USA zählen jetzt über 116.000 Corona-Tote, Schweden im Verhältnis noch deutlich mehr

Von Jürgen Fritz, Fr. 12. Jun 2020, Titelbild: Our World in Data-Screenshot

Seit Anfang April breitet sich das neuartigen Coronavirus weltweit nicht mehr exponentiell aus. Gleichwohl ist SARS-CoV-2 weiter sehr virulent, inzwischen vor allem in Nord- und Süd-Amerika, insbesondere Brasilien. Aber auch die USA schaffen es im Gegensatz zu Deutschland und Italien bislang nicht, die Zahl ihrer aktiven Fälle zu reduzieren. Noch negativer ist aber die Entwicklung in Schweden, wo die Zahl der aktiv Infektiösen sogar immer weiter steil ansteigt und die Zahl der COVID-19-Toten pro Einwohner schon jetzt 4,5 mal so hoch ist wie in Deutschland, fast 11 mal so hoch wie in Norwegen.

Zahl der täglichen weltweiten COVID-19-Todesfälle seit Mitte April rückläufig

Zuerst die guten Nachrichten: Seit ca. Anfang April ist die exponentielle Zunahme der weltweiten Todesfälle bereits in eine nicht mehr exponentielle Zunahme übergegangen, siehe Bild unten. Seither explodieren die Sterberaten also nicht mehr. Und seit etwa Mitte/Ende April gehen die täglichen Zahlen der Todesfälle sogar zurück. Waren es im April zeitweise 7.000 bis 8.000 COVID-19-Tote pro Tag, so sind es derzeit „nur noch“ ca. 4.000 bis 5.000.

Die Gesamtzahl der Todesfälle steigt natürlich weiter an – Tote kommen ja außer in Romanen und Filmen nicht mehr zu zurück aus dem Reich der Toten -, aber sie steigen seither sogar langsamer. Zuvor sahen wir eine exponentielle Verbreitung der Infektionen und mit entsprechender Verzögerung darauf folgend auch der Todesfälle.

Hierbei kann man davon ausgehen, dass sich bei den meisten derer, die an der von SARS-CoV-2 hervorgerufenen Erkrankung COVID-19 sterben, dies ca. ein Monat nach der Infektion geschieht, plus minus einige Tage.

  • Am 15. März 2020 übersprang die an einem Tag weltweit gemeldete Anzahl von neuen Todesfällen erstmals die 500er-Marke,
  • am 19. März erstmals die 1.000er-Marke,
  • am 24. März erstmals die 2.000-er Marke,
  • am 30. März die 4.000er-Marke,
  • am 2. April die 6.000er-Marke.

Ab jetzt aber ließ das Tempo der Zunahme der täglichen Todesfälle allmählich nach.

  • Am 7. April waren es zwar erstmals mehr als 7.000 Tote an einem Tag, aber die Steigerungen waren jetzt schon deutlich langsamer als zuvor.
  • Am 15. April ging es erstmals über 8.000 an einem Tag und
  • erreichte am 17. April den Höhepunkt von über 8.400 gemeldete Todesfällen an diesem Tag.

Seither sind die weltweit gemeldeten Todesfälle rückläufig. In den letzten zehn Tagen waren es im Schnitt nur noch ca. 4.566 Todesfallmeldungen pro Tag, also grob etwa halb so deutlicher weniger als Mitte April.

Zahl der täglich neu detektierten Infizierten steigt weiter an

Etwas beunruhigender ist dagegen, dass die Zahl der täglich neu detektierten Infektionen seit etwa Mitte Mai wieder ansteigt, zwar nicht exponentiell, sondern milde, aber ein Anstieg ist zu erkennen:

2020-06-11-Welt

Dabei hat sich das Geschehen inzwischen weg verlagert von Europa zunächst nach Nordamerika, inzwischen vor allem Südamerika sowie ein wenig auch nach Russland und Indien. Weltweit sehen wir aktuell ca. 7,6 Millionen detektierte Infektionen:

Welt-2020-06-11

USA und Brasilien zählen die meisten Infizierten und schaffen es nicht, die aktiven Fälle zu reduzieren bzw. den Anstieg zu bremsen

Und diese ca. 7,6 Millionen Fälle verteilen sich besonders auf folgende Länder:

  1. USA: fast 2,1 Mio.
  2. Brasilien: ca. 806.000
  3. Russland: ca. 502.000
  4. Indien: ca. 298.000
  5. Großbritannien: ca. 291.000
  6. Spanien: ca. 290.000
  7. Italien: ca. 236.000

Diese sieben Länder machen rund 60 Prozent aller weltweiter registrierter Infektionen aus, wobei die Dunkelziffer von Land zu Land sehr, sehr unterschiedlich sein dürfte, da die Zahl der durchgeführten Tests extrem variiert.

