So würden die Deutschen 50 Wochen nach der Bundestagswahl abstimmen

Von Jürgen Fritz, So. 9. Sep 2018

Viel hat sich getan in den 50 Wochen seit der Bundestagswahl. Das Land verändert sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. Doch wie wirkt sich dies auf die Bevölkerung aus? Wacht diese endlich allmählich auf und erkennt, wohin unser Schiff steuert? Wie würden sich die Deutschen entscheiden, wenn heute Bundestagswahlen wären? Genauso wie im letzten Jahr oder deutlich anders? Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool mit den genauesten Wahlprognosen von allen, hat es ermittelt.

Bundestagswahl 2017: Union und SPD erzielen und miserablie Ergebnisse und dann geht Jamaika auch noch in die Hose

Die Bundestagswahl vor 50 Wochen geriet sowohl für CDU/CSU als auch für die SPD zu einer mittleren Katastrophe. Alle drei Regierungsparteien mussten schwerste Einbußen hinnehmen. Die Union fiel um sage und schreibe 8,6 Punkte, von 41,5 auf 32,9 Prozent – ein rabenschwarzer Tag für CDU und CSU. Die SPD dagegen konnte nicht einmal ihr miserables Ergebnis von 2013 mit 23,0 Prozent halten, fiel noch tiefer auf jetzt 20,5 Prozent.

Dies bedeutete zum Einen, dass vor allem die SPD keinerlei Interesse mehr hatte, in eine weitere sogenannte GroKo – jetzt musste man wohl eher einfach nur noch von Schwarz-Rot sprechen – einzutreten. Alle Zeichen standen auf eine Jamaika-Koalition, auf die sich vor allem die völlig vermerkelte CDU und die Grünen diebisch freuten. Doch nach Wochen und Monaten der sogenannten „Sondierungsgespräche“ kam die FDP, die wohl nichts mehr fürchtete, als in diesen Merkelsumpf hineingezogen zu werden und dann bei der nächsten Wahl wieder unter 5 Prozent zu stürzen, plötzlich und für viele völlig enttäuschend zu dem Ergebnis, dass sie mit denen irgendwie doch nicht kann. Lieber sollen andere schlecht regieren als wir, so etwa die Begründung derer, von denen eigentlich kein Mensch weiß, wofür sie stehen, ja nicht einmal wogegen sie sind, außer einem: Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Starke Gewinne für Grüne und AfD

Nun musste also wohl oder übel doch wieder die SPD ran, die wiederum panische Angst hatte, noch weiter, jetzt sogar unter 20 Prozent fallen zu können, was ihr dann in den folgenden Monaten in der Tat auch sehr souverän gelang, wie wir gleich sehen werden. Nebenbei bemerkt, die FDP schafft es sogar – obwohl sie nicht in dieser grauenvollen Regierung mitmacht – noch mehr ihrer Wähler zu verlieren als die Union und die SPD, nämlich mehr als jeden Fünften – die SPD circa jeden Sechsten. Die FDP kann also nicht nur nicht mal schlecht regieren, sie kann offensichtlich nicht mal bei einer schlechten Regierung Opposition. Das ist auch eine Kunst.

Bei der Linkspartei (ehemalige SED) können wir uns kurz fassen, denn da hat sich nicht sehr viel getan. Viel getan hat sich dagegen bei den Grünen. Diese sind in den letzten 50 Wochen von Platz 6 auf Platz 4 gestiegen, könnten ihr eher schwaches Ergebnis vom letzten Jahr um mehr als die Hälfte steigern und haben mit der FDP die Plätze getauscht, wären, Stand heute, der ganz große Gewinner, käme es jetzt zu Neuwahlen. Hier darf vermutet werden, dass die Grünen sowohl von der CDU, die nochmals deutliche Einbußen hinnehmen müsste, Wähler abziehen würde als auch von der SPD und der FDP.

