AfD in Sachsen bei 25 Prozent, stärker als Grüne, SPD und FDP zusammen

Von Jürgen Fritz, Sa. 06. Apr 2019

Vor zwei Wochen berichtete JFB über die IM Field/FB Czaplicki-Umfrage bezüglich der in knapp fünf Monaten anstehenden Landtagswahl in Sachsen. Diese Umfrage wurde im Auftrag der Leipziger Zeitung erstellt und kam zu sehr überraschenden, ja seltsamen Ergebnissen, die irgendwie nicht so ganz glaubwürdig erschienen. Demnach sollte die AfD innerhalb von drei Monaten von 25 auf 18 Prozent gefallen und Die Grünen in 15 Monaten von 4 auf 16 Prozent gestiegen sein. JFB blieb natürlich am Ball und beobachtete das Geschehen weiter und siehe da, nun erschien eine neue Befragung, die zu deutlich anderen Ergebnissen kommt als die wenig glaubhafte IM Field-Umfrage.

Schwarz-Rot fällt auf 37 Prozent

Erinnern wir uns zurück. In den 1990er-Jahren kam die CDU bei Landtagswahlen in ihrer Hochburg Sachsen auf Werte von fast 60 Prozent (1994: 58,1). Doch inzwischen schafft sie in der aktuellen Umfrage von INSA, welche im Auftrag des CDU-Landesverbandes durchgeführt wurde, nicht einmal mehr die Hälfte, käme momentan gerade noch auf 28 Prozent, ein Punkt weniger als im Dezember 2018. Auch der Regierungspartner der Sachsen-CDU, die SPD, verliert in den letzten Monaten nochmals einen Punkt und fällt auf nun 9 Prozent, ist damit nun auf dem Level der Grünen, die ebenfalls auf 9 Prozent kämen.

Die amtierende schwarz-rote Landesregierung hätte damit gerade noch 37 Prozent. (2014 bei der letzten Landtagswahl waren es noch 52). Von einer „GroKo“ kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein und von einer Mehrheit ist Schwarz-Rot derzeit meilenweit entfernt. Auch die Linkspartei (SED, PDS, DIE LINKE) würde derzeit laut INSA leichte Verluste von einem Punkt hinnehmen müsse und fiele auf jetzt 17 Prozent, wäre damit auf Platz drei.

AfD stärker als Grüne, SPD und FDP zusammen

Der große Gewinner gegenüber der Landtagswahl 2014 wird aber wohl auf jeden Fall die AfD und das in weit größerem Maß als es IM Field vor zwei Wochen suggerierte. Die Alternative für Deutschland wird von INSA, das im allgemeinen sehr verlässliche Werte liefert, siehe insbesondere die letzte Bundestagswahl, wo INSA sogar vor Wahl-O-Matrix auf Platz eins lag, nicht auf 18, sondern auf 25 Prozent berechnet.

Die AfD wäre somit aktuell in Sachsen stärker als Grüne (9), SPD (9) und FDP, die bei 6 Prozent liegen, zusammen!

Hier das Ganze im Überblick (in Klammern die Veränderungen gegenüber der INSA-Umfrage vom 20.12.2018):

  1. CDU: 28 % (– 1)
  2. AfD: 25 %
  3. LINKE: 17 % (– 1)
  4. GRÜNE: 9 %
  5. SPD: 9 % (– 1)
  6. FDP: 6 %
  7. Sonstige: 6 % (+ 3)
2019-04-05

1.028 im Zeitraum 07.03. bis 18.03. per Telefon und Online-Panel Befragte

Regierungsbildung

Auf Grund der 6 Prozent für sonstige Parteien, die den Einzug in den Landtag wegen der Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen werden, dürften also so ca. 47 Prozent für eine Mehrheit der Sitze im Landtag reichen. Davon sind aber nicht nur Schwarz-Rot mit 37, sondern auch Schwarz-Grün mit ebenfalls 37 und Schwarz-Gelb mit 34 Prozent weit entfernt. Selbst für eine Dreierkombination Schwarz-Grün-Rot würde es mit 46 aktuell nicht ganz reichen, für Schwarz-Rot-Gelb oder Schwarz-Grün-Gelb mit jeweils 43 Prozent noch weniger. Und auch Schwarz-Dunkelrot hätte mit 45 Prozent keine Mehrheit. Geht also womöglich kaum noch ein Weg an Schwarz-Blau, an CDU-AfD vorbei?

Mögliche Kombinationen:

  1. CDU + LINKE + GRÜNE: 54 %
  2. CDU + LINKE + SPD: 54 %
  3. CDU + AfD: 53 %
  4. CDU + GRÜNE + SPD + FDP: 52 %
  5. CDU + GRÜNE + SPD: 46 %
  6. CDU + LINKE: 45 %
  7. CDU + GRÜNE: 37 %
  8. CDU + SPD: 37 %
  9. CDU + FDP: 34 %

Letztlich könnte die CDU einem Bündnis mit der AfD nach aktuellem Stand nur aus dem Weg gehen über eine Dreier-Kombi mit der Linkspartei plus Grüne oder SPD oder einer Vierer-Kombi mit Grüne, SPD und FDP.

Gewinne und Verluste gegenüber der Landtagswahl 2014

  1. AfD: + 15,3 %
  2. GRÜNE: + 3,3 %
  3. FDP: + 2,2 %
  4. LINKE: – 1,9 %
  5. SPD: – 3,4 %
  6. Sonstige: – 4,1 %
  7. CDU: – 11,4 %

Vor allen Digenen der CDU drohen massive Verluste, nach jetzigem Stand 11,4 Punkte (!), aber auch der SPD, welche im Moment nochmals mehr als jeden vierten ihrer Wähler verlieren würde. Ja der SPD droht in Sachsen sogar wie in Bayern im Oktober ein einstelliges Ergebnis. Leicht verlieren dürfte, Stand heute, auch die Linkspartei.

Zulegen kann dagegen die FDP und zwar von 3,8 auf ca. 6 Prozent, hätte derzeit also keine schlechten Aussichten, wieder in den sächsischen Landtag einzuziehen. Zulegen können auch dem allgemeinen Bundestrend entsprechend – allerdings weit weniger als IM Field dies angab – Die Grünen, welche von knapp 6 auf ca. 9 Prozent steigen würden, wären jetzt Landtagswahlen.

Der ganz große Gewinner bei der Landtagswahl am 01.09.2019 dürfte dagegen die AfD werden. Diese würde nach aktuellem Stand von 9,7 auf ca. 25 Prozent steigen und ist derzeit die klare Nr. 2 in Sachsen, damit eigentlich auch als Regierungspartner prädestiniert. Bei einem Ergebnis von deutlich über 20, womöglich sogar 25 Prozent am 1. September wird es interessant werden, was die CDU dann machen, wen sie mit ins Regierungsboot holen wird. Die Schwarzen würden dann quasi Farbe bekennen müssen.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Andrea Nahles, SPD-Bundesvorsitzende

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