AfD fällt auf neues Zwei-Jahres-Tief, Union steigt auf Neun-Monats-Hoch

Von Jürgen Fritz, Fr. 20. Mär 2020, Titelbild: © JFB

Jetzt droht die AfD richtig einzubrechen. Im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute fällt sie auf ein neues Zwei-Jahres-Tief von 12,4 Prozent, liegt damit sogar unter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl vor zweieinhalb Jahren. In diesem Mittelwert von 12,4 Prozent sind aber noch drei Umfragen von Ende Februar, Anfang März enthalten, in denen die AfD noch durchweg bei 14 Prozent lag. In den vier Befragungen Mitte März liegt sie bereits in allen vieren deutlich niedriger. Bei Civey fällt sie aktuell auf 10,8 und bei Infratest dimap sogar auf 10 Prozent. CDU/CSU überspringen dagegen in den beiden aktuellsten Umfragen erstmals seit fast zehn Monaten die 30 Prozent-Marke.

AfD-Kurve zeigt steil nach unten, die der Union steil nach oben

Vor drei Tagen schrieb ich, dass die AfD bei INSA, dem Institut, dem man nicht ganz grundlos nachsagt, dass es eine gewisse Nähe zur AfD habe, in nicht mal 18 Monaten fast 30 Prozent ihrer Anhänger verloren habe. Im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute waren es da erst 23,5 Prozent der Anhänger, die verloren gegangen waren. Aber ich deutete schon an, dass die AfD im Wahl-O-Matrix-Mittelwert höchstwahrscheinlich weiter fallen wird. Genau das ist nun geschehen und dürfte sich auch weiter fortsetzen. Denn seit Dienstag fällt die AfD im Mittelwert aller Institute weiter von 13,0 auf jetzt 12,4 Prozent und hat damit auch bei Wahl-O-Matrix nun über 27 Prozent ihrer Anhänger verloren. Und dabei wird es nicht bleiben. Die Reise nach unten wird weitergehen. Weshalb das, dazu gleich mehr. Doch zunächst zu der Partei respektive den beiden Schwesterparteien, die derzeit als einzige klar zulegen können: CDU/CSU.

In den beiden aktuellsten Umfragen von Civey (mittlerer Befragungstag 14./15.03.) und Infratest dimap (mittlerer Befragungstag 17./18.03.) steigt die Union auf 30,6 bzw. 30 Prozent. Eine drei vorne haben CDU/CSU fast zehn Monate lang nicht mehr gesehen, bei keinem einzigen Institut. Auch im Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller sieben Institute, die bezogen auf den mittleren Tag der Befragung in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, steigt die Union deutlich an auf jetzt 28,2 Prozent. Dabei unterscheiden sich die drei älteren Umfragen von Ende Februar, Anfang März, in denen CDU/CSU noch bei 26,3 Prozent lag, deutlich von den vier neueren von Mitte März. In diesen vier liegt sie nämlich im Schnitt bereits bei über 29,5 Prozent. Der Trend geht also ganz klar nach oben. Dies sieht man hier sehr schön auch in der Zwei-Jahres-Grafik von Dawum, welches mit einem ähnlichen Verfahren arbeitet wie Wahl-O-Matrix, die Umfragen aber nach Aktualität gewichtet, gleichwohl zu fast identischen Ergebnissen kommt wie Wahl-O-Matrix:

2020-03-19

Die Bürger sind zu zwei Dritteln mit dem Corona-Krisenmanagement der Regierung zufrieden

Bei diesem deutlichen Anstieg der Zustimmungswerte für CDU/CSU dürfte die Coronakrise eine Rolle spielen. Denn einerseits hat die Sorge vor einer Ansteckung nun doch schon ca. 48 Prozent der Bevölkerung erreicht, wie Infratest dimap im Auftrag des ARD-Deutschlandtrends ganz aktuell ermittelte:

Sorge vor Ansteckung

Und andererseits ist die große Mehrheit der Bürger, ca. zwei Drittel, mit dem Krisenmanagement der schwarz-roten Regierung zufrieden (51 %) oder gar sehr zufrieden (14 %). Nur ein Drittel ist weniger (22 %) oder gar nicht zufrieden (11 %).

Zufrieden mit Regierungs-Krisenmanagement

Und die überwiegende Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Regierung zieht sich quasi durch die Anhänger aller Parteien hindurch:

Nach-Parteien-zufrieden mit Regierungs-Krisenmanagement

Selbst die Anhänger der AfD sind mehrheitlich nicht unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierung und alle anderen sind mehrheitlich sogar klar zufrieden damit, bei den Anhängern der SPD, der CDU/CSU und den Grünen sogar zu über 80 Prozent. Davon dürfte insbesondere die Union auch profitieren, die ja den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), den Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stellt, welche sich der Coronakrise besonders angenommen haben.

