Zwei Drittel der Thüringer wünschen sich Ramelow zurück

Von Jürgen Fritz, Fr. 07. Feb 2020, Titelbild: phoenix-Screenshot

Wie heute schon gemeldet, würde die FDP laut Forsa bei Neuwahlen derzeit gar nicht mehr in den Thüringer Landtag einziehen, die CDU verlöre fast 10 Punkte, die Linkspartei dagegen gewänne 6 Punkte dazu. Dunkelrot-Rot-Grün hätte damit eine klare Mehrheit im Parlament und bräuchte gar keine Minderheitsregierung mehr. Interessant sind aber auch einige andere Zahlen, die Forsa ermittelte, so insbesondere dass 77 Prozent der Thüringer es nicht gut finden, dass Thomas Kemmerich (FDP) auch mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.

CDU würde derzeit vier von neun Wählern verlieren, die FDP jeden Fünften

Vier von neun Wählern würde die CDU momentan bei Neuwahlen verlieren, sagt Forsa. Sie fiele von 21,7 auf 12 Prozent. Dabei hatte sie ja schon bei der Oktoberwahl fast 12 Prozentpunkte gefallen von 33,5 auf 21,7 Prozent. Nun also nur noch 12. Die FDP verlöre ungefähr jeden fünften Wähler, fiele von 5 auf 4 Prozent. Die Linkspartei dagegen könnte ihren ohnehin schon deutlichen Vorsprung von 31 auf 37 Prozent sogar nochmals klar ausbauen.

So sähe das Ergebnis laut Forsa derzeit aus, wenn es jetzt Neuwahlen gäbe (in Klammern die Veränderungen zur Landtagswahl vom 27.10.2029):

  1. LINKE: 37 % (+ 6,0)
  2. AfD: 24 % (+ 0,6)
  3. CDU: 12 % (– 9,7)
  4. SPD: 9 % (+ 0,8)
  5. GRÜNE: 7 % (+ 1,8)
  6. FDP: 4,0 % (– 1,0)
  7. Sonstige: 7 % (+ 1,5)
2020-02-07-Forsa

(c) JFB

77 Prozent finden es nicht gut, dass Kemmerich mit den Stimmen auch der AfD gewählt wurde

Interessant und aufschlussreich, wie die Wähler ticken, sind nun aber auch folgende Zahlen.

Dass Thomas Kemmerich mit den Stimmen von FDP, CDU und AfD gewählt wurde, finden nur 20 Prozent gut oder sehr gut, 77 weniger gut bzw. schlecht. Betrachtet man, wie die Anhänger der einzelnen Parteien dies sehen, so ergibt sich folgendes differenziertes Bild:

  1. AfD: 7621
  2. FDP: 5147
  3. CDU: 3068
  4. SPD: 692
  5. Grüne: 296
  6. Linke: 297

Mehr als Dreiviertel der Gesamtbevölkerung Thüringens fand die Wahl von Kemmerich (FDP) also nicht gut. Nur den AfD-Anhänger hat dies eindeutig gefallen. Selbst die FDP-Anhänger sehen es in etwa halb-halb beziehungsweise minimal positiv (51-47). Alle anderen werten diese Wahl klar negativ. Die CDU-Anhänger zu mehr als zwei Drittel, die Wähler von SPD, Grüne und Linke sogar zu über 90 respektive sogar zu über 95 Prozent (Grüne und Linke).

Die politische Stabilität des demokratischen Systems in Deutschland ist durch die Wahl eines Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD gefährdet, dazu sagen 56 Prozent der Gesamtbevölkerung ja, 42 Prozent nein. Betrachten wir es wieder differenzierter nach den Anhängern der verschiedenen Parteien, ergibt sich folgendes Bild:

  1. Linke: 8314
  2. Grüne: 7326
  3. SPD: 6731
  4. CDU: 4255
  5. FDP: 30 68
  6. AfD: 693

Über 70 Prozent meinen, Kemmerich hätte die Wahl ablehnen sollen, und fänden seinen Rücktritt richtig

Thomas Kemmerich hätte die Wahl ablehnen sollen: 72 Prozent sagen dazu ja, nur 26 Prozent nein. Die Anhänger der verschiedenen Parteien sehen es wie folgt:

