Politbarometer: Union steigt von 26 auf 33, AfD fällt von 14 auf 10 Prozent

Von Jürgen Fritz, Fr. 27. Mär 2020, Titelbild: ZDF-Screenshot

Vor fünf Tagen erst hatte JFB konstatiert, dass die Union sich auf 30 Prozent zubewegt und die AfD auf zehn. Im aktuellen Politbarometer haben CDU/CSU die 30 Prozent jetzt sogar schon überschritten, steigen innerhalb von drei Wochen um sieben Punkte auf 33 Prozent. Nie zuvor hat das Politbarometer einen so steilen Anstieg gemessen. Grüne und SPD verlieren dagegen leicht und die – wie wir inzwischen wissen – teils rechtsextremistische AfD, die auch im achten Jahr ihrer Existenz nicht bereit ist, sich von den Verfassungsfeinden in den eigenen Reihen zu trennen, sackt förmlich ein von 14 auf 10 Prozent. Damit hat sie in knapp 19 Monaten über 41 Prozent ihrer Anhänger verloren.

Krisenzeiten sind Chancen für die Regierenden, sich zu bewähren

Das entscheidende Thema ist und bleibt die Coronakrise. Über 25.000 Menschen hat sie in den letzten Wochen bereits das Leben gekostet, in Deutschland zum Glück erst um die 300. Doch wir stehen erst ganz am Anfang dieser Pandemie und immer mehr Menschen ahnen, was da am Horizont aufzieht, sich zusammenbraut und unaufhaltsam auf uns zurollt. In solchen Zeiten, das wissen die meisten Menschen, braucht es weder von der Realität abgehobene Traumtänzer noch solche, die alles und jeden ablehnen und schlecht zu reden versuchen, ohne selbst sonderlich viel auf die Reihe zu kriegen.

Krisenzeiten sind im Grunde immer Phasen, in denen sich Regierungen profilieren können, wenn sie die Probleme sichtbar gut handeln beziehungsweise wenn die Menschen den Eindruck haben, dass dem so ist. In Deutschland sind vor allem vier Personen präsent und können derzeit entsprechend punkten: die Kanzlerin Angela Merkel, der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU), die zwei  Ministerpräsidenten der bevölkerungsmäßig größten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern, Armin Laschet (ebenfalls CDU) und Markus Söder (CSU). Sie merken alle vier Personen sind in der Union. Und das macht sich die letzten Wochen in der Sonntagsfrage, „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche der folgenden Parteien würden Sie dann wählen?“, massiv bemerkbar. Dazu gleich mehr. Doch betrachten wir zunächst, wie die Bevölkerung die Politik der Regierenden in der Corona-Krise beurteilt.

Ergebnisse des ZDF-Politbarometers vom 27.03.2020: Extrem gute Bewertungen für die Bundesregierung

Mitarbeiter von Forschungsgruppe Wahlen, das einzige Institut, welches Wahl-O-Matrix vor Wahlen mehrfach geschlagen hat, befragten vom 23.03. (Mo.) bis zum 26.03.2020 (Do.) telefonisch 1.473 Wahlberechtigte. Hier die Ergebnisse:

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Drei von vier Deutschen finden die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie gerade richtig, 20 Prozent würden sich sogar härtere Maßnahmen wünschen und nur 4 Prozent erscheint das derzeit übertrieben.

Die schwarz-rote Bundesregierung erzielt hierbei aktuell einen überragend guten Wert in der Beurteilung ihrer Arbeit während dieser Krise von 89 Prozent. Nur 8 Prozent sind der Auffassung, die deutsche Regierung würde ihren Job nicht gut machen.

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Dabei geht die Zufriedenheit von links bis rechts. Die Anhänger aller Parteien sehen die Arbeit der Bundesregierung ausgesprochen positiv, sogar die der AfD zu 70 Prozent und die der Linkspartei zu über 80 Prozent. Die höchsten Zustimmungswerte bekommt Schwarz-Rot natürlich von den Anhängern von CDU/CSU, dann aber von Grünen- und FDP-Anhängern, nicht von denen der SPD, die ja selbst mitregiert in Berlin. Das ist freilich etwas überraschend, macht aber auch etwas deutlich, nämlich wer in der Regierung das Corona-Management übernommen hat.

Und sogar mit den Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, welche die letzten sieben Tage verhängt wurden, sind 95 Prozent der Wähler einverstanden. Nur einer von 20 findet sie nicht angemessen.

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Dabei zeigen sich in den letzten drei Wochen Veränderungen leichte Veränderungen ind er Einschätzung, ob zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 genug getan wird:

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Die Wähler wünschen sich mehr Kompetenzen für den Bund statt für die Länder

Zu den Problemen, welche durch die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen entstehen, gehören neben den psychischen vor allem auch die ökonomischen Folgen, weshalb der US-Präsident bereits nach wenigen Tagen überlegt, die Beschränkungen entgegen der Empfehlung der medizinischen Experten schon wieder zu lockern. Wie sieht das die deutsche Bevölkerung?

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Auch hier sind drei von vier Bundesbürgern, also eine überragende Mehrheit der Auffassung, die Bundesregierung tut zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen gerade das Richtige. 18 Prozent meinen, sie müsste noch mehr tun, für 2 Prozent ist es schon zu viel.

