Esken und Walter-Borjans schlagen nicht ein wie eine Bombe, erscheinen eher wie ein langsam wirkendes Gift

Von Jürgen Fritz, So. 12. Jan 2020, Titelbild: ZDF-Screenshot

Seit Ende November 2019 stand fest, dass Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans den SPD-Vorsitz übernehmen würden. Am 6. Dezember fand dann die offizielle Wahl statt. Bei ca. 14 Prozent stand da die SPD in den Umfragen und Esken hatte das Ziel vorgegeben, diese Werte wieder verdoppeln zu wollen. Ja auf über 30 Prozent wollte sie die alte Dame SPD hieven. Was bei Martin Schulz Anfang 2017 wenigstens noch für zwei Monate klappte, das scheint den beiden neuen SPD-Oberbesen aber nicht einmal einen Tag lang zu gelingen. Ganz im Gegenteil, es scheint eher so, dass sie wie ein langsam wirkendes Gift fungieren. Die Frage dürfte sein, ob womöglich sogar mit letalem Ausgang für die ehemalige Arbeiterpartei.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: ein Heilmittel für die SPD oder eher ein langsam wirkendes Gift?

Wohin geht die Reise der SPD unter ihren neuen Bundesvorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans? Schaffen es die „Steinzeitsozialistin“, wie sie Jörg Meuthen nennt, und der Schuldenkönig aus NRW, die Partei wieder auf über 30 Prozent zu bringen oder werden sie die alte Dame womöglich noch weiter ins tiefe Tal der Tränen stürzen? Derzeit zeigen die Parameter eher Letzteres an. Aber betrachten wir es genauer. Die Datenlage ist im neuen Jahr zwar noch nicht so üppig wie sonst, aber immerhin haben inzwischen fünf der acht führenden Institute aktuelle Zahlen vorgelegt, so dass eine halbwegs solide Datenbasis vorliegt, welche Wahl-O-Matrix, die Nr. 1 unter den Meta-Analyse-Tools in puncto Wahlanalysen und Prognosen, wie immer ausgewertet hat.

In die Wahl-O-Matrixe-Werte gehen von allen Instituten die jeweils aktuellsten Erhebungen ein, sofern diese – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – nicht älter als drei Wochen (21 Tage) sind. Aus diesen Einzelwerten wird dann streng mathematisch das arithmetische Mittel gebildet. (Wenn der zweite Wert nach dem Komma eine 5 ist, wird je nach Tendenz der Entwicklung auf die erste Stelle nach dem Komma gerundet.)

So in etwa würden die Deutschen derzeit wählen

Aktuell gingen folgende fünf Institute mit ihrer jeweils aktuellsten Erhebung in die Wahl-O-Matrix-Werte ein: 1. Kantar/Emnid (mittlerer Erhebungstag: 29.12.2019), 2. GMS (30.12.2019), 3. Infratest dimap (07./08.01.2020), 4. Forsa (08.01.2020), 5. INSA (11./12.01.2020).

Angegeben ist bei jeder Partei die Range bei diesen fünf Instituten sowie fettgedruckt der arithmetische Mittelwert:

  1. CDU/CSU: 27 – 28 % ==> 27,4 %
  2. GRÜNE: 21 – 23 % ==> 21,6 %
  3. AfD: 13 – 15 % ==> 14,0 %
  4. SPD: 12 – 14 % ==> 12,9 %
  5. FDP: 9 – 9,5 % ==> 9,1 %
  6. LINKE: 8 – 9 % ==> 8,4 %
  7. Sonstige: 6 – 8 % ==> 6,6 %
2020-01-14

(c) JFB

Schwarz-Grün hat weiterhin eine Mehrheit

Damit hätte Schwarz-Grün gegenüber AfD, SPD, Linke und FDP eine Mehrheit der Stimmen von ca. 49 zu 44,4 Prozent bei 6,6 Prozent für sonstige Parteien, die den Einzug in den Bundestag nicht schaffen würden. Schwarz-Grün hätte damit eine Mehrheit der Sitze im Deutschen Bundestag von ca. 52,5 zu 47,5 Prozent.

Koalitionsmöglichkeiten: Bei 6,6 Prozent für sonstige Parteien würden ca. 46,5 bis 47 Prozent der Stimmen ausreichen für eine Mehrheit der Sitze im Bundestag:

  1. CDU/CSU + AfD + FDP: 50,5 %
  2. SchwarzGrün49,0 %
  3. GrünRotRot: 42,9 %
  4. CDU/CSU + SPD (SchwarzRot): 40,3 %

Da sowohl CDU/CSU als auch die FDP eine direkte Zusammenarbeit mit der AfD weiter strikt ablehnen, hätte derzeit nur Schwarz-Grün realistische Chancen auf eine Mehrheit der Sitze im Deutschen Bundestag und vieles deutet darauf hin, dass es nach der nächsten Bundestagswahl eine Koalition aus Union und den Grünen geben wird, so dieses ihr Zustimmungshoch in der Bevölkerung bis dahin halten können.

Die Entwicklung der SPD erscheint höchst düster

Seit über sieben Monaten schafft es die SPD im Bundestagswahltrend nicht mehr über 15 Prozent zu kommen. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 1972 erreichte die SPD unter Willy Brandt 45,8 Prozent, 1980 unter Helmut Schmidt 42,9 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 waren es dann nur noch 20,5 Prozent. Jetzt also liegen die Genossen seit über einem halben Jahr unter 15 Prozent und die Kurve zeigt weiter nach unten.

Esken wollte, wie gesagt, ihre Partei wieder über 30 Prozent bringen. Doch die Wirklichkeit sieht zumindest derzeit gänzlich anders aus als diese frommen Wünsche. Die SPD bewegt sich nicht Richtung 30, sondern fällt jetzt im Wahl-O-Matrix-Durchschnitt sogar wieder unter 13 Prozent. Als die Sozis unter Andrea Nahles, der Vorgängerin von Esken und Walter-Borjans, unter 13 Prozent fielen, war Nahles nicht mehr lange Parteivorsitzende.

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