Baerbock fällt in der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker auf den letzten Platz

Von Jürgen Fritz, Do. 10. Jun 2021, Titelbild: RTL-Screenshot

Martin Schulz startete einst als ICE, hielt sich selbst gar für ein Düsenjet, entgleiste aber rasch und kam schließlich als Regionalbahn mit beachtlicher Verspätung ins Ziel. Annalena Baerbock wurde von den Grünen, ihren teils fanatischen Anhängern und den ihr heftig zugeneigten Massenmedien als Miss Einstein, ja als neue Heilandin verkauft. Doch nun bröckelt die Fassade immer mehr und es stellt sich eine weitreichende Frage.

Von der Selbstberauschung zurück in die traurige Realität

Nachdem die Grünen am 19. April Annalena Baerbock als ihre Kanzlerkandidatin ankündigten und die CDU Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union (gegen den Willen der CSU, gegen den Willen der eigenen Parteibasis und gegen den Willen der großen Mehrheit ihrer eigenen Wähler), schossen die Grünen in den Umfragen regelrecht nach oben, für CDU/CSU ging es dagegen in den Keller. Die Grünen stiegen innerhalb von ca. zwei Wochen von 22 auf über 26, fast 27 Prozent, für die Union ging es von ca. 29 auf 24 Prozent, siehe die gelben Markierungen in der Grafik.

Nun lagen also die Grünen vor CDU/CSU und man begann bereits, von der grünen Kanzlerin Annalena Baerbock zu schwärmen. Ihre Partei und die ihr mehr als wohlgesonnenen Massenmedien – alle elf Minuten verliebt sich ein neuer M-Journalist in Annalena – redeten sich die grüne Kandidatin gegenseitig schön und gerieten in immer tiefere Verzückung. Doch dann kam die traurige Realität.

Seit Anfang Mai geht es für die Grünen steil nach unten. Sie verlieren mehr als 5 Prozentpunkte. Das entspricht ca. 2,4 bis 2,5 Millionen Anhänger.

Miss 5,9 Prozent

„Nach dem Frühlingsrausch der Nominierung von Annalena Baerbock zur ersten Kanzlerkandidatin passiert plötzlich ein Fehler nach dem andern“, schreibt aktuell der Verlags- und Cicero-Gründer sowie The European-Herausgeber Wolfram Weimer. „Der Streit um Boris Palmer, eine wirre Waffenexportdebatte, dubiose Großspender, die Parteitagsinitiative der Deutschland-Abschaffer, ein Nebeneinkünfte-Skandal, Baerbocks peinliche Lebenslaufretuschen, undurchdachte Verbotsforderungen für Kurzstrecken- und Billigflüge und schließlich eine unpopuläre Benzipreisforderung“, so Wolfram Weimer weiter. Die Landtagswahl von Sachsen-Anhalt, bei der die CDU überraschend auf über 37,1 Prozent kam, die Grünen dagegen nur auf enttäuschende 5,9 Prozent, nicht einmal 1/6 davon, wirke „nun wie die Quittung für einen Katastrophenwahlkampf. Mit 5,9 Prozent sind die Grünen nurmehr zur sechsstärksten Partei durchgereicht worden. Eine grüne Kanzlerin Baerbock wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher“, so Weimer, der dann die Frage aufwirft: „Wird Habeck doch noch Kanzlerkandidat?“.

Vorl. Ergebnis 2021-06-06

(c) JFB

In der Partei mache „sich Ärger breit, denn die Chance auf einen grundlegenden Politikwechsel in Deutschland schien riesengroß, endlich keimte Wechselstimmung im Land, die Union wähnte man obendrein in schlechter Verfassung.“ Doch „nun bahnt sich eine Wiederholung der Wahlkämpfe von 2013 und 2017 an, als die Grünen bärenstark ins Wahljahr gestartet waren, am Ende aber jeweils mit einstelligen Ergebnissen abgestraft wurden.“ Im Mittelpunkt der innerparteilichen Kritik stehe Annalena Baerbock. „Nebeneinkünfte nicht gemeldet und einen Coronabonus heimlich eingestrichen“, das habe für eine erste schwere Erschütterung im Image der Kanzlerkandidatin gesorgt.

