Von Jürgen Fritz, So. 01. Feb 2026, Titelbild: JFB
Wenn das freiheitlich-demokratische Europa die nächsten Jahrzehnte überleben will, wird es einige ganz grundlegende Dinge verändern müssen. Momentan sind wir in der Defensive und müssen zuschauen, das Erreichte zu schützen, dass es nicht untergeht. Das wird nur möglich sein mit einer 180 Grad-Wende in der Migrationspolitik.
I. Die Staatsgewalt hat die Aufgabe alle Bürger und alle Ausländer auf unserem Territorium vor Gewalt zu schützen
Ich hab jetzt einiges gelesen über diesen Ostafrikaner Ariop A. Wahrscheinlich war das ein ganz armer Teufel, womöglich tatsächlich psychisch schwer gestört, hatte vielleicht irgendeine Art von Schitzophrenie. Vielleicht hörte er sogar Stimmen, die ihm sagten, er soll dieses Mädchen mit in den Tod reißen. Wenn dem so gewesen sein sollte, war er wohl wirklich ein Mensch, mit dem man im Grunde nur Mitleid haben kann. NUR: Das ändert nichts an einer Tatsache: Er hätte nicht in Deutschland sein dürfen! Dann würde diese 18-jährige junge Frau, die nach Deutschland gekommen ist, womöglich weil sie hier Schutze suchte, noch leben. Und dass sie hier bei uns sterben musste, tut mir noch viel mehr leid. Das Argument, dann hätte er eben in Afrika eine Frau oder ein Mädchen umgebracht, das sei doch egal, ob in Deutschland, Europa oder Afrika, halte ich für vollkommen pervers. Warum?
Weil wir für Afrika nicht zuständig sind. Wir sind aber zuständig für unser Land und wir Europäer für unseren Kontinent. Die Staatsgewalt hat die Aufgabe, alle eigenen Bürger und auch alle Ausländer, die sich hier aufhalten, vor brutaler, physischer Gewalt zu schützen. Wenn sie das nicht kann oder nicht tut, weil sie nichts willens ist oder ihr anderes wichtiger ist, dann verliert sie ihre Existenzberechtigung und dann sind die Bürger aufgerufen, das selbst in die Hand zu nehmen. Wollen wir das wirklich? Wollen wir zurück hinter die Moderne? Wollen wir Deutschland und Europa tribalisieren, also zu Stammes- und Clan-Gesellschaften zurückkehren, die die Dinge selbst in die Hand nehmen, weil es keine übergeordnete Gewalt gibt, die alle gleichermaßen schützt? Ich gehe davon aus, dass kein halbwegs zivilisierter Europäer das will. Also muss die Staatsgewalt ihrer primären und originären Aufgabe nachkommen: alle ihre Bürger und auch alle Ausländer, die sich hier bei uns aufhalten vor physischer Gewalt zu schützen. Das ist die elementarste Grundlage jeder Zivilisation.
II. Wir Deutschen sind nicht zuständig für Afrika, wir sind zuständig ausschließlich für Deutschland
Wie passt das aber nun mit dem moralischen Universalismus und den universalen Menschenrechten zusammen, könnte man an der Stelle fragen. Und ich bin ja ein großer Anhänger des moralischen Universalismus und der universalen Menschenrechte. Die Antwort auf diese Frage ist ganz simpel: Wir Deutsche sind örtlich ausschließlich zuständig für Deutschland und wir Europäer sind örtlich zuständig ausschließlich für Europa. Das heißt nicht, dass es uns gleichgültig sein solle, wie es allen anderen geht, aber wir müssen uns klar machen, dass wir das a) nicht bestimmen können, was andere Gesellschaften und Kulturen machen und dass wir b) oft auch sehr wenig Einfluss darauf haben, wie die Menschen dort miteinander umgehen. Solche Schicksale wie das des Südsudanesen und Millionen anderer sind todtraurig, aber wir sind in den meisten dieser Fälle machtlos und können das nicht ändern. Ich will versuchen zu erklären warum.