Interessant ist auch die Frage, wer eigentlich bei so schweren Krisen primär zuständig sein sollte. Hier sagen ebenfalls fast drei von vier: der Bund und nicht die einzelnen Länder. Denn 16 verschiedene Regelungen erscheinen wohl vielen Bürgern einfach nicht sinnvoll. Hinzu kommt, dass die Abstimmungsprozesse einfach viel länger dauern, als wenn Dinge zentral in Berlin für ganz Deutschland festgelegt werden, so dass jeder weiß, woran er ist. Das föderale System wirkt hier wohl doch eher hemmend und das empfinden offensichtlich 73 Prozent der Bürger so.

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Was befürchten die Menschen am ehesten im Rahmen der Corona-Krise?

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Dass die Corona-Patienten in Krankenhäusern nicht adäquat versorgt werden können, ist die größte Angst der Menschen. 60 Prozent sehen hier wohl ganz realistisch die größten Probleme. Die Nachrichten aus dem Elsass, wo über 80-Jährige nicht mehr beatmet werden, weil es einfach zu viele auf einmal gibt, die versorgt werden müssen, dürften dies noch verstärken. Nur 44 Prozent sehen allgemein im Gesundheitsbereich Versorgungsprobleme und nur 13 Prozent bei der Lebensmittelversorgung.

Fast die Hälfte der Bürger belastet die Situation

Während vor drei Wochen nur 20 Prozent ihre Gesundheit durch das Coronavirus gefährdet sahen, sind es diese Woche bereits 52 Prozent.

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Und fast die Hälfte der Bevölkerung belastet dies schon jetzt, wo alles erst anfängt, was ein Indiz sein könnte, dass viele es verlernt haben, mit echten realen Bedrohungsszenarien ernsthaft aber doch gelassen umzugehen.

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Dabei gehen die meisten (62 Prozent) davon aus, dass die schlimmste Phase der Pandemie in einigen Monaten überwunden sein wird, während der Gesundheitsexperte der SPD Prof. Lauterbach gestern von mindestens 18 Monaten sprach, die uns das Virus beschäftigen wird. 20 Prozent haben sogar die Illusion, in einigen Wochen wäre das ausgestanden und nur 15 Prozent gehen von der wohl realistischen Einschätzung aus, dass uns das mindestens ein Jahr lang massiv beschäftigen wird.

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Soweit die Einschätzungen der Bürger zur Corona-Krise und ihrer Bewältigung.

Merkel, Söder und Spahn stehen derzeit am höchsten im Kurs

Nun zu der eingangs gestellten Frage, welche Politiker derzeit diese Chance der Bewährung besonders gut nutzen. Friedrich Merz, der vor der Corona-Krise der Favorit der Bevölkerung als nächster Kanzler war, hat im Moment keinerlei Möglichkeit, sein Kompetenzen und seine Fähigkeiten als Regierungschef unter Beweis zu stellen. Diese Möglichkeit haben natürlich vor allem die amtierende Kanzlerin, der zuständige Bundesminister Jens Spahn und die beiden Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder, außerdem der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), den sich die Deutschen übrigens auch als SPD-Spitzenkandidaten wünschen und nicht die beiden SPD-Vorsitzenden Saskia Esken oder Norbert Walter-Borjans.

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Am wenigsten beim Wahlvolk punkten kann von diesen derzeitigen Hauptprotagonisten Armin Laschet, der trotz seines Amtsbonus als Ministerpräsident des mit Abstand größten Bundeslandes in der Wählergunst sogar knapp hinter dem Grünen Robert Habeck liegt.

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Ausgesprochen zufrieden sind die Bürger mit der Arbeit von Angela Merkel, jetzt sogar noch mehr als vor drei Wochen. Damals waren es schon mehr als zwei Drittel, jetzt sind es fast vier von fünf.

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Und so würden die Deutschen im Moment wählen

Krisenzeiten sind Regierungszeiten hatten wir anfangs festgestellt. Und dies zeigt sich in dieser heftigen Krise, an deren Anfang wir erst stehen, im Moment ganz klar, das aber bezogen nur auf die Union, nicht auf die SPD, die davon quasi fast gar nicht profitiert. CDU/CSU steigen dagegen die letzten drei Wochen um 7 Punkte von 26 auf 33 Prozent.

So einen starken Anstieg in so kurzer Zeit verzeichnete das Politbarometer noch niemals zuvor. Bei INSA war es die letzten drei Wochen ebenfalls ein Plus von 7 Punkten für die Union und bei Forsa sogar ein Plus von 10 Punkten. Grüne und SPD verlieren dagegen beide leicht (− 1), ebenso die Kleinparteien.

  1. CDU/CSU: 33 % (+ 7)
  2. GRÜNE: 22 % (– 1)
  3. SPD: 15 % (– 1)
  4. AfD: 10 % ( – 4)
  5. LINKE: 8 %
  6. FDP: 6 %
  7. Sonstige: 6 % (– 1)

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Einen regelrecht Einbruch erlebt dagegen die AfD, die von 14 auf 10 Prozent abstürzt, in nur drei Wochen fast 30 Prozent ihrer Anhänger verliert. Dabei hat die „Alternative für Deutschland“ ihren Höhepunkt von 17 Prozent im August 2018 längst schon überschritten. Schon seit Ende 2018 liegt sie durchweg unter 15 Prozent und fällt nun erstmals wieder auf 10.

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Damit hat die AfD in nur knapp 19 Monaten über 41 Prozent ihrer Anhänger verloren. Und bei 10 Prozent muss noch nicht stopp sein. Bei Civey steht sie zur Stunde gerade noch bei 9,1 Prozent, CDU/CSU aber bei über 36.

Hier können Sie alle Ergebnisse des Politbarometers nachlesen.

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