Der zweite große Gewinner wäre die AfD, die ihr sehr gutes Ergebnis von 12,6 Prozent nochmals deutlich steigern könnte (um mehr als ein Drittel) und nunmehr sogleich gleichauf mit der SPD auf Platz 2 landen könnte, ganz knapp dahinter oder auch davor. Die Unterschiede zwischen beiden wären heute wahrscheinlich im 0,X-Bereich.

So würden die Deutschen wählen, wenn heute Bundestagswahlen wären

Fassen wir die Ergebnisse auf einen Blick zusammen. So sähe es also in etwa aus, wenn heute Bundestagswahlen wären. Wahl-O-Matrix hat dazu von allen sechs Umfrageinstituten, die in den letzten zwei Wochen (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) Wählerbefragungen durchführten, die jeweils neueste herangezogen. Dies waren insgesamt sechs, nämlich die von: YouGov, Forschungsgruppe Wahlen (ZDF), Forsa (stern/RTL), INSA (Bild), Emnid (Bild am Sonntag) und Infratest dimap (ARD). Alle anderen Institute, vier an der Zahl, haben in den letzten drei Wochen (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) keine Umfrage veröffentlicht, liegen somit außerhalb des Wahl-O-Matrix-Analyse-Zeitrahmens.

Auf diese Weise stützt sich die Wahl-O-Matrix-Berechnung nicht nur auf 1.000, 2.000 oder 2.500 befragte Personen, wie bei den meisten Instituten, sondern auf insgesamt über 11.300 Befragte, was eine sehr hohe Zuverlässigkeit der ermittelten Werte ermöglicht. Außerdem wurden alle Institute auf Grund mehrjähriger Beobachtung und Analyse um ihre Verzerrungen in der Vergangenheit bereinigt, was die Zahlen noch zuverlässiger macht. Somit kommen wir zu folgendem Ergebnis (in Klammern die Bandbreite der sechs Institute und deren arithmetisches Mittel):

  1. CDU/CSU: 29 % (29 – 31 / 29,25)
  2. SPD: 17 % (16 – 18 / 17,17)
  3. AfD: 17 % (15 – 17 / 16,33)
  4. GRÜNE: 14 % (13 – 15 / 14,08)
  5. LINKE: 9,5 % (8 – 11 / 9,5)
  6. FDP: 8,5 % (8 – 9,5 / 8,58)
  7. Sonstige: 5 % (4 – 5 / 5,08)

2018-09-09

Konsequenzen für die Regierungsbildung, Gewinne und Verluste

Das heißt, CDU + CSU + SPD kämen zusammen nur noch auf 46 Prozent, die vier formalen Oppositionsparteien AfD + GRÜNE + LINKE + FDP aber auf 49 Prozent. Somit hätte die schwarz-rote Koalition keine Mehrheit mehr im Deutschen Bundestag. Entweder müssten die drei Parteien noch eine vierte dazu nehmen, zum Beispiel die Grünen oder die FDP, oder aber eine sogenannte Jamaika-Koalition, die auf ca. 51,5 Prozent käme, müsste es erneut versuchen, ob sie eine Regierung zusammen bekäme.

Das linksextremistische, verfassungsfeindliche Lager Rot-Dunkelrot-Grün (R2G) käme derzeit zusammen auf 40,5 Prozent.

Gegenüber der Bundestagswahl am 24. September 2017 würden die Parteien damit folgende Veränderungen zeitigen:

  1. GRÜNE: + 5,1 %
  2. AfD: + 4,4 %
  3. LINKE: + 0,3 %
  4. Sonstige: +/– 0
  5. FDP: – 2,2 %
  6. SPD: – 3,5 %
  7. CDU/CSU: – 3,9 %

Bei Neuwahlen gäbe es also drei große Verlierer:

  • die FDP sowie vor allem
  • die SPD und
  • die Union

und zwei große Gewinner:

  • die Grünen und
  • die AfD.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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