Wir sind machtlos, weil wir 1. a) ja nicht ganz Afrika, b) die gesamte arabisch-islamische Welt, c) ganz Russland, d) ganz China, e) ganz Südamerika usw. usf. übernehmen, verwalten und die Menschen dort nach unseren Vorstellungen erziehen und bilden können. Und wir können 2. auch nicht alle Menschen, die dort weg wollen, zu uns nach Europa holen. Diese Vorstellung ist a) völlig absurd und b) hochgradig gefährlich. Warum hochgradig gefährlich? Um das zu erklären und das in der Tiefe verstehen zu können, muss ich etwas weiter ausholen. Leider wird dies nämlich meist viel zu oberflächlich diskutiert und reflektiert.
III. Wir haben in Europa seit zweieinhalb Jahrtausenden eine einzigartige Kultur aufgebaut
Die Massenimmigration aus fremden Kulturkreisen ist deshalb so gefährlich, weil wir in Europa schon seit der griechisch-römischen Antike eine einzigartige Kultur aufgebaut haben. (Ich weiß, dass es auch in China, Indien und andernorts schon vor Jahrtausenden extrem hochstehende Kulturen gab, zuvor natürlich in Mesopotamien, Ägypten etc., aber es gibt doch einige Unterschiede.) Es kommt ja nicht von ungefähr, dass nur hier in Europa 1. die freiheitliche Demokratie entwickelt wurde und 2. das wissenschaftliche, rationale Denken in dieser Höhe, vor allem seit Aristoteles (384-322 v.u.Z.), der meines Erachtens eine absolute Schlüsselfigur war, dessen Denken Europa bis heute prägt, weil er insbesondere das rationale, wissenschaftliche Denken maßgeblich entwickelte, auch die Ethik und zusammen mit seinem Lehrer Platon (427-347 v.u.Z.) auch das Christentum enorm tief prägte. Siehe den berühmten Aphorismus von Nietzsche: »Christentum ist Platonismus für’s „Volk“.«
Etwas vereinfacht könnte man sagen: Das Christentum hat das philosophische System Platons übernommen, insbesondere seine Ideenlehre (Idee meint hier etwas anderes als das, was Heutige darunter verstehen) und dort an die Stelle der abstrakten Idee des Guten den jüdischen Gott hineingesetzt, diesen dann durch Jesus Christus modifiziert und aus dem gerechten jüdischen Gott den liebenden christlichen Gott gemacht, so dass dieses Gedankengebäude Platons für die Menschen viel leichter fassbar wurde, weil man sich eine Person viel besser vorstellen kann als eine abstrakte, objektive, ewige Idee, die eine tiefere Wahrheit in sich trägt als alles Vergängliche. Damit können die meisten Menschen kaum etwas anfangen. Eine Person, die so ähnlich ist wie der Vater, der einen liebt, kann sich aber fast jeder vorstellen. Auf diese Weise wurde die antike griechische Philosophie im Christentum quasi greifbarer gemacht und bewahrt.
IV. Der Aufstieg Europas und der Abstieg der arabischen Welt unter dem Islam
Die arabische Welt erlebte ihren Höhepunkt, nachdem sie Aristoteles rezipiert hatte, der quasi irdischer dachte als Platon und unglaublich präzise. Die Schriften des Aristoteles waren in Europa nach dem Untergang des Weströmischen Reiches um 500 herum verschollen, er im frühen und bis ins hohe Mittelalter hinein in Vergessenheit geraten, bis dann ab dem frühen 12. Jahrhundert Schriften des Aristoteles über die Araber nach Europa zurückkamen und zwar vor allem über Spanien (al-Andalus) und Sizilien.