  1. Linke: 962
  2. Grüne: 926
  3. SPD: 917
  4. CDU: 5737
  5. FDP: 3558
  6. AfD: 1385

Damit wird auch klar, warum Kemmerich und Lindner einen riesigen Fehler begangen haben. Selbst über ein Drittel der FDP-Anhänger ist der Auffassung, Kemmerich hätte die Wahl erst gar nicht annehmen dürfen. Außer den AfD-Anhängern fanden alle anderen dies mehrheitlich nicht gut, das rot-rot-grüne Lager sogar zu 91 bis 96 Prozent.

Thomas Kemmerichs Rücktritt finden richtig: 70 Prozent der Gesamtbevölkerung, nur 28 Prozent sagen dazu nein. Betrachten wir auch hier wieder, wie die Wähler der einzelnen Parteien dazu stehen:

  1. Grüne: 972
  2. Linke: 945
  3. SPD: 935
  4. CDU: 5837
  5. FDP: 3063
  6. AfD: 1088

Auch hier also ein ähnliches Bild: Grüne-, Linke- und SPD-Wähler wollen unbedingt Kemmerichs Rücktritt, CDU-Wähler wollen ihn mehrheitlich auch und sogar drei von zehn FDP-Anhängern. Nur AfD-Wähler möchten unbedingt, dass Kemmerich im Amt bleibt.

Zwei Drittel der Thüringer wünschen sich Ramelow zurück

Für das Verhalten der CDU in Thüringen haben Verständnis: 26 Prozent ja, 71 Prozent nein. Nur die Anhänger der AfD und der FDP haben mehrheitlich Verständnis für die CDU:

  1. AfD: 8213
  2. FDP: 7328
  3. CDU: 3958
  4. SPD: 692
  5. Grüne: 494
  6. Linke: 395

Die thüringische CDU erhält also deutlich mehr Verständnis von AfD- und FDP-Anhängern als von den eigenen, die deren Verhalten mehrheitlich ablehnt. Vom rot-rot-grünen Lager wird die thüringische CDU sogar regelrecht verurteilt.

Dass Bodo Ramelow nicht mehr Ministerpräsident ist, bedauern: 65 Prozent der Gesamtbevölkerung, nur 30 Prozent bedauern dies nicht. Hier ergibt sich bei den verschiedenen Parteianhängern folgendes Bild:

  1. Linke: 981
  2. Grüne: 924
  3. SPD: 897
  4. CDU: 3850
  5. FDP: 2570
  6. AfD: 1879

Dass Bodo Ramelow in der thüringischen Bevölkerung sehr beliebt ist, war bekannt. Nicht nur Linken-, Grünen- und SPD-Wähler wünschen ihn sich als Ministerpräsident zurück (zu 89 bis 98 Prozent), sogar fast 40 Prozent der CDU-Wähler und jeder vierte FDP-Anhänger fände das gut und selbst fast jeder fünfte AfD-Wähler.

Mehr als zwei von drei Wählern wünscht sich Neuwahlen

Neuwahlen finden richtig: 68 Prozent, 29 Prozent sagen dazu nein. Neuwahlen wollen vor allem die Anhänger der Grünen, der Linkspartei und der SPD:

  1. Grüne: 953
  2. Linke: 942
  3. SPD: 8810
  4. CDU: 4849
  5. AfD: 25 67
  6. FDP: 2372

Vor allem das rot-rot-grüne Lager will also unbedingt Neuwahlen, wovon es enorm profitieren würde, wie wir inzwischen wissen. Die CDU-Anhänger sehen das gemischt, AfD- und FDP-Wähler möchten keine Neuwahlen, Letztere am allerwenigsten, da sich viele wohl schon denken konnten, dass die FDP dabei aus dem Landtag fliegen würde. Den 48 Prozent CDU-Anhängern, die Neuwahlen wollten, war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, wie sehr ihre Partei dabei einzubrechen drohte.

Forsa befragte im Auftrag der Mediengruppe RTL am Donnerstag, den 6. Februar 2020, in Thüringen 1.003 Personen. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

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