Warum der Kniefall der deutschen Nationalelf und der englischen so wichtig war

Von Jürgen Fritz, Mi. 30. Jun 2021, Titelbild: sportstudio-Screenshot

Ich finde es gut, dass die deutsche Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen England ein Zeichen setzte und dass die Engländer da auch mitmachten, angesichts dieser schrecklichen Mordfälle in Würzburg und Wien, wo zum wiederholten Male deutsche Frauen bzw. ein österreichisches Kind brutalen Gewaltverbrechen zum Opfer fielen, wie wir das mehr als ein halbes Jahrhundert kaum noch kannten, seit Jahren nun aber wieder…

… in einer Quantität und Qualität erleben müssen, die kaum anders als zutiefst schockierend bezeichnet werden kann. Und diese schrecklichen archaischen Gewaltverbrechen, die zum Glück niemand als „Geschehnisse“ abzutun versucht – wie gut, dass wir so eine sauber arbeitende, auch moralisch einwandfreie Presse und einen solchen Rundfunk haben, die noch wissen, was Berufsethos bedeutet – stehen ja nur in einer langen Reihe von ähnlichen solchen Gewaltverbrechen, die alle eine gemeinsame Grundstruktur aufweisen.

Genannt seien hier nur exemplarisch: Paris-Bataclan (Nov. 2015), Nizza (Juli 2016), Würzburg (Juli 2016), Ibbenbüren (NRW, Juli 2016), Reutlingen (Juli 2016), Ansbach (Franken, Juli 2016), Nordfrankreich (Juli 2016), Hamburg (Okt. 2016), Berlin-Breitscheidplatz (Dez. 2016), Hamburg-Barmbek (Juli 2017), Barcelona und Cambrils (Aug. 2017), Hamburg (Okt. 2017), Mühlacker (März 2018), Carcassonne und Trèbes (März 2018), Hamburg (April 2018), Ebersbach (Dez. 2020) usw. usf. Die Liste ließe sich über Seiten fortführen.

Sicher, normalerweise sollte man Politik aus dem Sport heraushalten, auch ich bin dieser Ansicht. Zumal gerade in diesem Bereich ja ungeheuer viele Heuchler unterwegs sind. Aber manchmal muss man vielleicht auch eine Ausnahme von der Regel machen, zumal wir vielleicht vor eine Scheide stehen, was die Zukunft unseres Landes, unseres Kontinents, unserer Kultur und all der Errungenschaften anbelangt, welche wir der Aufklärung zu verdanken haben.

Wir brauchen unbedingt eine gesellschaftliche Verständigung, dass wir diese mehr als ungute, ja diese zutiefst beängstigende Entwicklung nicht länger hinnehmen wollen, dass wir nicht zurück wollen vor die Aufklärung, nicht zurück wollen ins Mittelalter oder gar in archaische Zeiten und Verhaltensmuster. Wir dürfen da nicht länger die Augen verschließen. Wir dürfen hier nicht länger blind sein, sondern müssen uns diesem gewaltigen, ob seiner Größe sich auch Angst einflößenden Problem stellen.

Ich kann ja verstehen, dass viele sich einfach fürchten, das anzupacken. Aber wir dürfen jetzt keine Nebenkriegsschauplätze eröffnen, um uns selbst etwas vorzumachen, uns selbst etwas in die Tasche lügen, dass wir doch etwas tun und gar nicht feige sind. Nein, wir müssen uns jetzt auf das Wesentliche konzentrieren und alle zusammen mutig sein. Zusammen können wir das schaffen! Da gilt es jetzt zusammen zu stehen, so wie die deutsche und englische Nationalmannschaften. 

Und deshalb war so ein mutiges, couragiertes Agieren einfach toll. Das hatte wirklich Charakter. Manchmal muss man einfach Haltung, muss einfach Moral zeigen. Insofern vielen Dank an die deutsche und an die englische Nationalelf. Bitte mehr davon! Wir brauchen dringend Veränderungen in diesem Land und auf diesem Kontinent. Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir wollen uns nach vorne entwickeln in die Zukunft und nicht zurück in eine finstere Vergangenheit, die wir längst überwunden glaubten. Bitte machen auch Sie mit! Wir brauchen jetzt jeden anständigen Bürger, Politiker, Journalisten, Künstler, Schauspieler und auch Sportler.

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