2020-06-11

Dabei ist die Entwicklung der Epidemie in diesen besonders betroffenen Ländern sehr unterschiedlich. Wichtig ist hierbei insbesondere die Zahl der aktiven Fälle, also der Personen, die im Moment noch infektiös sind. In den USA sehen wir, dass diese Zahl in den letzten Wochen zwar nicht mehr ansteigt, aber auch nicht zurückgeht. Das heißt, wenn 100 Menschen genesen oder sterben, kommen auch wieder etwa 100 Neuinfektionen dazu, so dass der Pool der Infektiösen konstant bleibt und das auf sehr hohem Niveau von ca. 1,16 Millionen:

Active Cases USA

In Brasilien sehen wir dagegen noch kaum ein Abbremsen des Anstiegs der aktiven Fälle, die inzwischen auf ca. 368.000 geklettert sind:

Active Cases Brasilien

Italien und Deutschland haben es geschafft, die aktiven Fälle drastisch zu reduzieren

Ein ganz anderes Bild sehen wir dagegen in Italien, wo die Zahl der aktiven Fälle seit dem 20. April von über 108.000 auf nun ca. 30.600 drastisch zurückgegangen ist. Der Lockdown scheint hier also deutliche Wirkung zu zeigen.

Active Cases Italien

Eine noch bessere Entwicklung sehen wir in Deutschland, wo die Zahl der aktiven Fälle seit dem 6. April von knapp 73.000 auf jetzt 6.744, also um über 90 Prozent zurückgegangen ist:

Dt.-2020-06-11

Bedenkliche Entwicklung in Schweden

Ein ganz andere Entwicklung sehen wir dagegen in Schweden. Hier steigt die Zahl der aktiven Fälle immer weiter an auf jetzt 35.177.

Active Cases Schweden

Das ist 5,2 mal so viel wie in Deutschland, welches aber 8,3 mal so viele Einwohner hat. Diese 35.177 entsprächen in Deutschland etwa 292.000 aktiven Fällen statt den 6.744, wie wir haben, also etwa das 43-fache. Dabei können wir davon ausgehen, dass die Dunkelziffer in Schweden nochmals deutlich höher sein dürfte als in Deutschland, da in Schweden pro Einwohner ca. 40 bis 45 Prozent weniger Tests durchgeführt werden als bei uns.

Und diese katastrophale schwedische Entwicklung zeigt sich auch in der Zahl der Todesfälle pro eine Million Einwohner, wobei wir auf Grund der hohen Zahl der aktiven Fälle dort davon ausgehen müssen, dass dort die Todesfallzahlen in einem völlig anderen Ausmaß als in den Vergleichsländern weiter steigen werden:

  1. Island: 29
  2. Norwegen: 44
  3. Finnland: 58
  4. Dänemark: 102
  5. Deutschland: 104,5
  6. USA: 341
  7. Schweden: 475 

total-covid-deaths-per-million (3)

Die zehn Länder mit den meisten COVID-19-Toten pro Einwohner

Damit liegt Schweden bei der Anzahl der Todesfälle pro eine Million Einwohner inzwischen weltweit auf Platz fünf aller Länder, die mindestens eine Million Einwohner haben. Hier die Zahlen von gestern Abend (oben die von gestern Mittag):

  1. Belgien*: 832 (zählt auch Verdachtsfälle ohne Test mit)
  2. Großbritannien: 608
  3. Spanien: 580
  4. Italien: 565
  5. Schweden: 477
  6. Frankreich: 450
  7. Niederlande: 353
  8. USA: 351
  9. Irland: 345
  10. Schweiz: 224

*Belgien zählt bei den COVID-19-Toten anders als die meisten anderen Länder auch Verdachtsfälle mit, bei denen kein SARS-CoV-Test durchgeführt wurde. Dadurch dürfte die Todesfalldunkelziffer hier sehr viel niedriger sein als in den meisten anderen Ländern, wo wir davon ausgehen müssen, dass auf 100 offizielle COVID-19-Todesfälle nochmals mindestens 20 bis 80, teilweise noch mehr aufaddiert werden müssen, um die Zahl der tatsächlichen Corona-Toten zu erhalten.

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