Der italienische Dominikaner und Philosoph Thomas von Aquin (1225-1274), der größte und wichtigste Denker des Hohen Mittelalters, war dann im 13. Jahrhundert eine weitere Schlüsselfigur, weil er die aristotelische Philosophie erstmals in die christliche Theologie integrierte, was zu einem ungeheuren geistigen Fortschritt führte. Das war wohl eine wesentliche Grundlage für das Erblühen Europas ab dem späten Mittelalter und dann für das, was zu Beginn der Neuzeit ab Mitte des 16. Jahrhunderts folgte: der Aufstieg der modernen Naturwissenschaften in Deutschland, Italien, England, Frankreich, Niederlande, Schweiz, was Europa an die Spitze der Welt brachte.
Hier sei beispielhaft Kopernikus genannt, der mit seinem Werk „De revolutionibus orbium coelestium“ (1543) das heliozentrische Weltbild vorbereitete, die erste große wissenschaftliche Revolution unseres Weltbildes. Später, im 17. Jahrhundert, kamen Galilei, Kepler, viele andere und dann vor allen Dingen Sir Isaac Newton, der wahrscheinlich wichtigste Naturwissenschaftler überhaupt, der bereits um 1680 die Physik entwickelte, mit der wir 1969 auf den Mond fliegen konnten. Diese Entwicklung brachte Europa, später die europäisch geprägte USA an die Spitze der Welt, während die arabische Welt, die vor tausend Jahren der europäischen deutlich überlegen war, in der islamischen, entwicklungshemmenden Ideologie versank und es niemals wieder schaffte, sich von dieser zu befreien.
V. Klassisches Aufklärungsdenken: Moralischer Universalismus
Zugleich entwickelten wir in Europa nicht nur die Wissenschaften, die Technik und Technologie auf eine nie gekannte, eine einzigartige Höhe, sondern auch 3. die Moral (nicht Ethik!, Ethik ist die wissenschaftliche Reflexion der Moral), indem wir die universalen Menschenrechte entdeckten. Ich als ontologischer, epistemologischer (erkenntnistheoretischer) und ethischer Realist sage nicht entwickelten, sondern entdeckten, weil ich glaube, dass die Menschenrechte etwas objektiv Seiendes sind, das unabhängig vom menschlichen Geist schon vor ihm da war und nicht erst von ihm konstruiert wird. (Ich denke hier also wahrscheinlich ein bisschen platonisch oder zumindest ähnlich.) Aber ob entdeckt oder entwickelt, ist hier nicht entscheidend. Wichtig ist, ich gehe davon aus, dass die universalen Menschenrechte jedem Menschen objektiv zustehen und dass jeder, der die Menschenrechte eines anderen ohne moralische Rechtfertigung verletzt, etwas Böses tut, völlig unabhängig von seiner Tradition und Kultur. Das heißt, ich glaube an eine absolute, objektive Moral, die sich aus der reinen objektiven Vernunft ergibt.
Das ist klassisches Aufklärungsdenken, wie wir es seit dem 17. und 18. Jahrhundert insbesondere bei Immanuel Kant finden, so auch in seiner Ethik und hier speziell im kategorischen Imperativ, der m.E. die beste Richtschnur ist für moralisch gut und moralisch böse. Und dieses Denken liegt auch den Menschenrechtserklärungen und unserem Grundgesetz zu Grunde. Ein Kind oder eine Frau oder einen Mann zu vergewaltigen oder einen Menschen zu foltern, um seinen Willen zu brechen, damit er seine Weltanschauung ändert und einem „falschen Glauben“ abschwört, ist überall und zu jeder Zeit eine böse Handlung, völlig unabhängig von Tradition und Kultur. Es gibt aber Traditionen und Kulturen, in denen viele Menschen das nicht verstehen, dass dies etwas objektiv Böses ist, weil sich das, was man ihnen beibrachte, sich quasi über ihr natürliches Empfinden für gut und böse gelegt hat und weil sie das nicht mittels ihrer subjektiven Vernunft kritisch hinterfragen und überprüfen, ob das wirklich in Ordnung sein kann, so mit anderen Menschen umzugehen.