„Es entsteht der fatale Eindruck, Baerbock sei eine Hochstaplerin und werde dabei gerade erwischt“

„Noch schlimmer sind die frisierten Angaben Baerbocks zu ihrem Lebenslauf“, konstatiert Weimer ganz richtig, denn hier geht es um viel mehr als nur Schlampigkeit oder Fehler, die jedem mal passieren können, worauf ich schon im Mai hinwies. „Einen Bachelorabschluss, den es nie gab, und ein Völkerrechtsstudium, das keines wahr, Mitgliedschaften, die nicht existieren, sind nicht nur peinlich – die Aufschneiderei erschüttert die Integrität der Kandidatin, stellt Weimer heraus. „Fast täglich entdecken Journalisten neue Ungereimtheiten in der Selbstdarstellung Baerbocks. Ihr angeblicher Büroleiter-Job war doch wohl nur eine Assistenz, der Arbeitsplatz in Brüssel war wohl eher Potsdam, die journalistische Tätigkeit war womöglich doch nur ein Schulprojekt, die Mitgliedschaft beim UNHCR erfunden. Die Enthüllungen sind nicht mehr nur übliche Lebenslauf-Optimierungen, es entsteht der fatale Eindruck, Baerbock sei eine Hochstaplerin und werde dabei gerade erwischt.“

Doch die Frage der Integrität wiege bei einer grünen Kanzlerkandidatin schwerer, „weil die Grünen den hohen Ton der Moralität pflegen und zur politischen Waffe haben werden lassen. Und so schauen Journalisten immer kritischer hin und die Öffentlichkeit wird skeptisch, ob sie charakterlich kanzlerreif ist. Die so rasch von totaler Begeisterung zur brutaler Kritik kippende Stimmung lasse vermuten, „dass der ‚Baerbock-Zug‘ entgleisen könnte – so wie vor vier Jahren der Wahlkampfzug von Martin Schulz nach anfänglicher Euphorie gründlich von der Bahn kam.“

Die Grünen fallen innerhalb weniger Wochen von 26 auf unter 22 Prozent und drohen unter 20 zu rutschen

All das wird inzwischen durch die Datenlage der Meinungsforschungsinstitute gestützt. In der obigen Dawum-Grafik ist deutlich zu sehen, wie Die Grünen von ihren 26 Prozent nun ganz schnell wieder zurückgefallen sind auf unter 22 Prozent und dies dürfte erst der Anfang dieser steilen Abwärtsbewegung sein, während die Union nun schon wieder auf 26 bis 27 Prozent steht. So sieht der aktuelle Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute aus, die in den letzten 21 Tagen repräsentative Erhebungen durchführten:

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(c) JFB

Bei INSA (BILD) sind die Grünen seit Mitte Mai von 24 auf 20,5 Prozent gefallen, bei Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) seit Anfang Mai von 26 auf 22 Prozent, bei Forsa (RTL/ntv-Trendbarometer) seit Anfang Mai von 28 auf 22 Prozent regelrecht abgestürzt, ebenso bei Kantar (Focus) von 28 auf 22 Prozent, bei Civey (SPIEGEL) seit Ende April sogar von 29 auf 21 Prozent und bei Infraste dimap (ARD-Deutschlandtrend) seit Anfang Mai von 26 auf 20 Prozent.

„Das Momentum ist schlecht für die Grünen. Sollte sich die Stimmung nicht rasch drehen, ist ein Abrutschen unter die Marke von 20 Prozent wahrscheinlich“, heißt es bei den Demoskopen. Und da muss noch lange nicht Schluss sein. In Sachsen-Anhalt haben wir gesehen, wie die Grünen die letzten Wochen vor der Wahl von 11 bis 12 Prozent auf 5,9 runter sind, sich also halbiert haben. Den harten Kern der Grünen-Wähler sieht INSA derzeit bei ca. 14 Prozent, aber selbst der kann noch etwas abschmelzen, wenn immer mehr Enthüllungen über Annalena Baerbock ans Tageslicht kommen.

Wird Baerbock ihre Kandidatur in letzter Minute zurückziehen?

