellungen diffundierten und dort ab dem späten 7. und frühen 8. Jahrhundert nochmals eine andere, noch rabiatere Gestalt annahmen, könnte man wohl noch viel mehr solche Beispiele zusammentragen. Das würde wohl ganze Bücher füllen. Dort scheinen solche „Erklärungsmuster“ bis heute weniger als belächelte Ausnahmen, sondern bisweilen sogar eher noch die Regel.

Im Juli 2021 verkündete nun die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen Katrin Göring-Eckardt, ehemalige Studentin der protestantischen Theologie, Studium abgebrochen, ohne jeden Abschluss und ohne jede Berufsausbildung, gleichwohl von 2009 bis 2012 Präses (Vorsitzende) der Evangelischen Kirche in Deutschland, zu den schrecklichen Hochwassern in Rheinland-Pfalz und NRW sofort: „Natürlich, das sind schon Auswirkungen der Klimakatastrophe“.

Claus Kleber verkündete im ZDF abends gleich ähnliches, andere Politiker, wie der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der CDU-Vorsitzende, NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU), der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), schlossen sich dem sofort an.

Erste wissenschaftliche Erhebungen kommen hingegen zu einem teilweise völlig anderen Ergebnis: Laut Umweltbundesamt (UBA) ist es anders als bei der Temperatur bisher nicht möglich, „statistisch gesicherte klimatologische Aussagen über Änderungen von Starkniederschlagsereignissen zu treffen“. Dazu der Chefreporter Wissenschaft bei der WELT Axel Bojanowski (Diplom-Geologe, Studium der Geowissenschaften mit den Schwerpunkten Paläoklimatologie, Geophysik und Meereskunde):

»In Deutschland haben Niederschläge seit Beginn der systematischen Messungen vor 121 Jahren zu allen Jahreszeiten zugenommen, außer im Sommer: Im Sommer zeigen Niederschläge keinen Trend. (…) In Deutschland … gebe es bislang keinen Trend zu mehr Tagen mit Starkniederschlag, berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seinem aktuellen Klimareport. Im Winter wären mehr Tage mit Höchstmengen an Niederschlag registriert worden, im Sommer hingegen zeige Extremregen keinen Trend, berichtet der DWD. Unwetter wie diese Woche ereignen sich in Deutschland den Daten zufolge also bislang nicht öfter, trotz globaler Erwärmung. Auch Flusshochwasser kämen hierzulande nicht häufiger als früher, berichtet das Umweltbundesamt. (…) Ob aus Starkniederschlag eine Katastrophe wird, hängt ohnehin nicht allein vom Klimawandel ab; andere Faktoren haben weitaus größeren Einfluss.«

Und Dr. Florian Imbery, der Leiter der Abteilung Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst:

»Wir sehen in den Beobachtungsdaten für Mitteleuropa für den Herbst, Winter und das Frühjahr auch eine Zunahme der Starkniederschlagsereignisse, für die Sommermonate aber nicht unbedingt. Wir tun uns deshalb schwer zu sagen, dass wir heute schon einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel sehen.«

Noch deutlicher der Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW:

»Ein solches regionales Unwetter ist ein Einzelereignis, das ist Wetter. Die Behauptung, der Klimawandel ist schuld, ist so nicht haltbar

Die immergleichen Muster

Die Muster scheinen seit vielen, vielen Jahrtausenden immer die gleichen. Die Gehirne des homo sapiens haben sich seit zig Jahrtausenden biologisch kaum verändert und die vergleichsweise kurze Tradition der Aufklärung von zweieinhalb Jahrtausenden, die dann nach wenigen Jahrhunderten durch die aus dem nahen Osten immigrierten Vorstellungen abgelöst wurde, welche dann auch in Europa mehr als tausend Jahre dominant waren und Aufklärung systematisch unterdrückten und nur in genau vorgegebenen Bahnen zuließ, wenn überhaupt, diese meist unterdrückte Aufklärung, die Fähigkeit und der Wille zum kritischen Denken, erreichte auch in nicht extrem unterdrückten Zeiten immer nur einzelne Gesellschaften und in diesen immer nur einige Individuen, nie alle, zeitweise aber freilich doch sehr viele.

Doch der Anteil derer, die erreicht werden, scheint seit einigen Jahrzehnten wieder zurückzugehen und dies ist sicherlich kein natürlich Ereignis, sondern ist gewollt und wird von verschiedenen Ideologien angestrebt, vielleicht weil weniger mündige Menschen leichter gelenkt werden können. Wie sehen nun diese Muster aus?

In manchen Gehirnen sind gewisse Vorstellungen absolut dominant, beherrschen alles. Die gesamte Weltanschauung wird um diese Vorstellungen herum aufgebaut. Das Zentrum ist völlig unverrückbar, unhinterfragbar, sakrosankt, zudem enorm stark emotional aufgeladen, was auf der individuellen Ebene ein Gefühl der Orientierung, der Sicherheit, der Geborgenheit, des Halts erzeugt und auf der gesellschaftlichen Ebene einen starken Zusammenhalt, wenn alle innerlich gleich ausgerichtet sind, was starke Solidaritäten erzeugt, eine Identifikation ermöglicht und identitätsstiftend wirkt.