VI. Moralische Überlegenheit
Wenn sie sich aber dieser kritischen Reflexion und vielleicht auch einem offenen, ehrlichen Diskurs stellen würden, bei dem es nicht darum geht, dass der Eine den Anderen besiegt, sondern bei dem beide um gemeinsame Erkenntnis ringen, dann könnten sie das durchaus einsehen, dass dies etwas Böses ist. Vielleicht nicht alle, aber doch die allermeisten. Dies ist m.E. dann nicht einfach eine beliebige Meinungsänderung, sondern ein echter Erkenntnisprozess (hier wird dann tatsächlich eine Wahrheit entdeckt, eine moralische Wahrheit). Das wäre in dem Fall ein Erkenntnis- und zusätzlich auch ein Sensibilisierungsprozess.
Mit anderen Worten, ich glaube, dass diese unsere Kultur allen anderen nicht unterlegen ist, wie postmoderne, postkolonialistische, antiaufklärerische, antiwestliche bzw. antiokzidentale, neomarxistische und woke Sozialisten glauben, sondern dass unsere Kultur allen anderen moralisch überlegen ist, weil unsere modernen Gesellschaften auf dem moralischen Universalismus und den universalen Grund- und Menschenrechten aufbauen. Genau deshalb wollen ja zig Millionen Menschen nach Europa kommen und nicht umgekehrt zig Millionen Europäer nach Afrika oder in die arabisch-islamische Welt fliehen.
Die postmoderne radikale Linke, die ich für durch und durch verlogen halte, negiert all das und arbeitet letztlich auf die Zerstörung unserer Kultur hin, weil sie diese verachtet, wenn nicht sogar teilweise hasst. Und viele, die sich von dieser Ideologie unkritisch anstecken lassen, begehen riesige Denkfehler, womit sie alles zu zerstören drohen, was hier seit der griechischen Antike und dann ab der Neuzeit über Jahrhunderte aufgebaut wurde und was einzigartig ist in der Welt. Denn sie übersehen einen ganz wichtigen Punkt.
VII. Unsere Art zu denken und miteinander umzugehen ist keineswegs selbstverständlich, sie ist Ergebnis einer kulturellen Entwicklung über Jahrtausende
Unsere Kultur ist das Beste, was dieser Planet bislang zustande brachte. Das universale Menschenrechtsdenken, das den innersten Kern unseres Grundgesetzes ausmacht, ist aber höchst anspruchsvoll und überfordert geistig-moralisch viele Menschen, auch bei uns. Gleichwohl gelingt es uns durch Erziehung und Bildung doch, dass die meisten sich diesem Denken soweit annähern, dass wir hier weitgehend friedlich zusammenleben können und uns zumeist mindestens mit einem Mindestmaß an Achtung und Respekt begegnen, auch wenn nicht jeder den kategorischen Imperativ und unser Grundgesetz versteht. Aber etwas davon kommt doch bei den allermeisten Menschen an.
In dem Satz „Was, wenn DAS jeder täte?“ kommt im Grunde genau der kategorische Imperativ zum Ausdruck. Das „DAS“ in dieser Frage ist nicht gerade leicht zu verstehen, dazu muss man erfassen, was genau eine Maxime ist, aber vom Prinzip her verstehen das bei uns die meisten Menschen im Ergebnis schon und sehr, sehr viele haben das auch tief verinnerlicht. Moralische Maximen und Prinzipien müssen für alle gleichermaßen gelten, könnte man sagen. Sie müssen verallgemeinerbar sein. Wenn sie das nicht sind, sind sie böse. An dieser Verallgemeinerbarkeit scheitert z.B. die islamische Ideologie, aber auch die marxistisch-sozialistische und die postmoderne woke Ideologie.
