SPD hat vorne keine Zwei mehr

Von Jürgen Fritz, So. 07. Aug 2022, Titelbild: © JFB

Dass die Kanzlerpartei in der Gunst der Wahlberechtigten nur die drittstärkste Kraft ist, das gab es bis vor zwei Monaten nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Seitdem setzt sich der Niedergang der SPD fort, die nun sogar vorne wieder eine Eins stehen hat und schon 7 bis 7,5 Punkte hinter der Union liegt.

SPD fällt erstmals seit August 2021 auf unter 20 Prozent

Auf 25,7 Prozent kam die SPD bei der Bundestagswahl am 26.09.2021, lag damit 1,6 Punkte vor der Union und 10,9 Punkte vor den Grünen auf Platz eins. Seither hat sich das Bild aber doch deutlich geändert. Schon vor zwei Monaten fiel die SPD nicht nur hinter die Union zurück, sondern dann auch hinter die Grünen. Das gab es zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie: die Kanzlerpartei nur noch auf Rang drei.

Doch der Niedergang setzt sich seither fort. Die SPD ist in den letzten Tagen und Wochen erstmals seit August 2021 wieder unter 20 Prozent gefallen. Sie liegt nun ca. 3,5 bis 4 Punkte hinter den Grünen und 7 bis 7,5 Punkte hinter CDU/CSU, nur noch 8 Punkte vor der AfD. Diese konnte sich nicht nur bei um die 10 Prozent stabilisieren, sondern jetzt sogar ein wenig zulegen auf über 11 Prozent.

Die höchsten Verluste nach der SPD muss die andere Regierungspartei, die FDP einstecken. Diese käme momentan nur auf ca. 7,8 Prozent und verlöre damit jeden dritten Anhänger, der sie im September 2021 noch wählte. Die Linke bleibt unter 5 Prozent, hat sich aber von ihrem absoluten Tiefpunkt (rund 4 Prozent) ein wenig erholt.

So würde Deutschland heute wählen

Angegeben ist für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute, die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Aktuell liegen acht Umfragen von sieben verschiedenen großen Meinungsforschungsinstituten vor, die diese Kriterien erfüllen. INSA veröffentlicht inzwischen jede Woche zwei verschiedene Erhebungen, einmal eine reine Online-Befragung von ca 2.000 bis 2.200 Personen und einmal eine Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von ca. 1.200 bis 1.700 Personen. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert dieser acht einbezogenen Befragungen (immer nur die aktuellste) sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller acht Werte.

  1. CDU/CSU: 2428 % ==> 26,4 %
  2. GRÜNE: 21 – 24 % ==> 22,8 %
  3. SPD: 17 – 22 % ==> 19,1 %
  4. AfD: 10 – 13 % ==> 11,1 %
  5. FDP: 69 % ==> 7,8 %
  6. LINKE: 3,55 % ==> 4,7 %
  7. Sonstige: 7 – 9 % ==> 8,1 %
2022-08-07

(c) JFB

Erläuterung

Diese Werte sind so zu verstehen, dass es für jede Partei bzw. für jede Bundestagsfraktion ein Fenster gibt, innerhalb dessen sie derzeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit läge. Die aufgeführten Zahlen stellen die Mitte dieses Fensters dar. Kleine Abweichungen von dieser Fenster-Mitte von ein bis zwei Prozent sind also jeweils in beide Richtungen möglich, bei größeren Parteien auch drei Prozent oder etwas mehr, wobei die Wahrscheinlichkeit, je weiter man sich von der Mitte des Fensters weg bewegt, immer mehr abnimmt und zwar drastisch. Abweichungen von deutlich über fünf oder gar zehn Prozent sind daher nahezu ausgeschlossen. Dies läge weit außerhalb des Fensters.

Dabei sind diese Angaben selbstverständlich keine Zukunftsprognosen, wie die Wähler in einigen Monaten oder Jahren votieren werden, sondern wie sie heute votieren würden (empirische Erfassung der Gegenwart).

Die Erhebungen dieser Institute wurden von Wahl-O-Matrix ausgewertet

Die acht Umfragen, welche ausgewertet wurden, waren (Kriterium 1: bezogen auf den mittleren Tag der Befragung nicht älter als drei Wochen, Kriterium 2: von jedem Institut immer nur die jeweils aktuellste, sofern nicht verschiedene Erhebungsmethoden vorlagen, ansonsten von jeder Erhebungsmethode die jeweils aktuellste):

  1. Wahlkreisprognose, mittlerer Tag der Befragung: 19./20.07.2022, Befragung von 1.400 Personen via Online Panel,
  2. GMS, mittlerer Tag der Befragung: 22./23.07.2022, telefonische Befragung von 1.005 zufällig ausgewählten Personen,
  3. Forsa (RTL/ntv-Trendbarometer), mittlerer Tag der Befragung: 29.07.2022, telefonische Befragung von 2.504 zufällig ausgewählten Personen,
  4. Kantar/Emnid (FOCUS), mittlerer Tag der Befragung: 29./30.07.2022, telefonische Befragung von 1.426 zufällig ausgewählten Personen,
  5. INSA (BILD), mittlerer Tag der Befragung: 30./31.07.2022, internetbasierte Befragung von 2.144 gezielt ausgewählten Mitgliedern einer Personengruppe (Befragten-Pool),
  6. Infratest dimap (ARD-DeutschlandTrend), mittlerer Tag der Befragung: 02.08.2022, Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von 1.313 Personen
  7. INSA (BILD am Sonntag), mittlerer Tag der Befragung: 03.08.2022, Mix–Befragung per Telefon und per Online-Panel von 1.701 Personen,
  8. Civey vom 19.06.2022, kurz nach 10 Uhr, mittlerer Tag der Befragung: 15./16.06.2022, Stichprobengröße: 10.005, stellvertretend für die Grundgesamtheit (volljährige Bundesbürger) in der Stichprobe zur Berechnung des repräsentativen Ergebnisses berücksichtigt wurden.

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool (von JFB gegründet), das mit seiner Prognose bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, wie auch schon bei der NRW-Wahl, mit 0,76 Prozent mittlerer Abweichung erneut näher am Ergebnis lag als sämtliche Umfrageinstitute (in Rheinland-Pfalz am drittnächsten, bei der EU-Wahl ebenfalls am drittnächsten und bei der Bundestagswahl 2017 am zweitnächsten und bei der Bundestagswahl 2021 zusammen mit Allensbach am nächsten von allen) hat damit eine breite Datenbasis von insgesamt 21.529 Befragten.

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