Diese Länder haben die meisten Corona-Toten pro Einwohner

Von Jürgen Fritz, Sa. 18. Apr 2020, Titelbild: Johns Hopkins University-Screenshot

America first. Die USA (327 Mio. Einwohner) haben inzwischen nicht nur die meisten COVID-19-Toten weltweit (über 37.000), sie haben nicht nur weltweit die meisten detektierten Infizierten (über 700.000), sie haben nicht nur die meisten registrierten Neuinfizierten (über 32.000), sie verzeichnen auch jetzt schon zum dritten Mal mehr als 2.500 Corona-Tote an nur einem Tag. Doch wie sieht es aus, wenn man nicht die absoluten Zahlen betrachtet, sondern bezogen auf die jeweilige Bevölkerungsgröße? Welche Länder hat es da bisher am schlimmsten erwischt?

USA: jeden Tag um die 2.000 Corona-Tote, gestern über 2.500

Seit elf Tagen haben sie nun jeden Tag um die oder über 2.000 Menschen zu beklagen, die an COVID-19 sterben. Dabei sind das nur die offiziellen Zahlen. Wenn wir die Dunkelziffer dazurechnen, dürften es sogar noch deutlich mehr sein, weil viele Menschen ja nicht in einer Klinik sterben, sondern in Altenheimen, in Pflegeheimen oder schlicht zuhause, ohne je auf SARS-CoV-2 getestet worden zu sein. Näheres dazu siehe hier: An oder mit SARS-CoV-2 gestorben?.

Elf Tage lang also täglich Nine-eleven! Und ein Ende ist nicht einmal annähernd in Sicht. Im Gegenteil, es könnte noch viel schlimmer kommen. Am Dienstag nach Ostern wurden sogar fast 6.200 Tote an einem Tag gemeldet, wobei da wohl Zahlen von den Osterfeiertagen nachgereicht wurden, die zu spät gemeldet worden sein dürften. Allein im Bundesstaat New York (19,5 Millionen Einwohner) gab es jetzt schon über 17.000 Tote, viermal so viele wie in ganz Deutschland (83 Millionen Einwohner) und 46 Prozent aller Corona-Toten der USA.

Großbritannien und Belgien im Moment stark betroffen

Während sich die Lage in Italien (über 22.700 Tote insgesamt) und Spanien (über 20.000 Tote) zumindest ein ganz klein wenig gebessert hat, die täglichen Todeszahlen zumindest nicht weiter gestiegen, sondern moderat gefallen sind, haben Frankreich und vor allem Großbritannien (66,6 Mio.) zunehmend mit der Coronakrise zu kämpfen. Das Vereinigte Königkreich, welches anfangs einen anderen Kurs fahren wollte: möglichst schnell eine Herdenimmunität herstellen (irre!), hat inzwischen über 14.500 Tote (mehr als 3,3 mal so viele wie das deutlich größere Deutschland). Gestern kamen in GB wieder fast 850 neue Tote dazu. Das war der elfte Tag in Folge mit 700 bis 1.000 Toten innerhalb von 24 Stunden.

Das kleine Belgien mit nicht mal 11,5 Mio. Einwohnern hat inzwischen über 5.000 Tote! Gestern kamen über 300 neue dazu. Allerdings werden hier abweichend zu anderen Ländern, in denen nur auf SARS-CoV-2 Getestete gezählt werden, auch ungetestete Verdachtsfälle mitgezählt, was die Zahlen zwar realistischer macht als in den anderen Ländern, dafür aber weniger vergleichbar, weil sonst meist nur die Todesfälle zählen, die auch positiv getestet wurden, wenngleich viele COVID-19-Tote ja nie auf SARS-CoV-2 untersucht, sondern einfach begraben werden.

China meldet plötzlich fast 1.290 Tote nach

China (fast 1,4 Milliarden Einwohner), das als Ursprungsland von SARS-CoV-2 gilt, sieht sich inzwischen erneut dem Verdacht ausgesetzt, dass das neuartige Coronavirus nicht, wie von den Chinesen behauptet, von einem Wildtiermarkt in Wuhan von Fledermäusen auf den Menschen überging, sondern aus einem möglichen Laborunfall stammen könne. Berichten der Washington Post und des Senders Fox News zufolge gehen die US-Geheimdienste dem Verdacht nach, das Coronavirus könnte aus einem außerhalb der Millionenmetropole Wuhan angesiedeltem Bio-Labor stammen. Auch die Biosicherheitswissenschaftlerin Filippa Lentzos vom Londoner King’s College sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Ursprungsort der Coronavirus-Pandemie sei nach wie vor unbekannt. Es gebe Hinweise, die „auf einen möglichen Laborunfall hindeuten könnten.