Und alles, was geschieht, wird immer sofort mit diesen unhinterfragbaren, gefühlsmäßig so stark beladenen Vorstellungen im Zentrum der eigenen Weltanschauung in Verbindung gebracht, dies zugleich mit dem Gefühl einer absoluten Sicherheit, so dass kritische Überprüfungen, so dass Wahrheitsfindung auf rationale und empirische Weise gar nicht mehr notwendig ist. Man weiß es ja schon. Von Anfang an. Zumindest meint man das und ist sich dabei vollkommen sicher.

Daher werden Infragestellungen dieser inneren Sicherheit meist als Angriff auf das eigene Ich, die eigene Identität, den inneren Halt, die Orientierung empfunden. Und wenn Menschen sich in ihrem Innersten angegriffen fühlen, in ihrem Kern, neigen sie meist zur Gewalt, weil sie diesen „Angriff“ als Bedrohung ihres Innersten ansehen.

Und als Angriff wird hier oft schon empfunden, wenn einfach einer da ist, der andere Vorstellungen hat, der vom „rechten Glauben“ abrückt, selbst wenn er sonst gar nichts macht. Daher auch die strengen Strafen auf „Apostasie“ in einigen zutiefst metaphysisch spekulativ geprägten Gesellschaften. Denn schon das Vorhandensein von jemand mit einem anderen Weltbild hält ja quasi einen Spiegel vor und zeigt, dass es auch anderes geben könnte, relativiert somit das Eigene und zeigt es als nur eine Möglichkeit unter mehreren auf. Damit ist das Sicherheitsgefühlt bereits empfindlich gestört und mit so einer Störung zurechtzukommen, das auszuhalten, muss man erst lernen. Das sind persönliche Reifungsprozesse.

Diese Reifungsprozesse werden von diesen derart geformten Gehirnen aber gerade abgelehnt. Wozu etwas überprüfen, wenn man sich so sicher ist? Ergo sind diejenigen, die diesen Glauben, dieses Gefühl der Gewissheit nicht teilen und das rational und wissenschaftlich, unvoreingenommen untersuchen wollen, „Ketzer“. „Ketzer“, die offensichtlich „Böses“ im Schilde führen müssen, wenn sie das absolut Gewisse, dem nicht selten auch der Rang des Heiligen zugeschrieben wird (daher die „heilige Greta“), antasten wollen, es in Zweifel ziehen oder einfach nur befragen, überprüfen wollen.

Auch die zweite große Aufklärungswelle scheint zu verebben

Diese „Erklärungs-„ und Verhaltensmuster, diese Formung der Gehirne war ausgehend von Griechenland vor zweieinhalb Jahrtausenden in größeren Teilen Europas und im Mittelmeerraum in einigen Gesellschaften zumindest teilweise, ab dem 17., 18. Jahrhundert zunächst in Europa und Nordamerika, dann auch andernorts (Australien, Ostasien …), zwar nie vollständig, aber doch weitgehend überwunden, zurückgedrängt, war zumindest nicht mehr gesamtgesellschaftlich dominant.

Doch das scheint sich seit geraumer Zeit sukzessive wieder zu ändern. Die zweite große Aufklärungswelle könnte wie die erste vor über 1500 Jahren wieder verebben und erneut weitgehend vergessen werden. Das scheint auch gewollt zu sein und dabei helfen, so scheint es, viele mit. Sehr viele. Und das Klimathema scheint hierbei ein idealer Hebel zu sein.

Wie man eine neue Sekte erschafft

Michael Klonovsky beschreibt den Mechanismus wie folgt:

„Als erstes sollen Sie glauben, dass jedes Extremwetterereignis auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

Dann sollen Sie glauben, dass der Klimawandel zu erheblichen Teilen oder sogar vollständig aus menschlichen Tätigkeiten resultiert. – (Damit wäre der Klimawandel beherrschbar, man könnte ihn gleichsam wieder abstellen oder zumindest stark drosseln, wäre ihm nicht machtlos ausgeliefert, ein Gefühl, das Menschen grundsätzlich nicht mögen. Zudem fügt sich ein solches Bild, eine solche Vorstellung in den uralten Narrativ der biblischen Schöpfungsgeschichte vom wunderbaren Garten Eden, den der böse Mensch durch seine Sündhaftigkeit befleckte, Vorstellungen, die sehr tief in den Seelen verwurzelt sind im jüdisch-christlichen Kulturkreis und mit sehr naiven, romantisierenden Naturvorstellungen korrespondieren. Hier kann die Klimasekte geradezu ideal andocken. In China oder Japan dürfte das weit schwieriger sein. JF)

Als nächstes sollen Sie glauben, dass der Klimawandel hochgefährlich und ausschließlich mit Nachteilen verbunden ist, weshalb zu seiner Bekämpfung extreme Mittel … recht sind.

Sodann müssen Sie an die Existenz einer sogenannten Menschheit glauben, die imstande ist, einheitlich zu handeln und sich global so zu organisieren, dass sie kaum noch Kohlendioxid produzieren und auf diese Weise den Klimwandel beenden wird.

Zur Erleichterung Ihrer Aufnahmebereitschaft für den Gesamtkatechismus empfiehlt es sich zudem, fest daran zu glauben, dass zur Endlösung der Klimafrage nur die sogenannten erneuerbaren (und im Netz speicherbaren) Energien taugen …“

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