Solche Moralvorstellungen, die dem Prinzip der Verallgemeinerungsfähigkeit genügen und die dann in unserem Grundgesetz verankert sind, wie zum Beispiel Gleichberechtigung der Geschlechter, halten nun viele Europäer für selbstverständlich, weil sie sich nicht vorstellen können, dass andere Menschen in anderen Kulturräumen, die sich über Jahrtausende völlig anders entwickelten, vollkommen anders denken und vollkommen andere Moralvorstellungen haben. Hinzu kommt, dass z.B. kaum jemand im Koran liest, um sich damit zu beschäftigen, wie andere Kulturräume moralisch geprägt wurden und geprägt sind. Unsere Art zu denken und miteinander umzugehen, ist aber nicht selbstverständlich. Das erscheint uns nur so, weil wir das von klein auf so kennengelernt haben und das seit vielen Generationen. Unser höchst anspruchsvolles Modell ist essentiell davon abhängig, dass wir unsere Kinder von klein auf entsprechend erziehen, ihnen das aktiv vorleben (das ist die Basis überhaupt!), ihnen das beibringen, mit ihnen entsprechend reden und ihnen solche Dinge liebevoll erklären.
VIII. Massenimmigration aus fremden Kulturkreisen ist deshalb so gefährlich, weil diese Menschen nicht von uns erzogen worden sind
Wenn man Erziehungswissenschaften, Lern- und Entwicklungspsychologie studiert, sollte man das eigentlich wissen, wie schwer und wie kontingent der Erziehungsprozess ist, das heißt es gibt keine Garantie, dass die Erziehung gelingen wird, selbst wenn man alles sehr gut gemacht hat. Aber Erziehung und eine entsprechende Sozialisation sind die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt da hinkommen kann, in einer modernen, europäischen Gesellschaft hineinzupassen. Menschen, die in afrikanischen und arabisch-islamischen Kulturen erzogen und sozialisiert wurden, fehlt aber genau das und das ist in den meisten Fällen später auch nicht mehr revidierbar. Einzelne Ausnahmen mag es geben, aber aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass es so etwas wie entscheidende Prägephasen gibt. Deswegen ist die Früherziehung auch so wichtig und am wichtigsten ist das Modell, das die Eltern ihren Kindern vorleben, weil das die Basis ist für unser gesamtes Leben, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie miteinander reden, wie sie miteinander streiten, wie sie sich versöhnen, wie sie Konflikte austragen, wie sie sich gegenseitig unterstützen usw. usf.
Zurück zum Ausgangspunkt. Genau deshalb können wir die Probleme der Welt, insbesondere der afrikanischen und der arabisch-islamischen Welt nicht in Europa lösen. Wir können und wir dürfen nicht massenweise Menschen von dort bei uns aufnehmen, in dem Wunsch, diese Menschen zu heilen. Das wird in sehr, sehr vielen Fällen nicht gelingen. Zugleich zerstören wir so unsere eigene Basis, weil wir die Prägephasen nicht nachträglich umschreiben können. Das geht schlechterdings nicht. Eine gänzlich andere Prägung wäre nur möglich bei Säuglingen, die wir von Anfang an hier erziehen und die von Anfang an hier in Adoptivfamilien aufwachsen, in denen sie ganz natürlich den Umgang miteinander von ihren Eltern und Geschwistern lernen und übernehmen. Aber selbst dann würden sie sich irgendwann womöglich die Frage stellen: Wieso bin ich eigentlich hier aufgewachsen und nicht in meiner leiblichen Familie, nicht in der Kultur, aus der meine Vorfahren eigentlich stammen? Gehöre ich wirklich hierher? Oder gehöre ich da hin, wo meine genetischen Wurzeln sind? Wo gehöre ich überhaupt hin?