Dies ist im Moment noch ungesichert, fest steht aber, dass China gestern plötzlich 1.290 COVID-19-Tote aus Wuhan nachmeldete. Dass diese Todesfälle erst jetzt bekannt wurden, wird seitens China mit einer Überforderung des Personals und mangelnden Behandlungsmöglichkeiten zu Beginn der Pandemie begründet.

Niederlande und Schweden haben umgerechnet 3,8 bzw. 2,6 mal so viele Tote

In Deutschland (83 Millionen) stieg die offizielle Zahl der Corona-Toten gestern um 300 auf jetzt über 4.350. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind wir bislang relativ glimpflich davon gekommen.

Die Niederlande mit nur 17,3 Millionen Einwohnern, etwa ein Fünftel von Deutschland, hat mit über 3.450 schon fast ähnlich viele Todesfälle zu beklagen und das kleine Schweden (10,2 Mio.) hat bereits 1.400 Tote. Umgerechnet auf die Größe Deutschlands mehr als 2,6 mal so viele wie wir. 

Dabei sterben zwar vornehmlich alte Menschen, besonders die 70-, 80-, 85-Jährigen und solche mit Vorerkrankungen, aber nicht nur. Es sterben, wenn auch weit weniger, auch Junge, Kinder ganz selten, aber 30-, 40-, 50-Jährige schon. Und bei den Jungen, Gesunden bleiben bei Schwerstverläufen, auch wenn sie es überleben, teilweise lebenslange schwere und irreparable Lungenschäden zurück.

Tote pro eine Million Einwohner

Da die Länder in der Größe ihrer Bevölkerungen sehr unterschiedlich sind, ist es sinnvoll hier auch mal die Anzahl der Toten pro eine Million Einwohner zu betrachten. Nach den offiziellen Zahlen, die natürlich wiederum von Staat zu Staat unterschiedlich genau sein dürften, weil nicht überall gleich intensiv getestet wird, sprich die Dunkelziffer von Land zu Land unterschiedlich ist, ergibt sich zum Stand 17.04.2020 folgender Befund:

Diese Länder haben bisher sehr wenige Todesfälle pro eine Million Bevölkerung:

  • Australien: 3
  • China: 3
  • Südkorea: 4
  • Polen: 9
  • Israel: 17
  • Welt: 19,8

Diese Länder haben bisher leicht erhöhte Todesfallzahlen pro eine Million Bevölkerung:

  • Türkei: 21
  • Norwegen: 30
  • Kanada: 35
  • Österreich: 48
  • Deutschland: 52
  • Dänemark: 58
  • Iran: 59
  • Portugal: 64
  • Monaco: 76

Diese Länder haben im Moment die meisten Todesfälle pro eine Million Einwohner:

  • Irland: 107
  • USA: 112
  • Luxemburg: 115
  • Schweden: 139
  • Schweiz: 153
  • Niederlande: 202
  • Großbritannien: 215
  • Frankreich: 286
  • Italien: 376
  • Spanien: 428
  • Belgien: 445

Fazit und Ausblick

Wir sehen also, es gibt durchaus einige Länder, die noch deutlich mehr Todesfälle bezogen auf die Bevölkerungsgröße zu beklagen haben als die USA, insbesondere Belgien, wobei hier wie erwähnt, anders gezählt wurde bisher, Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, die Schweiz und Schweden.

Dabei müssen wir wohl davon ausgehen respektive damit rechnen, dass wir uns womöglich noch im ersten Prozent der Pandemie bezogen nicht auf die Zeit, sondern auf die Erkrankungen und Todesfälle (>154.000)  befinden, da das Virus in weiten Teilen der Erde noch gar nicht oder kaum angekommen ist und selbst da, wo es schon wütet, wir uns noch in einem Frühstadium der ersten Welle befinden. Das heißt, wir sollten uns darauf einstellen, dass wir hier einen langen Atem brauchen werden. Dies wird – darauf deutet zumindest vieles hin – weder ein Sprint noch eine Mittelstrecken-, sondern ein Marathonlauf, womöglich sogar ein Ultramarathon.

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