Diese Sorge sei nun zum inoffiziellen Hauptthema des grünen Wahlkampfparteitag geworden, berichtet Wolfram Weimer weiter. „Der soll vom 11. bis 13. Juni stattfinden und war eigentlich als Krönungsmesse für Baerbock gedacht. Für den Samstag um 15 Uhr steht ‚Abstimmung Spitzenduo und Kanzlerkandidatin‘ auf dem Programm. Doch nun kommen Gerüchte auf, dass infolge der desaströsen Lage um Baerbock eine Überraschung anstehen könnte. Womöglich könnte Baerbock aus eigenem Wunsch in letzter Minute auf ihre Kandidatur verzichten. Noch ist sie nicht offiziell nominiert, noch könnte sie dem unbelasteten Robert Habeck den Vortritt lassen.“

Die Führungsfrage werde nach der Union nun auch bei den Grünen noch einmal diskutiert. „Für Baerbock hätte ein Rückzug den Vorteil, dass sie sich aus der Schusslinie nähme und nicht weitere Beschädigungen ihrer persönlichen Integrität einstecken müsste. Zugleich würde ein Rückzug aus eigenem Wunsch als Geste der Vernunft gewertet, auch um das eigene Bild der Überehrgeizigen zu korrigieren. Für Habeck wiederum wäre die Nominierung eine späte Genugtuung. Er hatte Baerbock loyal unterstützt und eigene Ambitionen fein zurück gestellt. Nun könnte er mit diesem charakterlichen Bonus in den Wahlkampf starten. Habeck ist nicht nur unbelastet sondern auch regierungserfahren – ein weiterer Punkt, der auf einer Kanzlerkandidatur Baerbocks lastet.“ Weimer berichtet, dass ein Bundestagsabgeordneter der Grünen gesagt habe: „Viele in der Partei würden sich nach den letzten Wochen diesen Kandidatenwechsel wünschen“.

Denn eines dürfte klar sein: Baerbock schadet inzwischen massiv ihrer eigenen Partei, worüber man in der Union und bei deren Wählern nicht unbedingt unglücklich ist.

Die grüne Kanzlerkandidatin verliert immer mehr die politische Mitte der Deutschen

Bereits gestern Nachmittag veröffentlichte RTL die neuen Forsa-Zahlen (Erhebung vom 01.07. bis 07.07.2021, 2.501 Befragte). Diese Zahlen, die vor fast einer Woche erhoben wurden (mittlerer Tag der Befragung: 04.07.2021) zeigen, dass Baerbock den großen Vorsprung von 17 Punkten (32 zu 15 Prozent), den sie am 20. April noch vor Armin Laschet hatte, …

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… bereits fast vollständig verloren hat, dieser schon vor sechs Tagen (mittlerer Tag der Befragung) auf ein Pünktchen zusammengeschmolzen war:

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Denn bei denjenigen Wählern, die sich selbst der politischen Mitte zuordnen – und das sind diejenigen, die bisher noch jede Bundestagswahl in Deutschland seit 1949 entschieden haben -, erhält Baerbock nur noch 14 Prozent Zustimmung. Das ist nicht einmal jeder Siebte. Olaf Scholz kann in der politischen Mitte nur minimal besser punkten und Armin Laschet hat hier inzwischen die Nase vorn mit 22 Prozent Zustimmung. Baerbock ist hier also inzwischen auf dem letzten Platz der drei Kanzlerbewerber.

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Einschätzung der Kanzlereignung: Baerbock fällt in drei Wochen von 43 auf 28 Prozent

Im Mai, genauer: vor drei Wochen, erschien Annalena Baerbock laut neuem ZDF-Politbarometer – heute veröffentlicht, Erhebung vom 07. bis 09. Juni (mittlerer Tag der Erhebung: 08.06.2021) – noch 43 Prozent der Bürger als Bundeskanzlerin geeignet. Damit lag sie ganz knapp vor Olaf Scholz (SPD), der auf 42 Prozent kam, und recht deutlich vor Armin Laschet (CDU), der nur 37 Prozent der Deutschen als geeignet ansahen.

Doch in nur drei Wochen hat sich das Bild völlig gedreht. Baerbock, die vor 21 Tagen noch auf Platz eins lag, ist nun abgeschlagen mit gerade noch 28 Prozent (−15) auf dem letzten Platz, während Scholz (+6) und Laschet (+6) ihre Werte beide deutlich verbessern konnten:

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In der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker in Deutschland fällt Baerbock auf den letzten Platz, noch hinter Jens Spahn

Doch nicht nur im Vergleich zu Armin Laschet und Olaf Scholz, sondern auch zu allen anderen wichtigen Politikern in Deutschland fällt Baerbock weit zurück, nun sogar auf den letzten Platz – noch hinter Jens Spahn. Ja, Baerbock ist die Einzige, die insgesamt negativ bewertet wird:

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Soweit das ZDF-Politbarometer von heute mit den Erhebungen von Forschungsgruppe Wahlen von Montag bis Mittwoch.

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