Was sagen eigentlich die beiden Bundesvorsitzenden der AfD zur Tat von Hanau?

Von Jürgen Fritz, Mi. 01. Apr 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Seit Wochen ist ein heftiger Streit um das schreckliche Verbrechen in Hanau entbrannt, als ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen mit Migrationshintergrund, seine Mutter und sich selbst erschoss. Die einen behaupten sofort, das sei ein Geisteskranker, mit Rechtsextremismus habe das nichts zu tun, als ob sich das gegenseitig ausschließen würde. Für andere war dagegen sofort klar: Das war ein Rechtsextremist und die AfD sei mit schuld, weil sie solches Gedankengut hoffähig gemacht und verbreitet habe. Gestern meldete sich nun der Präsident des BKA zu Wort und stellte fest: Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch. Die Tatbegehung beruhte auf rassistischen Motiven.“ Doch was sagen eigentlich die beiden Bundesvorsitzenden der AfD zu dem Ganzen?

Die zwei Bundesvorsitzenden der AfD, oder wie es offiziell heißt bei dieser Partei: „Bundessprecher“, haben bereits am 23. Februar einen offenen Brief an alle AfD-Mitglieder verfasst und veröffentlicht, der hier wiedergegeben werden soll, denn dieser ist gleich in mehrfacher Hinsicht recht aufschlussreich.

Offener Brief von Chrupalla und Meuthen an alle AfD-Mitglieder vom 23.02.2020

»Liebe Mitglieder,

die Morde von Hanau sind ein entsetzliches Verbrechen. Wir alle trauern um die Opfer dieser schrecklichen Tat und fühlen mit den Angehörigen. Unter den zehn Getöteten ist auch die Mutter zweier Kinder, die in einem Kiosk neben der von dem Täter überfallenen Shisha-Bar arbeitete. Sie wurde nur 35 Jahre alt, ihre Kinder sind nun Halbwaisen. Das Leid von Hanau ist kaum in Worte zu fassen. Es lastet schwer auf unserer Gesellschaft und droht sie weiter zu spalten, weil sich neben der stillen Trauer Wut und Hass Bahn brechen. Auch wir sind voller Trauer über das Geschehene und darüber, dass so etwas in unserem Land überhaupt möglich ist.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Tat von Hanau ist ein rassistisches Verbrechen. Ihr Motiv war Ausländerhass. Auch wenn Ärzte heute von einem psychisch schwer geschädigten Täter sprechen: Die Morde von Hanau sind wie der Mord an Walter Lübcke und die Morde von Halle eine Schande für Deutschland. Und wir sind zutiefst betroffen, dass all diese Taten nicht verhindert werden konnten. Das heißt, wir müssen prüfen, ob es Versäumnisse bei den Sicherheitsbehörden oder anderen Einrichtungen gab.

Zugleich müssen jetzt alle demokratischen Kräfte in unserem Land gegen jede Form von Extremismus zusammenstehen. Wir als AfD dürfen und werden es nicht zulassen, dass extremistische Gewalttäter den gesellschaftlichen Frieden zerstören. Ebenso wenig aber werden wir es zulassen, dass der politische Gegner und Teile der Medien uns in diesem Kampf für Freiheit, Demokratie und den Rechtsstaat ausgrenzen und in die Nähe des Rechtsextremismus rücken wollen. Allerdings müssen wir uns auch fragen, warum es unserem politischen Gegnern gelingt, uns überhaupt mit solch einem Verbrechen in Verbindung zu bringen. Dieser Frage müssen wir uns stellen, auch wenn es schwerfällt.

Unsere Partei steht programmatisch fest auf dem Boden des Grundgesetzes. Wir bekennen uns zum Völkerrecht und erheben die Würde des Menschen zur Maxime unserer Politik (Anmerkung JFB: wenngleich die Rechtsextremisten in der AfD, die meist Anhänger des Ethnopluralismus sind, der keine universellen Werte kennt, also auch keine universelle Menschenwürde und universelle Menschenrechte). So steht es im Parteiprogramm (Anmerkung JFB: Nun gut, da steht viel. Das wurde ja auch vor Jahren geschrieben, als die Kräfteverhältnisse in der AfD noch deutlich andere waren). Und genau aus diesem Grund hat sich die AfD formiert: weil wir unsere eigenen Grund- und Menschenrechte bedroht sehen (Anmerkung JFB: Wer sich nur für die eigenen Grund- und Menschenrechte interessiert, der ist kein Menschenrechtsanhänger, sondern ein praktischer Egoist, der dieses Konzept aufgreift, solange es ihm selbst nutzt, und nicht weil er es grundsätzlich an sich und allgemein bejaht).

Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass wir anderen Menschen oder Völkern das Existenzrecht absprechen, oder sie abschätzig behandeln. Derartige Sichtweisen lehnen wir im Gegenteil strikt ab. Sie gehören nicht zu den guten deutschen Traditionen, die wir bewahren wollen. Wer sich rassistisch und verächtlich über Ausländer und fremde Kulturen äußert, handelt ehrlos und unanständig und damit gegen Deutschland und gegen die AfD. (Anmerkung JFB: Auch hier sehen wir wieder die Fixierung auf die eigene Partei und das eigene Land selbst – praktischer Egoismus. Es wird nicht argumentiert, dass Rassismus und pauschale Verächtlichmachung alles Fremden etwas an sich Schändliches ist, sondern es wird als Bezugspunkt wiederum die eigene Nation, das eigene Volk gewählt. Nur weil es diesem schadet, ist es ehrlos und unanständig. Was wenn es der AfD und Deutschland nicht mehr schaden sollte?)

Wir verteidigen die Freiheit gegen alle Feinde der Demokratie. Gegen Rechtsextremisten ebenso wie gegen Linksextremisten (Anmerkung JFB: Warum werden dann ca. 7.000 bis 14.000 Rechtsextremisten in der eigenen Partei geduldet – etwa 20 bis 40 Prozent der Mitglieder -, wenn man vorgibt, den Rechtsextremismus bekämpfen zu wollen? Wie glaubhaft ist das? Reine Lippenbekenntnisse?).

 Wir machen Politik zum Wohle unseres Landes. Dabei waren wir in den vergangenen Jahren außerordentlich erfolgreich. Wir haben in Ostdeutschland Wahlergebnisse weit über zwanzig Prozent erzielt (Anmerkung JFB: Und dabei gerade viele Stimmen vom ganz rechten Rand abgefischt, auf welche die AfD eben gerade nicht verzichten will). Die Menschen vertrauen uns. Aber genau das ist der Grund, warum die anderen Parteien uns nun mit allen Mitteln angreifen, also auch mit unlauteren.

In den Kreisverbänden und Ortsvereinen wird euch die Arbeit deshalb, weiß Gott, nicht leicht gemacht. Ständig werden Anschläge auf unsere Parteibüros verübt. Ihr werdet als Nazis und Faschisten beschimpft, nicht wenige Repräsentanten der Partei erhalten Morddrohungen. Doch von alldem dürfen wir uns nicht entmutigen lassen! Wir kämpfen für eine gerechte Sache. Wir kämpfen für den Erhalt einer freien und lebenswerten Gesellschaft und den Fortbestand der Demokratie (Anmerkung JFB: Offensichtlich hat aber rund ein Drittel der AfD-Mitglieder eine völlig andere Vorstellung von Demokratie als die, die unser Grundgesetz beschreibt, nämlich eine freiheitliche Demokratie und keine völkisch-nationalistische).

Wer, wenn nicht wir, könnte den notwendigen politischen Wandel in Gang bringen? Wir wünschen unserem Land die Kraft, die es braucht, diese aufgeheizten Zeiten unbeschadet zu überstehen. Wir wünschen unserem Land eine Rückkehr zu inneren Frieden. Und wir wünschen unserer Partei die Stärke und die Fantasie, ihren Teil dazu beizutragen.

Wir trauern mit den Angehörigen aller Opfer der Tragödie von Hanau. Und wir trauern für unser Land, dem diese schrecklichen Dinge derzeit widerfahren. Aber wir dürfen nicht verzagen! Denn obwohl es die Medien gerne anders darstellen: Die Bürger unseres Landes lassen sich nicht für dumm verkaufen. Viele Menschen stehen auf unserer Seite! (Anmerkung JFB: Sind das nicht genau oftmals die Dümmsten? Viele Fakten sprechen genau hierfür.) Das haben wir an den Wahlergebnissen im Osten gesehen. AfD wirkt!

Es grüßen euch herzlichst
Eure Bundessprecher Tino Chrupalla und Prof. Dr. Jörg Meuthen«

Die AfD und die Rechtsextremisten – der Krieg innerhalb der Partei

Wie sehr die AfD in sich zerrissen ist, die von Anfang an ideologisch aus drei Gruppen, quasi drei Parteien in einer bestand:

  • national-liberale Kräfte (um Bernd Lucke, Hans-Olaf Henkel, Jörg Meuthen, Alice Weidel, die sich immer mehr auch den anderen beiden Gruppen annähert, Uwe Junge),
  • national-konservative Kräfte (Konrad Adam, Frauke Petry, Beatrix von Storch, Alexander Gauland, wobei dieser auch immer wieder eine Nähe zum Flügel zeigt),
  • Der Flügel: Rechtsradikale und Rechtsextremisten (Björn Höcke, André Poggenburg, Andreas Kalbitz, Jörg Urban),

zeigt sehr schön das folgende Video, welches von einer Person erstellt wurde, die sich den Rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Extremisten in der AfD verbunden fühlt, welche hier als „Idealisten“ tituliert werden, während die Liberalen als „Opportunisten“ und „FDP 2.0-ler“ bezeichnet werden (Minute 57:50 bis 1:03:06). Hier wird sehr schön deutlich, wie diese Leute am äußersten rechten Rand in Wahrheit ticken und was sie vor haben. 

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