Und noch etwas kommt hinzu: Freiheitliche, menschenrechtsbasierte Demokratien können nur funktionieren, wenn die große Mehrheit der Bürger dies innerlich, in ihren Herzen oder Seelen in sich tragen, wenn sie das ganz tief verinnerlicht haben und wertschätzen, auch bereit sind, das gegen Angriffe zu verteidigen. Das funktioniert erfahrungsgemäß nur dann, wenn man das als etwas Eigenes empfindet und nicht als etwas Fremdes. Eine freiheitliche Demokratie braucht also freiheitlich denkende Demokraten. Und als solcher wird man nicht geboren. Dazu muss man wiederum erzogen werden und auch das ist alles andere als einfach. Wenn das jemand nicht in sich trägt, dann ändert sich auch das nicht in dem Moment, wenn er die Grenze zu einem demokratischen Land überschreitet. Das heißt, wir müssen bei jedem potentiellen Immigranten auch immer die Frage stellen, ob er ein mündiger, moderner, aufgeklärter Demokrat sein kann, der die Menschenrechte aller anderen auch anerkennt.
IX. Die universalen Menschenrechte gelten überall, aber wir können sie nicht bei anderen durchsetzen, das können nur die Menschen dort tun
Ich komme zurück auf meinen zentralen Punkt: örtliche Zuständigkeit. Wir müssen uns, so meine These, bewusst machen, dass wir Deutsche für Deutschland verantwortlich sind, wie es den Menschen hier geht, dass hier alle in Sicherheit leben können und dass hier die Grund- und Menschenrechte eines jeden geachtet werden. Ja, diese gelten überall auf der Welt. Aber ob sie eingehalten werden oder nicht, können wir zwar anmahnen, aber nicht durchsetzen, weil das nicht unsere örtliche Zuständigkeit ist. Und im Anmahnen muss man auch äußerst behutsam mit dem anderen umgehen. Wenn man den chinesischen Kommunisten, Putin oder den Regierungschefs in islamischen Ländern in einem überheblichen Ton von oben herab ermahnt, sie müssten die Menschenrechte in ihrem Land beachten, wir man meist genau das Gegenteil dessen erreichen, was einem wichtig ist.
Hier ist also ein völlig anderer Ton gefragt. Das heißt nicht, dass man nicht für seine Werte einstehen soll, man sollte das schon klar zu erkennen geben, was einem wichtig ist, aber es kommt auf den Ton an und die Art, wie man dem anderen begegnet. Wenn man statt die Holzhammer-Methode oberlehrerhaft aufzufahren, zum Beispiel folgendes sagt, ist die Chance, dass man zumindest ein bisschen was erreicht, mit Sicherheit deutlich höher: „Sie wissen ja, dass uns Europäern die Menschenrechte sehr wichtig sind. Davon können wir auch nicht völlig abrücken, sonst würden wir ja uns selbst verraten. Ich hoffe, Sie verstehen das. Aber ich weiß natürlich auch, dass Sie diesen Punkt anders sehen und dass Sie völlig andere Sorgen haben, dass Ihnen unser Ansatz manchmal völlig weltfremd erscheinen muss. Vielleicht schaffen wir es ja zusammen gleichwohl, dass wir eine gemeinsame Basis finden, so dass beide Seiten sich nicht selbst verraten müssen und wir dennoch beide davon profitieren können. Das wäre mir und uns wichtig und würde mich persönlich sehr freuen, wenn uns das gelänge.“
X. Momentan sind wir in der Defensive und müssen zuschauen, das Erreichte zu schützen, dass es nicht untergeht
Wir Europäer sollten unbedingt an dem, was wir über Jahrtausende, seit Sokrates, Platon, Aristoteles, Jesus von Nazareth, dem Christentum, seit den modernen Wissenschaften, den modernen demokratischen, menschenrechtsbasierten Gesellschaften entwickelt haben, festhalten und auch versuchen, das weiter zu verbreiten in der Welt. Aber ob andere das irgendwann übernehmen wollen, liegt nicht in unserer Hand. Wir können versuchen, uns so attraktiv zu machen, dass andere das von sich aus freiwillig nachahmen wollen und dann, wenn dieser Wille bei anderen da ist, können wir auch aktiv helfen, dass sie ähnliches bei sich entwickeln. Im Moment geht es aber primär darum, das Unsere, das Erreichte zu schützen, dass es nicht untergeht, da wir momentan erheblich in der Defensive sind. Und zu diesem Schutz gehört auch und ganz besonders der Schutz vor Immigration aus Kulturräumen, die vollkommen anders sind als der unsere, weil die Menschen ihre Jahrtausende alte Kultur, die sie tief in sich drin mit sich tragen, beim Grenzübertritt nicht einfach ablegen können. Das geht nicht. Solche Vorstellungen sind vollkommen naiv und blauäugig.