So würden die Deutschen derzeit in etwa wählen

Wahl-O-Matrix hat wie immer die Werte aller Institute, die bezogen auf den mittleren Tag der Befragung in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, die jeweils aktuellste ausgewertet, zusammengefasst und das arithmetische Mittel errechnet. Herangezogen wurden die Werte von a) (YouGov, mittlerer Befragungstag: 29.02./01.03.), b) Forschungsgruppe Wahlen (04.03.), c) Kantar (07./08.03.), d) Forsa (11.03.), e) INSA (14./15.03.), f) Civey (14./15.03.) und g) Infratest dimap (17./18.03.). Angegeben ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert sowie fettgedruckt das arithmetische Mittel aller Werte:

  1. CDU/CSU: 26 30,6 % ==> 28,2 %
  2. GRÜNE: 2123 % ==> 22,2 %
  3. SPD: 1417 % ==> 15,2 %
  4. AfD: 1014 % ==> 12,4 %
  5. LINKE: 810 % ==> 9,0 %
  6. FDP: 5,77 % ==> 6,3 %
  7. Sonstige: 58 % ==> 6,7 %

2020-03-20

73 Prozent der Wahlberechtigten lehnen die AfD vollkommen ab

Dabei geht die Tendenz bei der Union wie gesagt klar nach oben, bei der AfD aber umso deutlicher nach unten. Dies erkennt man sehr deutlich, wenn man sich ihre sieben Werte chronologisch geordnet nach dem mittleren Tag der Befragung anschaut:

14 % – 14 % – 14 % – 11 % – 13 % – 10,8 % – 10 %

Dabei kommen die 13 Prozent von dem als AfD-nah geltenden INSA-Institut. Dieses führt regelmäßig nicht nur die sogenannte Sonntagsfrage durch

„Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wären, wie würden Sie wählen?“,

sondern es führt darüber hinaus eine sogenannte Potential-Analyse durch. Dazu fragt es auch, ob die Personen sich ihrer Wahlentscheidung im Moment sicher wären (harter Kern) und fragt auch:

„Welche der folgenden (anderen) Parteien können Sie sich grundsätzlich vorstellen zu wählen?“

und schließlich:

„Und welche der folgenden Parteien können Sie sich grundsätzlich gar nicht vorstellen zu wählen?“.

2020-03-17

Dabei ergibt sich für die AfD das folgende Bild:

  • Der harte Kern der AfD beträgt laut dem AfD-nahen INSA-Meinungstrend derzeit gerade noch ca. 10 Prozent.
  • Im Moment würden ca. 13 Prozent ihre Stimme der AfD geben (bei anderen Instituten eher weniger).
  • Das maximale Potential betrüge derzeit nur noch 16 Prozent. Nur 3 Prozent, die im Moment etwas mehr zu einer anderen Partei tendieren, könnten sich vorstellen, auch die AfD zu wählen. Zum Vergleich: Das maximale Potential von CDU/CSU beträgt aktuell ca. 43,5 %, bei den Grünen 40 %, bei der SPD 37,5 %, bei der Linkspartei 23,5 %, bei der FDP 22,5 und bei der AfD nur 16 %.
  • Nun aber zu der schlimmsten Zahl von allen für die AfD: Während bei allen anderen Parteien maximal 21 bis 38 Prozent sagen, dass sie die grundsätzlich nicht wählen würden, sind dies bei der AfD 73 Prozent, also fast drei Viertel der Wahlberechtigten. Ein katastrophaler Wert! Und diese Zahl nimmt nicht ab, sondern nimmt sogar noch zu. Das heißt, die Ablehnung der AfD nimmt nicht ab, sondern zu.

Der Flügel droht die gesamte Partei in den Abgrund zu ziehen

Warum dem so ist, wird noch genauer zu erörtern sein, aber sicherlich dürfte dabei die Einstufung der völkischen AfD-Flügels um die Rechtsextremisten Björn Höcke und Andreas Kalbitz als „erwiesen extremistische Bestrebung“ durch den Verfassungsschutz eine Rolle spielen wie auch Höckes erneutes öffentliches Kundtun, wie er mit Kritikern des Flügels umzugehen gedenkt:

“Die, die nicht in der Lage sind, Disziplin zu leben, die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal ausgeschwitzt werden aus unserer Partei.” 

Nach einer pluralistischen, demokratischen Partei hört sich das nun nicht gerade an, wenn alle, die nicht auf Höcke-Kurs sind, aus der Partei herausgedrängt werden sollen. Genau das war übrigens ein Kriterium, warum der Verfassungsschutz den Höcke-Flügel, der längst sektenartige Allüren entwickelt hat (Höcke-Sekte, Höcke-Jugend, Personenkult) als rechtsextremistisch einstufte: Weil dieser der „Einheit“ willen sämtliche innerparteiliche Kritiker zu unterdrücken oder gar aus der Partei herauszudrängen sucht. So einer Partei wollen offensichtlich 73 Prozent der Bundesbürger überhaupt nicht.

Die AfD schaffte es aber über sieben Jahre lang nicht, sich von diesen Rechtsextremisten in der Partei zu trennen, deren Anzahl der Verfassungsschutz auf mindestens 7.000 von knapp 35.000 AfD-Mitgliedern schätzt (20 Prozent), wobei andere durchaus eher auf Schätzungen von 30 Prozent (über 10.000) kommen. Insofern stellt sich die Frage: Wenn eine Partei, zumal eine so kleine, es mehr als sieben Jahre lang nicht schaffte, sich von tausenden Rechtsextremisten in der Partei zu trennen, ja deren Anteil an den Mitgliedern und deren Einfluss sogar kontinuierlich anwächst und sie liberale Mitglieder aus der Partei herausdrängt („ausschwitzt“), ist sie dann nicht letztlich insgesamt so sehr extremistisch kontaminiert, dass sie nicht mehr gerettet werden kann?

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