Und deswegen muss das Thema der nächsten Jahre und Jahrzehnte aus meiner Sicht nicht weitere Massenimmigration sein und auch nicht „Begrenzung der illegalen Immigration“, sondern konsequente Rückführung von Millionen Menschen, die niemals hätten nach Europa einreisen dürfen, weil sie mit unserer Kultur nicht kompatibel sind. Nicht aus Boshaftigkeit, nicht aus Gleichgültigkeit, nicht aus einem primitiven Egoismus heraus, nicht aus mangelndem Respekt vor den universalen Menschenrechten und diesen Menschen gegenüber, sondern aus reinem Selbstschutz, weil es unsere allererste Aufgabe ist, unsere einzigartige Kultur, die all das – freiheitliche, menschenrechtsbasierte Demokratie, Aufklärung, wissenschaftliches Denken – überhaupt erst hervorbrachte respektive maßgeblich gestaltete und prägte, zu schützen und zu bewahren. Denn wenn das verloren gehen sollte, verliert die Welt das Beste und Kostbarste, was sie besitzt. Dann gibt es auch für andere, die in anderen Kulturräumen tatsächlich politisch verfolgt werden und die gut zu uns passen würden, wie zum Beispiel säkulare verfolgte Iraner, diese Insel der Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte nicht mehr. Das dürfen wir nicht zulassen. Das sollten wir nicht zulassen. Das müssen wir auch nicht zulassen.
XI. Sind millionenfache Abschiebungen wirklich möglich?
Abschließend ein paar Zahlen zur Information: Unter Barack Obama gab es in den USA in acht Jahren (2009 bis 2017) ca. drei Millionen formale Abschiebungen. Inklusive freiwilliger Rückkehr oder schneller Abweisung an der Grenze (Removals + Returns) waren es ca. 5,3 Millionen.
Unter der Präsidentschaft von Bill Clinton (1993 bis 2001) gab es insgesamt etwa 12,3 Millionen Fälle von Removals + Returns (formale Abschiebungen plus Rückführungen/Returns, meist freiwillige Rückkehr oder Abweisung an der Grenze).
Millionenfache Abschiebungen nicht von gut assimilierten oder zumindest sehr gut integrierten Immigranten, die sehr gut zu unserer Kultur passen, sondern von solchen, die mit unserer Kultur überhaupt nicht kompatibel sind (Straftäter, radikale und ultrakonservative Muslime, die versuchen, unsere freiheitliche, menschenrechtsbasierte Demokratie zu untergraben, die hier ein Kalifat errichten wollen, extreme Antisemiten, abgelehnte Asylbewerber ohne Aufenthaltserlaubnis, Kriegsflüchtlinge, sobald der Krieg beendet ist, usw. usf.) in einem Zeitraum von acht, zehn, zwölf, fünfzehn, zwanzig Jahren sind also natürlich möglich, unter einer Voraussetzung: dass der Wille dazu in der Bevölkerung und in der Politik vorhanden ist.
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